Vodafone: 5G-Netzausbau macht Fortschritte

Der Düsseldorfer Netzbetreiber baut sein Netz weiter aus und kommt auch bei "5G+" voran. Unterdessen bleibt die Konkurrenz nicht untätig.

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(Bild: kriangphrom / Shutterstock.com)

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  • Volker Briegleb
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Der Mobilfunknetzbetreiber Vodafone macht Fortschritte beim Ausbau seines 5G-Netzes. Seit Jahresbeginn seien 13.000 zusätzliche 5G-Antennen im Netz aktiviert worden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Damit funken nun über 34.000 5G-Sender im Vodafone-Netz. Der Netzbetreiber erreicht damit nach eigenen Angaben rund 55 Millionen Menschen im Land.

Der Großteil des 5G-Ausbaus erfolgt bei Vodafone wie bei der Telekom mit Dynamic Spectrum Sharing (DSS), bei dem sich LTE und 5G die verfügbaren Frequenzen teilen. 5G bedient sich dabei einer LTE-Ankerfrequenz für die Verbindung zum Kernnetz. Der Vorteil dieser Methode ist, dass 5G vergleichsweise schnell und einfach in die Fläche ausgebaut werden kann.

Aber auch beim Ausbau des "reinen" 5G kommt Vodafone voran. 5G Standalone (5G SA) kommt ohne Ankerfrequenzen aus, für den Ausbau müssen aber neue Antennen installiert werden. Vodafone nennt es "5G+" und erreicht den Angaben zufolge damit bereits rund 15 Millionen Menschen im Land.

"Wir bauen neue Stationen, modernisieren bestehende Antennen-Technik und schalten an immer mehr Standorten 5G frei", sagt Vodafones Technik-Chefin Tanja Richter. "Vielerorts entkoppeln wir unser 5G-Netz vollständig von der bestehenden Infrastruktur und bringen damit blitzschnelle Reaktionszeiten ins Netz."

Auch bei LTE baut Vodafone weiter aus, um Kapazitäten zu erweitern und Funklöcher zu schließen. Seit Anfang des Jahres hat das Unternehmen 4200 Bauprojekte abgeschlossen, weitere 3000 sollen es bis zum Jahresende sein. Bis Mitte 2023 will Vodafone zudem zwölf neue Masten in den bayerischen Alpen aufbauen, um die Mobilfunkversorgung dort zu verbessern.

Das schlägt sich auch in den Datenmengen nieder, die durch das Netz transportiert werden. Wegen 5G rechnet der Netzbetreiber mit einer weiteren Beschleunigung. Im 5G-Netz transportiert Vodafone heute rund acht Mal mehr Daten als noch vor einem Jahr: Allein in der letzten Juni-Woche waren es den Angaben zufolge 1500 Terabyte.

Die Konkurrenz bleibt unterdessen nicht untätig. Die Deutsche Telekom hat ihr Mobilfunkangebot in den vergangenen Wochen an bundesweit 855 Standorten ausgebaut. Neben 194 neuen LTE-Standorten haben die Bonner an 538 Standorten zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt sowie an 123 Standorten 5G ausgebaut.

Auch die Telekom baut überwiegend mit DSS aus und stellt 5G auf 3,6 MHz an inzwischen über 2000 Standorten in Ballungsräumen zur Verfügung. "Aktuell funken über 100.000 Antennen an mehr als 34.000 Standorten im Netz der Telekom", sagt Telekom-Technikchef Walter Goldenits. Auch Spektrum bei 700 MHz kommt zum Einsatz. Bis 2025 sollen 99 Prozent der Haushalte im 5G-Netz der Telekom surfen können.

Telefónica Deutschland (O2) versorgt nach eigenen Angaben seit Juni die Hälfte der Bevölkerung mit 5G-Netz. "Unser 5G-Ausbauziel für 2022 haben wir damit ein halbes Jahr früher als geplant erreicht", sagt CEO Markus Haas. Bist zum Jahresende rechnet Telefónica nun mit 60 Prozent Abdeckung in der Bevölkerung. Auch die Münchner wollen 5G bis Ende 2025 für die gesamte Bevölkerung anbieten.

Derzeit funken über 14.000 5G-Antennen im O2-Netz, davon rund 6000 auf der Frequenz 3,6 GHz. Zudem setzt Telefónica beim Ausbau auf das Spektrum bei 700 MHz, mit dem 5G auch in ländlicheren Regionen angeboten wird. DSS auf 1800 MHz setzt der Netzbetreiber nur ergänzend ein.

Netzbetreiber sprechen gerne von Reichweite in der Bevölkerung und schweigen sich zur Flächenversorgung lieber aus. Laut Zahlen der Bundesnetzagentur vom April versorgt die Telekom knapp 90 Prozent der Fläche der Bundesrepublik mit LTE, bei Vodafone sind es 87 Prozent und bei O2 knapp 85 Prozent. Mit 5G versorgt die Telekom 46 Prozent der Fläche und bei Vodafone sind es 41 Prozent. O2, das später mit dem Ausbau begonnen hat und weniger DSS einsetzt, kommt auf knapp 12 Prozent der Fläche.

Unterdessen steht ein vierter Netzbetreiber bereit, ein eigenes Netz aufzubauen. 1&1 hatte bei der Frequenzversteigerung 2019 Spektrum für LTE und 5G ersteigert. Zu den Ausbauauflagen der Bundesnetzagentur gehört, dass der Newcomer bis Ende des Jahres die ersten 1000 5G-Antennenstandorte in Betrieb nehmen muss. Der Aufbau des Netzes soll im laufenden dritten Quartal 2022 beginnen.

1&1 baut sein 5G-Netz mit Open RAN und setzt dabei auf das Knowhow des japanischen Rakuten-Konzerns. Inzwischen hat sich der neue Netzbetreiber zahlreiche Standorte von American Tower und Vantage Towers gesichert, eigene Antennenanlagen erschließt ein Dortmunder Dienstleister. Für die Anbindung sorgen die Konzernschwester Versatel sowie verschiedene Regio-Carrier.

"Der Ausbau hat bereits gestartet und die ersten Antennen und dezentralen Rechenzentren stehen", erklärt eine 1&1-Sprecherin. "Wir werden nun einige Monate benötigen, um alle Funktionen in Betrieb zu nehmen." Zur Aufnahme des Netzbetriebs wird 1&1 zunächst einen stationären Mobilfunkanschluss für Haushalte anbieten (Fixed Wireless Access, FWA).

Für Mobiltelefone soll das neue 1&1-Netz dann im kommenden Jahr geöffnet werden. "Wir planen mit dem Sommer 2023", sagt die Sprecherin. Für den Telefonbetrieb müsse das Netz mit anderen In- und Auslandsnetzen verbunden werden. Die zahlreichen Lücken, die der neue Netzbetreiber dann noch haben wird, schließt ein Roamingabkommen mit Telefónica Deutschland.

"Alle Vorbereitungen laufen und wir sind zuversichtlich, die bis 2030 zu erfüllende Auflage, 50 Prozent der deutschen Haushalte zu versorgen, bereits früher zu erreichen", erklärt die 1&1-Sprecherin.

Update

Weitere Informationen von 1&1 ergänzt.

(vbr)