Vor Training für ISS-Flug: USA verweigern russischem Kosmonauten angeblich Visum

Ein Kosmonaut, der 2023 zur Internationalen Raumstation fliegen soll, hat kein Visum für das Training in den USA bekommen, kritisiert Russlands Raumfahrtchef.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 50 Beiträge

(Bild: NASA)

Von
  • Martin Holland

US-Behörden haben einem russischen Kosmonauten ein Visum verweigert, obwohl der 2023 ins All fliegen und vorher in den USA einen Teil der Vorbereitung absolvieren soll. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Russlands Raumfahrtagentur Roskosmos. Deren Chef Dmitri Rogosin habe in einer Mitteilung von einem "gefährlichen Präzedenzfall" für die Kooperation auf der Internationalen Raumstation ISS gesprochen. Die Ablehnung des Visums für Nikolai Tschub sei ohne Begründung erfolgt und noch hoffe man, dass es sich lediglich um ein Missverständnis handelt. Tschub gehört zur Reserve-Crew für einen im September geplanten Start zur ISS, bei einem für März 2023 angesetzten Flug gehört er zur Haupt-Crew.

Trotz aller politischen Konflikte zwischen den USA und Russland hat die Kooperation zwischen beiden Nationen in der Raumfahrt auch in den vergangenen Jahren weitgehend reibungslos geklappt. So ist es üblich, dass Raumfahrer und Raumfahrerinnen vor einem Flug zur ISS sowohl im Kosmonauten-Trainingszentrum J. A. Gagarin im Sternenstädtchen bei Moskau als auch im Lyndon B. Johnson Space Center der NASA in Houston trainieren. Hier lernen sie die russischen und US-amerikanischen Teile der ISS kennen. Die nötigen Visa für Astronauten und Astronautinnen aus den USA seien immer erteilt worden, versicherte Rogosin dem Bericht zufolge. Auch umgekehrt hat das wohl immer geklappt. Rogosin forderte die US-Raumfahrtagentur NASA nun auf, im Fall Tschub einzugreifen.

Nachdem die USA jahrelang auf Russland angewiesen waren, um eigene Astronauten zur ISS zu fliegen, kann die NASA dafür inzwischen auf Raumschiffe des privaten Unternehmens SpaceX zurückgreifen. Gleichzeitig haben die USA schon vor Jahren Sanktionen gegen Russland verhängt, vor allem als Reaktionen auf die Besetzung von Teilen der Ukraine im Jahr 2014. Diese Sanktionen hatte Rogosin im vergangenen Jahr als Begründung für die Ankündigung angeführt, Russland werde sich schon 2025 aus dem gemeinsamen Betrieb der ISS zurückziehen. Davon hatte er zuletzt aber Abstand genommen, nachdem die USA sich für einen Betrieb bis 2030 ausgesprochen hatten. Die Unstimmigkeiten schienen damit ausgeräumt. Was es mit dem nicht erteilten Visum für Tschub nun auf sich hat, ist noch unklar.

(mho)