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c't Fotografie

Von Brennweiten und Formaten

Die Brennweitensaga

Inhaltsverzeichnis

Einst soll ein Neuling in Sachen digitale Spiegelreflexfotografie in Bezug auf den oft sogenannten "Brennweitenfaktor" gefragt haben: "Muss ich mir eigentlich im Vergleich zu einem Analog-Fotografen eine 1.6-fach grössere Fototasche kaufen, weil die Objektive länger werden?" In Wahrheit werden diese nicht länger – sondern kürzer. Und die Brennweiten als solche ändern sich überhaupt nicht. Aber sie wirken anders, wie bereits erläutert. Dennoch sind viele Käufer von Fotokameras verunsichert: Wenn man zum Beispiel für eine digitale Spiegelreflexkamera ein "DX"-Objektiv (Nikon), oder ein EF-S (Canon) kauft, das sich sowieso nur an einer Cropformatkamera verwenden läßt – was bedeuten dann die aufgedruckten Brennweitenzahlen? Sie bedeuten immer die echte Brennweite, lediglich zusätzliche Angaben wie "entspricht × mm an KB" berücksichtigen den Umrechnungsfaktor (siehe auch folgende Tabelle).

Brennweiten und entsprechende Bildwinkel
Brennweite [mm] Bildwinkel [°]
APS-C Kleinbild diagonal horizontal
6 10 130 122
10 16 107 97
12 19 97 87
12,5 20 95 84
14 22 89 79
15 24 84 74
17 27 77 67
17,5 28 75 65
18 29 73 64
20 32 68 59
22 35 63 54
24 38 59 51
28 45 51 44
31 50 47 40
35 56 42 36
47 75 32 27
50 80 30 25
55 90 27 23
62,5 100 24 20
70 112 22 18
75 120 20 17
85 135 18 15
100 160 15 13
125 200 12 10
135 216 11 10
188 300 8,3 6,9
200 320 7,7 6,4
250 400 6,2 5,2
300 480 5,2 4,3

Im Artikel Mit Weitblick: Fisheye- und Weitwinkelobjektive richtig einsetzen wurden die verschiedenen Bildwinkel und zugehörigen Brennweiten zueinander in Beziehung gesetzt, die entsprechende Bildgrafik sei hier wiederholt.

Früher gab es einen Engpass an "starken" Weitwinkeln für Crop-Kameras – im Zoombereich gibt es inzwischen eine hinreichende Auswahl. Nur im Bereich von lichtstarken Festbrennweiten mit sehr großen Bildwinkeln besteht immer noch Nachholbedarf. Da die Käufer von Crop-Kameras aber eher im Amateursektor mit geringerer Kaufkraft zu finden sind und diese heutzutage eher Zoomobjektive bevorzugen, wird sich daran vermutlich nicht sehr viel ändern.

Superweitwinkelaufnahme bei 10 mm mit grafischer Darstellung der Bildwinkel verschiedener Brennweiten. Standpunkt direkt hinter dem Eingang zum Friedhof (Elbach in Oberbayern).

Integrierte digitale Schaltkreise sind um so teurer, je mehr Fläche sie einnehmen, unter anderem, weil dadurch die Ausschußquote steigt – mit der Fläche wächst auch das Risiko von Fehlstellen, die einen Chip unbrauchbar machen. Und CCD- oder CMOS-Bildsensoren sind recht große Strukturen. Je kleiner, desto billiger. Aus diesem Grund – und auch, weil viele Konsumenten Handys, Kameras und dergleichen möglichst klein und leicht haben wollen – gibt es sehr kleine Bildsensoren, die sich weit billiger herstellen lassen.

Manche Fotografen stören sich allerdings gerade an den zu kleinen Abmessungen der Cropformat-SLRs – man(n) hat dann einfach zu große Hände. Der "Grifffaktor" betrifft nicht nur das Gefühl, die Kamera bequem und ohne sich irgendwo wundstoßende Finger in der Hand halten zu können, sondern auch die Griffsicherheit und die "Ruhemasse" einer Kamera, die durchaus eine bildstabilisierende Wirkung hat. Dem kommen wiederum die "Mittelklasse"-Modelle entgegen, die ein Kameragehäuse mit "normalen" Abmessungen und üblichen Bedienelementen bieten, aber einen Sensor im APS-C-Format enthalten. Außerdem bieten die Sucher bei Vollformat-Kameras mit Spiegelreflexsystem ein größeres und meist auch helleres Bild, auf dem man die Einstellung der Schärfe (Fokus) und die Schärfentiefe besser erkennen kann. Das folgt einfach daraus, dass die Mattscheibe, auf die das reelle Bild der Optik geworfen wird, genauso groß ist wie das Bildfeld des Sensors (oder früher des Filmes).