Autonomes Schiff Mayflower 400: Wie es nach der Atlantiküberquerung weitergeht

Die Antlantiküberquerung der vollautonomen Mayflower 400 ist geschafft, das Projekt-Team von Promare und IBM hat nun neue Ziele.

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Die Mayflower 400 bei ihrer Ankunft in Nordamerika.

(Bild: IBM)

Von
  • Oliver Bünte

Der vollautonome Trimaran Mayflower 400 (Mayflower Autonomous Ship – MAS 400) liegt seit seiner 5600 km langen Atlantiküberquerung im Hafen von Halifax in der ostkanadischen Provinz Nova Scotia (Neuschottland). Die Endstation ist das für das Gemeinschaftsprojekt von Promare und IBM aber noch lange nicht. Schon am 27. Juni 2022 soll das Boot wieder selbstständig in See stechen.

Dass die Mayflower 400 in Halifax festgemacht hat, ist kein Zufall. Dort lief vom 13. bis 16. Juni die H₂O, eine Konferenz, die sich mit Meerestechnik beschäftigt und vom Council von Nova Scotia, der kanadischen Regierung sowie dem Centre for Ocean Ventures and Entrepreneurship (COVE) ausgerichtet wird. Ein Thema auf der Konferenz sind autonome Schiffe (Maritime Autonomous Surface Ships – MASS). In diese Kategorie fällt auch die Mayflower 400, die dort als Ausstellungsobjekt dient.

An Bord der Mayflower 400 sind einige Mitglieder des MAS400-Teams, wie Ayse Atauz-Phaneuf, Präsidentin von Promare, gegenüber heise online schildert. Sie bereiten das Boot auf seine nächste Reise vor. Los geht es voraussichtlich am 27. Juni. Dann soll sich die MAS400 auf den Weg nach Plymouth im US-Bundesstaat Massachusetts machen.

Der Trimaran wird die Strecke wieder vollautonom unter dem Kommando des AI Captains zurücklegen. AI Captian ist die künstliche Intelligenz des Schiffes, die für die Navigation und Steuerung des Bootes zuständig ist. Die Überwachung erfolgt dann wie schon bei der Atlantiküberquerung von Plymouth im Vereinigten Königreich aus – rund um die Uhr, wie Atauz-Phaneuf betont. Dort war nicht nur die Mayflower 400 zu ihrer Atlantiküberquerung gestartet, sondern auch das historische Segelschiff "Mayflower", das 1620 die sogenannten "Pilgerväter" aus Mittelengland nach Amerika brachte und die dort die Besiedlung der Ostküste unter anderem beim heutigen Plymouth (Massachusetts) begannen.

Bevor die Überfahrt von Kanada in die USA starten kann, gibt es aber noch einiges zu tun. Die Teammitglieder an Bord des Schiffes sind damit beschäftigt, Probleme zu beseitigen, die während der Atlantiküberquerung aufgetreten sind. Zum einen ist eine der vier Batterien nicht im Gleichgewicht. Außerdem ist bei der Umleitung nach Halifax im Sturm eine Wetterstation beschädigt worden. Derzeit laufen die Reparaturarbeiten, um diese Schäden zu beseitigen.

Zusätzlich überprüft das Team die Bordsysteme auf korrekte Funktion. Bevor die Fahrt beginnt, will sich das Team vergewissern, dass alles in Ordnung ist. Dazu gehört auch, die auf der Reise gesammelten wissenschaftlichen Daten herunterzuladen. Die Auswertung der Daten selbst soll allerdings eine Weile dauern, sagt Atauz-Phaneuf. Allerdings kann die vorläufige Bewertung dieser Daten dabei helfen, die Instrumente an Bord neu zu kalibrieren und so eine sichere Überfahrt nach Plymouth zu ermöglichen.

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Um erste wissenschaftliche Ergebnisse mitzuteilen, sei es aber noch zu früh. Allerdings habe das Team in der Zeit der Atlantiküberquerung viele Erfahrungen gesammelt und viel gelernt. "Der einzige Weg, um zu wissen, wie all diese komplexen Systeme, Instrumente und Experimente einen Monat lang ununterbrochen und gemeinsam funktionieren, ist, das Schiff einen Monat lang zu betreiben", sagt Atauz-Phaneuf.

Die Reise sei ein Härtetest gewesen. Mit der allgemeinen Leistung des Schiffes und der Steuerungs-KI von IBM ist man sehr zufrieden. Da es sich bei der Mayflower 400 um ein Forschungsschiff handelt, ist es erst mal wichtig, zu beobachten, wie die wissenschaftlichen Experimente funktionieren. Perfektion habe das Team dabei nicht erwartet, alles, was funktioniert, sei ein Schritt nach vorn.

Für die Zukunft denkt das MAS-Team über weitere Fahrten nach, etwa Überfahrten nach Boston und Washington (D.C.). Das wären dann aber keine wissenschaftlichen Missionen, sondern eher "Besuche", sagt Atauz-Phaneuf.

Die Mayflower 400 will künftig zu neuen Ufern aufbrechen.

(Bild: IBM)

Man sei gerade dabei, mit einer Reihe wissenschaftlicher Partner daran zu arbeiten, wie ein Zeitplan für die wissenschaftlichen Forschungen aussehen kann. Die Promare-Präsidentin geht davon aus, dass dieser Zeitplan im Laufe des Sommers feststeht und veröffentlicht werden kann.

Die Mayflower 400 gehöre zu den Pionieren autonomer Schiffe mit künstlicher Intelligenz und sei wichtig für die Meeresforschung und das Sammeln von Daten über den Zustand der Ozeane und Meere. Atauz-Phaneuf hofft, dass die Aufmerksamkeit des Mayflower-400-Projektes dafür sorgt, dass viele Menschen ihr "Bewusstsein für die Bedeutung der Weltmeere, ihren Zustand und das darin enthalten Leben" schärfen.

(olb)