Vorstoß in Thüringen: Digitaler Distanzunterricht gegen Lehrkräftemangel

Schon jetzt gibt es nicht ausreichend Lehrkräfte. In Thüringen möchte die Regierungskoalition zum Ausgleich digital gestützten Unterricht zulassen.

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(Bild: Shutterstock.com)

Innerhalb der ersten zwei Jahre der Corona-Pandemie wurde in deutschen Schulen auch der digital gestützte Distanzunterricht eher möglich. Er wurde zwar möglichst schnell von der Kultusministerkonferenz durch eine Präsenzunterricht-Maxime wieder abgeräumt, nun könnte ein Vorstoß aus Thüringen den Distanzunterricht aber zurück an die Schulen holen.

Ein Entwurf der Regierungsfraktionen von Linke, SPD und Grüne in Thüringen sieht vor, eine rechtliche Grundlage für Distanzunterricht zu schaffen. Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke) möchte mit digital gestütztem Distanzunterricht dem wachsenden Lehrkräftemangel begegnen.

Wie der MDR berichtete, denke Holter etwa über Hybrid-Unterricht nach, wo Schulen spezielle Fachkräfte fehlen. Denkbar sei, dass eine Fachkraft in einer Schule Physik unterrichte – und mehrere Klassen aus Schulen zugeschaltet seien, wo es nicht genügend Physiklehrkräfte gebe.

Die thüringische Opposition warnt vor dem Vorschlag. Die gleichzeitige Unterrichtung mehrerer Klassen mittels einer Lehrkraft aus der Ferne könne dazu führen, dass Lehrkräfte zukünftig eingespart werden, kritisierte etwa CDU-Bildungspolitiker Christian Tischner. FDP-Bildungspolitikerin Franziska Baum wandte ein, dass solch ein Modell eher für Berufsschulen denkbar sei.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach sich laut MDR nur für einen Distanzunterricht für einen begrenzten Zeitraum und nur innerhalb einzelner Schulen aus – ein möglicher Hybrid-Unterricht solle also nicht zwischen verschiedenen Schulen möglich sein. Ein digital gestützter Distanzunterricht wäre dann eher als Vertretungs-Erleichterung innerhalb eines Kollegiums in akuten Krankheitsphasen zu verstehen, etwa durch weitere Corona-Wellen oder in einer Grippe-Saison.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte unlängst Ende Juni dieses Jahres eingeräumt, dass der schon akute und sich deutlich verstärkende Lehrkräftemangel mit dem Einsatz von mehr Technik kompensiert werden könne. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) unterstrich, dass für die Behebung des Fachkräftemangels "die Qualität der Lehrkräfteausbildung bei der Entwicklung neuer Wege zur Gewinnung von Lehrkräften nicht beeinträchtigt werden darf", während KMK-Vorsitzende Karin Prien (CDU) eine "Debatte ohne Tabus" anmahnte und Multiprofessionalität in Kollegien als eine Möglichkeit sehe, die geprüft werden müsse.

Artikelserie "Schule digital II"

Wie sollte die Digitalisierung in unseren Schulen umgesetzt werden? Wie beeinflusst die Coronavirus-Pandemie das Geschehen? Was wurde im Schuljahr 2020/2021 erreicht - wie ging es 2021/2022 weiter? Das möchte unsere Artikelserie beleuchten.

(kbe)