Von Excel in Datumsangaben umgewandelt: Dutzende Gene umbenannt

Gene des Menschen erhalten von Forschern alphanumerische Namen. Weil Microsofts Excel einige aber stur in Datumsangaben umwandelt, wurden sie nun geändert.

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(Bild: gopixa/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Das für die Benennung von menschlichen Genen zuständige Komitee der Human Genome Organisation hat in den vergangenen Monaten insgesamt 27 alphanumerische Bezeichnungen geändert, weil die in Microsofts Tabellenkalkulation Excel automatisch in Datumsangaben umgewandelt wurden. Das geht aus den aktuellen Richtlinien des HUGO Gene Nomenclature Committee (HGNC) hervor, in denen auch Beispiele genannt wurden.

So heißt das Gen MARCH1 inzwischen MARCHF1 ("Membrane associated ring-CH-type finger 1"), aus SEPT1 wurde SEPTIN1 ("Septin 1"). Trägt man die in eine (englischsprachige) Excel-Tabelle ein, wird aus den neuen Bezeichnungen nicht mehr direkt "1-Mar" oder "1-Sep". In deutschen Versionen lässt sich das Verhalten etwa mit "MÄRZ1" nachvollziehen.

Laut einem Bericht des US-Magazins The Verge begrüßen zahlreiche Wissenschaftler die neuen Richtlinien. Wurde einer der betroffenen Namen in Excel eingetragen, meinte das Programm, eine Datumsangabe zu erkennen und wandelte den Wert automatisch um. Forscher mussten jeweils händisch korrigieren. Das sei aber sehr oft nicht geschehen, beispielsweise weil in langen Listen nur einzelne Einträge betroffen waren und übersehen wurden. Laut einer Studie aus dem Jahr 2016 waren 20 Prozent der genetischen Daten, die zu fast 3600 geprüften und veröffentlichten Wissenschaftsartikeln verfügbar gemacht wurden, diesbezüglich fehlerhaft.

Wie eine Vertreterin des HGNC gegenüber The Verge erklärte, erfolgt die Benennung von Genen allgemein im Konsens, aber nach immer klareren Regeln. Es sei aber nicht das erste Mal, das Namen nachträglich geändert wurden. So habe man schon Gene umbenannt, die als (englische) Worte gelesen werden konnten, auch möglicherweise beleidigende Formulierungen seien korrigiert worden: "Wir müssen uns immer einen Arzt vorstellen, der Eltern erklären muss, dass ihr Kind eine Mutation in einem bestimmten Gen hat." Der aktuelle Fall sei aber der erste, in dem Änderungen vorgenommen wurden, um auf eine Software zu reagieren. Aus ihrer Sicht sei das einfacher gewesen, als auf ein hypothetisches Update von Microsoft zu warten, immerhin sei es ja auch ein sehr eng begrenztes Nutzungsszenario für Excel.

(mho)