Vielgeschmähter E-Perso wird immer häufiger genutzt

Der elektronische Personalausweis gilt als Ladenhüter, doch in den vergangenen Monaten sind die Nutzungszahlen stark angestiegen.

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(Bild: BSI)

Von
  • Christian Wölbert

Der deutsche elektronische Personalausweis fristet seit seiner Einführung 2010 ein Nischendasein, doch langsam steigen die Nutzungszahlen: Im Juli, August und September registrierten die eID-Server von Bundesdruckerei und Governikus zwischen 500.000 und 600.000 "erfolgreiche eID-Transaktionen" pro Monat. Zum Vergleich: Anfang 2020 waren es erst etwa 100.000 Transaktionen pro Monat, bis Mitte 2022 unter 400.000 pro Monat.

Die Transaktionszahlen bis einschließlich August sind im "Dashboard Digitale Verwaltung" des Bundesinnenministeriums (BMI) abrufbar. Die September-Zahl (570.545 Transaktionen) nannte das BMI auf Anfrage von c't, die Zahlen für Oktober liegen dem Ministerium noch nicht vor. Da es neben Governikus und der Bundesdruckerei weitere Betreiber von eID-Servern gibt, dürfte die Gesamtzahl der Transaktionen höher sein.

Das BMI erklärt die steigenden Zahlen unter anderem damit, dass Bund, Länder und Kommunen immer mehr Verwaltungsleistungen digitalisieren. Gleichzeitig steige die Zahl der Unternehmen, die den E-Perso akzeptieren. Als Beispiel nennt das BMI die Krankenkassen, von denen etwa 40 ihren Kunden die Identifizierung mit dem Online-Ausweis anbieten würden.

Das "Dashboard Digitale Verwaltung" zeigt die Zahl der E-Perso-Transaktionen – wobei man allerdings die abgeschnittene Y-Achse beachten sollte, die den Anstieg steiler wirken lässt.

Als Erklärung für die deutliche Zunahme speziell im Sommer komme zudem die Grundsteuererklärung in Betracht, sagte eine BMI-Sprecherin. Denn beim Steuerportal Elster kann man sich auch mit dem E-Perso einloggen. Als weitere Treiber nannte die Sprecherin die BAFA-Anträge zur Förderung von E-Autos und erneuerbaren Energien sowie den digitalen BAföG-Antrag.

Eine Rolle spielen könnte darüber hinaus der im Frühjahr eingeführte PIN-Rücksetzdienst, mit dem Nutzer eine neue PIN für den Ausweis anfordern können. Vergessene PINs gelten als eines der größten Hindernisse für eine breitere Akzeptanz des E-Perso.

Weiter auf sich warten lässt derweil die Smartphone-Variante des E-Perso: Mit der sogenannten Smart-eID soll man die Ausweisdaten auf kompatiblen Smartphones speichern können, sodass man die Ausweiskarte fürs Online-Ausweisen nicht mehr braucht. Die Technik sollte eigentlich schon Ende 2020 kommen und wurde seitdem mehrfach verschoben. Das BMI nannte auf Anfrage keinen neuen konkreten Starttermin: "Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck daran, die Smart-eID zeitnah bereitstellen zu können."

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(cwo)