"VirtuaVerse" angespielt: Pixelperfekter Cybertrip

Im Point&Click-Adventure "VirtuaVerse" setzen die Spieler ihre AVR-Brillen auf und jagen Cyber-Schamanen – ein fordernder Retro-Traum für Profis.

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(Bild: heise online)

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"Neuromancer" lässt grüßen: Ähnlich wie in William Gibsons Sci-Fi-Klassiker geht es im Point&Click Adventure "VirtuaVerse" um die große bedrohliche Cyberpunkwelt unserer Zukunft. Mit Themen wie Transhumanismus und die Angst vor dem Überwachungsstaat inszeniert das Indie-Studio Theta Division eine spannende, aber fordernde Reise in die schöne, neue Cyberwelt.

So sehen Montage aus: Cybernerd Nathan musste gerade erste verdauen, dass seine Freundin ihn auf rätselhafte Weise verlassen hat, als er plötzlich ins Fadenkreuz von Kryptoschamanen, Technomancern und einer allumfassenden Verschwörung gerät. Nathan vergräbt sich nicht nur hinter seiner AVR-Brille, sondern hackt sich durch die Netzwerke und macht sich auf eine Reise, die ihn bis in den Weltraum führt.

"VirtuaVerse" in 100 Sekunden

Ähnlich wie in alten Lucas-Arts-Abenteuern und zuletzt in den Spielen der Retro-Profis von Wadjet Eye suchen die Spieler den Bildschirm nach wichtigen Hilfsmitteln ab, kombinieren sie und lösen immer kniffliger werdende Rätsel. Die sind in "VirtuaVerse" zwar immer logisch, aber sie erfordern von den Spielern doch einiges Querdenken, weil Schein und Wirklichkeit miteinander verschmelzen. Mit seiner AVR-Brille wechselt Nathan zwischen dem echten Leben und augmentierter Realität, die Erinnerungen an "Blade Runner" weckt. Einige Rätsel sind erst durch den richtigen Einsatz dieser zweiten Wirklichkeit zu lösen. Das ist originell und spannend.

"VirtuaVerse" spielt zwar in der Zukunft, aber Entwickler Theta Division hat dem Spiel einen nahezu perfekten Retro-Pixellook verliehen. Wären da nicht die zahlreichen, liebevollen grafischen Details, könnte das Spiel so auch auf dem Amiga oder Atari ST entstanden sein. Passend dazu gibt es einige Insidergags über die damalige Hardware, die die Herzen einiger Retrofans höher schlagen lässt.

Der stilechte Retrocharme verdeckt etwas die Dystopie hinter der Geschichte: eine K.I., die den totalen Überwachungsstaat entworfen hat. Jeder Schritt wird verfolgt, Privatsphäre gibt es nicht und ein paar Retro-Hacker proben mit Floppy-Disk und Akkustikkoppler den Aufstand. Die paranoiden Gedankenwelten eines Philip K. Dick verbinden sich mit dem Irrwitz William Gibsons zu einer spannenden Science-Fiction-Geschichte, bei der es im Kern nur um eins geht: Das Monster Technik und was es mit uns macht.

VirtuaVerse angespielt (5 Bilder)

"VirtuaVerse" überzeugt durch einen stilechten düsteren Retro-Look und knackige Rätsel.
(Bild: heise online)

"VirtuaVerse" ist ein stilechter Retro-Pixel-Traum, der die Hirnsynapsen auf Touren bringt. Die Entwickler schaffen eine gelungene Mischung aus alten Point&Click-Adventures wie "Monkey Island" und den Gedankenwelten der Cyberpunk-Literatur. Aber Vorsicht: "VirtuaVerse" ist ein Fall für Point&Click-Profis, die sich gerne an anspruchsvollen Rätseln die Köpfe zerbrechen wollen. Wer sich mit den schrägen, aber logischen Rätsellösungen arrangiert, darf sich auf ein spannendes Cyberabenteuer vor einem düsteren Hintergrund freuen.

"VirtuaVerse" ist am 12. Mai für Windows, Mac und Linux erschienen. Es kostet ca. 15 €. USK nicht geprüft. Für unser Angespielt haben wir die Windows-Version ein paar Stunden gespielt.

(dahe)