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c't Fotografie

Von Brennweiten und Formaten

Hintergrundunschärfe

Inhaltsverzeichnis

Allerdings hängt die subjektive Hintergrundunschärfe – die für das Freistellen verantwortlich ist – noch von anderen Faktoren ab und ist nicht unbedingt mit einem Zahlenwert für die Schärfentiefe zu messen. Umgekehrt läßt die subjektive Hintergrundunschärfe keine korrekten Rückschlüsse auf die eigentliche Schärfentiefe zu – was sich ebenfalls durch Versuche belegen läßt. Wenn es aber nicht darum geht, welcher Bereich im eigentlichen Hauptmotiv ausreichend scharf ist, sondern wie schön sich dieses durch Unschärfe des Hintergrundes "freistellen" läßt, spielt eben genau das die Hauptrolle – und da komme ich in einem Entfernungsbereich, der insbesondere für die Portraitfotografie von Interesse ist, auf nahezu zwei Blendenstufen – mit den hier verwendeten Objektiven. Eine Rolle spielen auch die Ein- und Austrittspupillen bzw. deren Verhältnis zueinander – das heißt, wie groß die Blendenöffnung ausschaut, wenn man von vorne (Eintrittspupille) oder von hinten (Austrittspupille) in das Objektiv hineinschaut. Siehe dazu die Aufnahmen "Blick in ein Objektiv" im Artikel Wechselspiel: Zeit und Blende.

Eine ausführliche Darstellung der Schärfentiefe finden Sie unter dem Link (auf Englisch). Lesenswert auch (auf Deutsch) der Artikel Ein Blick auf die Schärfentiefe von Oliver Jennrich.

Die Faustregel lautet, dass man an einer Kamera mit einem bestimmten "Formatfaktor" (hier 1,6), die Blende entsprechend weiter öffnen kann oder muss, um eine vergleichbare Schärfentiefe (oder Schärfenausdehnung) wie an einer Vollformat-Kamera zu erreichen. Der Faktor wird als Multiplikator oder Quotient der Blendenzahl angesetzt. Das heißt, dass man für die gleiche Schärfentiefe an einer Kamera mit dem Formatfaktor 1,6 gegenüber "Vollformat" beispielsweise Blende 2,5 statt 4,0 oder Blende 1,75 statt Blende 2,8 benötigt. Statt Blende 1,75 wählt man den real existierenden Wert 1,8 (wenn man denn eine so lichtstarke Optik zur Verfügung hat), oder statt 2,5 eben 2,8 oder 2,4.

Statt Blende 16 an Vollformat reicht dann an Crop das Abblenden auf 10 (Blende 11) um etwa die gleiche Schärfentiefe zu erreichen usw.

Dieser Faktor (1,6) ist geringfügig größer als der für eine Blendenstufe (Wurzel aus 2 = 1,414), er entspricht etwa 1,356 Blendenstufen – oder einfach: Gut einer Blendenstufe.

Mit extremen Weitwinkeln (hier Ausschnitt aus einer Nahaufnahme mit einem 5 mm Fisheye) gelingen auch Makroaufnahmen mit einem nur gering verschwommenen Hintergrund.

Die eigentliche Schärfentiefe im obigen Spinnen-Foto ist aber dennoch gemäß den Rechenformeln maßstabsabhängig und wird daher ebenso gering wie bei Aufnahmen mit längeren Brennweiten, erkennbar etwa an der Unschärfe des Spinnenbeins.

Die unscharfen Kreise im weit entfernten Hintergrund eines Bildes, in dem ein Motiv im Vordergrund scharfgestellt ist, sind Bilder der Blendenöffnung. Das erkennt man ja auch daran, dass diese je nach Ausführung der Blendenlamellen (siehe Bilder im 1. Artikel) mehr oder weniger rund oder vieleckig sind. Sie werden werden genau in dem Maßstab abgebildet, der für das fokussierte Motiv eingestellt ist. Wenn man ein Portrait mit einem Bildausschnitt von 48 × 72 cm oder in einem Maßstab von etwa 1:20 aufnimmt (bezogen auf Kleinbild), dann wird auch die Blendenöffnung für unendlich ferne Bildpunkte in diesem Maßstab 1:20 abgebildet (frei nach Dieter Lefeling in de.rec.fotografie).

Bei einem 80 mm-Objektiv und Blende 2,0 ist die Blendenöffnung 40 mm groß, der Unschärfekreis also 40:20 = 2,0 mm.

Nimmt man aus der gleichen Entfernung das Motiv mit einem 50 mm-Objektiv auf, so beträgt der Maßstab nur noch 1:32 (1,6 mal kleiner). Bei einem 50 mm-Objektiv und Blende 2,0 ist die Blendenöffnung 25 mm groß, der Unschärfekreis im Hintergrund wird also 25:32 = 0,781 mm groß. Also viel kleiner. Allerdings bezieht sich die "Unschärfe" auch auf einen kleineren zulässigen Zerstreuungskreis. Multiplizieren wir einfach den Durchmesser des unscharfen Blendenscheibchens mit dem Formatfaktor 1,6, so erhalten wir einen Wert von 1,25 mm. Das ist immer noch merklich kleiner als beim 80er an Vollformat, und zwar um 2,0 : 1,25 = 1,6.

Rechnen wir rückwärts: Ein Scheibchen von 2,0 mm, durch den Quotienten 1.6 dividiert, wäre 1,25 mm groß, würde also in dem im Crop-Format aufgenommenen Bild die gleiche "Hintergrundunschärfe" verkörpern. Multipliziert mit dem Maßstab 1:32 ergibt das einen erforderlichen Blendendurchmesser von 40 mm. Das bedeutet aber für ein 50 mm-Objektiv die Blendenzahl 1,25. Wir erwarten also, dass man ein Objektiv der Lichtstärke 1,2 (ein gängiger Wert) bräuchte, um denselben Freistellungseffekt wie mit einem 80er bei Blende 2 zu erreichen.