Videospiele: Blizzard-Mitarbeiter führen die Gehaltsdebatte

Bei Blizzard entbrennt ein Streit über Gehälter: Während der Umsatz des Unternehmens wächst, können sich manche Angestellte das Kantinenessen nicht leisten.

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(Bild: dpa, Michael Nelson)

Von
  • Daniel Herbig

Ein von Mitarbeitern geteiltes Dokument mit Gehaltsdaten sorgt innerhalb des Entwicklerstudios Blizzard für Aufsehen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg, der die Tabelle vorliegt. Die anonymen Daten sollen das Gehaltsgefälle innerhalb von Blizzard verdeutlichen und den Druck auf das Unternehmen erhöhen.

Laut Bloomberg führte Blizzard, das zum Activision-Konzern gehört, 2019 eine Gehaltsumfrage durch. Darin zeigten sich mehr als die Hälfte der Angestellten mit ihrem Gehalt unzufrieden. Im Juli 2020 soll Blizzard die Erkenntnisse aus dieser Studie umgesetzt und die Bezahlung vieler Mitarbeiter erhöht haben. Nicht jeder sei aber mit dem Ausmaß der Gehaltserhöhungen zufrieden: Die meisten Blizzard-Mitarbeiter, die ihr Einkommen in das anonyme Dokument eingetragen haben, verdienen weniger als 10 Prozent mehr als vorher.

Während hochrangige Blizzard-Entwickler laut Blizzard Gehälter von über 100.000 US-Dollar im Jahr beziehen, bekommen andere Berufsgruppen innerhalb von Blizzard nur Mindestlohn. In Kalifornien, wo Blizzards Zentrale steht, beträgt der Mindestlohn 13 US-Dollar pro Stunde.

Zu den schlechter bezahlten Angestellten gehören Support-Mitarbeiter und Spiele-Prüfer, die Entwicklungsversionen von Videospielen auf Bugs und Fehler abklopfen. Das kritisieren Blizzard-Angestellte gerade im Hinblick auf die seit Jahren steigenden Unternehmenseinnahmen und die hohen Manager-Gehälter.

"Unser Ziel war es immer, unsere Angestellten fair und wettbewerbsfähig zu entlohnen", schreibt Blizzard in einer Stellungnahme an Bloomberg. Man prüfe Gehälter regelmäßig, um das Talent der produktivsten Angestellten anzuerkennen.

Die Gehaltsdebatte brodelt bei Blizzard bereits seit Jahren: Laut Bloomberg haben Mitarbeiter schon 2018 interne Nachrichten ausgetauscht, in denen sie sich über Sparmaßnahmen austauschten: Ein Mitarbeiter habe darin zum Beispiel beschrieben, dass er sich das Kantinenessen nicht regelmäßig leisten könne und deswegen auf das Mittagessen mit seinem Team verzichten muss.

Blizzard hat im vergangenen Jahr auf Druck von Activision 800 Stellen gestrichen. Die Aufgaben der gekündigten Mitarbeiter seien daraufhin bei anderen Blizzard-Angestellten gelandet – ohne eine entsprechende Aufstockung des Gehalts, schreibt Bloomberg.

Die Arbeitsbedingungen in der Videospielbranche sind oft schwierig: Von vielen Entwicklern werden regelmäßige Überstunden erwartet, vor allem dann, wenn eine Spiele-Veröffentlichung unmittelbar bevorsteht. Zahlreiche Entwickler fordern eine Gewerkschaft, um ihre Interessen besser organisieren zu können. Große Vereinigungen von Videospiel-Entwicklern gibt es bislang weder in den USA noch in Deutschland.

(dahe)