Vor Kollision mit Asteroiden: NASA-Sonde Dart prüft Kamera mit Jupiterfoto

In der Nacht zu Dienstag soll die NASA-Sonde Dart mit einem Asteroiden kollidieren. Dafür hat sie nur ein Instrument mit. Das wurde noch einmal getestet.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 14 Beiträge

Die Aufnahme des Jupiter

(Bild: NASA/Johns Hopkins APL)

Kurz vor dem Ende der NASA-Sonde Dart gibt es noch einmal ein beeindruckendes Foto, das die Sonde bereits vor einigen Wochen gemacht hat. Mit der Aufnahme des zu diesem Zeitpunkt 700 Millionen km entfernten Jupiter und gleich mehrerer seiner Monde hat die NASA noch einmal das einzige Instrument an Bord der Sonde testen können – die Kamera Draco (Didymos Reconnaissance and Asteroid Camera for Optical navigation). Mit der soll die Sonde kommenden Montag selbstständig den Asteroiden Didymos und dessen Mond Dimorphos ins Visier nehmen, um dann gezielt mit letzterem kollidieren zu können. Damit will die NASA ein Konzept zur planetaren Abwehr testen.

Wie die US-Weltraumagentur jetzt erläutert, wurde die Kamera von Dart am 1. Juli und am 2. August auf den Jupiter gerichtet, um zu beobachten, wie dessen Mond Europa hinter dem Gasriesen auftaucht. Ähnlich werde das am kommenden Montag auch der Asteroidenmond Dimorphos machen, in den Dart rasen soll. Mit den Jupiteraufnahmen habe die NASA erstmals im All prüfen können, wie die Bordsysteme in solch einem Szenario funktionieren. Vorher habe sie das immer nur simulieren können. Jetzt sei man gespannt darauf, was die Kamera am Montag aufzeichnen werde. Weil die Sonde zu weit von der Erde entfernt ist, muss sie die Navigation am Ende selbst übernehmen.

Während sich die NASA zwar darauf freut, dass das Signal nach der Kollision abbrechen wird, werden wir nicht lange auf eine erste Analyse warten müssen: Am 11. September hat Dart die kleine italienische Sonde LICIACube abgesetzt, die aktuell etwas Abstand zwischen sich und Dart bringt. Drei Minuten nach dem für 01:14 Uhr MESZ in der Nacht zum Dienstag angesetzten Kollision soll sie aus 40 bis 80 km Entfernung Fotos von Dimorphos machen und nach Spuren suchen. Damit sei sie nah genug für gute Fotos, aber gleichzeitig in sicherer Distanz. 2024 soll dann die ESA-Mission Hera gestartet werden, um die Auswirkungen des Aufpralls vor Ort genauer zu untersuchen.

Die NASA will derweil mit allen Instrumenten, die irgendwie verfügbar sind, nachsehen, was während und nach der Kollision passiert, hieß es in einer Pressekonferenz am Mittwoch. So sollen auch die Weltraumteleskope Hubble und James Webb das Asteroidensystem in der Nacht zum Dienstag ins Visier nehmen. Sogar die Asteroidensonde Lucy soll aus 11 Millionen km Entfernung Bilder von Dimorphos und Didymos machen. Bis die Aufnahmen auf der Erde ankommen und ausgewertet sind, wird es zwar etwas dauern, wer aber trotzdem live dabei sein und mit auf den Signalabbruch hinfiebern möchte, kann das bei einem Livestream der NASA machen.

Durch den Aufprall soll die rund zwölfstündige Umlaufbahn von Dimorphos um mindestens 73 Sekunden und möglicherweise bis zu zehn Minuten verkürzt werden. Damit möchten die Verantwortlichen herausfinden, ob und wie die Erde durch solche Kollisionen vor herannahenden Asteroiden geschützt werden könnte. Mit genügend Vorlaufzeit könnten schon geringste Änderungen an einer Asteroidenbahn ausreichen, um gefährliche Himmelskörper rechtzeitig an der Erde vorbeizulenken. Dimorphos hat einen Durchmesser von rund 160 Metern, Didymos kommt auf etwa 800 Meter. Beide Asteroiden stellen keine Gefahr für die Erde dar, was sich auch durch die Kollision nicht ändern wird.

(mho)