Vorwürfe bestätigt: Französische Behörde findet Pegasus-Spyware bei Journalisten

Seit Tagen sorgen die Spyware-Enthüllungen für Aufsehen. Nun wurde angeblich erstmals unabhängig bestätigt, dass Pegasus gegen Journalisten eingesetzt wurde.

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(Bild: Motortion Films/Shutterstock.com)

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  • Martin Holland

Frankreichs Behörde für Informationssicherheit ANSSI hat die Spyware Pegasus auf den Smartphones von drei Journalisten gefunden und damit eine erste unabhängige Bestätigung für die jüngsten Vorwürfe gegen die israelische Firma NSO geliefert. Das berichtet der britische Guardian. Die Spyware wurde demnach auf dem Mobiltelefon eines Journalisten des Fernsehsenders France 24 und auf den Geräten einer Journalistin und eines Journalisten der Investigativseite Mediapart nachgewiesen. Die Erkenntnisse seien an die Pariser Staatsanwaltschaft weitergegeben worden, wo die Ermittlungen zu dem Überwachungsskandal laufen.

Der israelische Spyware-Entwickler NSO Group war vor wenigen Wochen erneut in die Schlagzeilen geraten. Ein internationales Journalistenkonsortium hatte öffentlich gemacht, dass auf Dutzenden Smartphones von Journalisten, Menschenrechtlern, deren Familienangehörigen und Geschäftsleuten Spuren von Angriffen mit der Pegasus-Software des Unternehmens gefunden worden seien. Pegasus nutzt Sicherheitslücken in Smartphone-Software, um weitreichenden Zugriff auf Daten zu erlangen. Die Nummern gehören zu einem Datensatz mit mehr als 50.000 Telefonnummern, der von den Journalistinnen und Journalisten ausgewertet wurde.

Die NSO Group hat die Vorwürfe vehement bestritten und unter anderem einen Medienboykott verkündet. Nicht ganz klar war bislang, worum es sich genau bei den Telefonnummern handelt. Der Nachweis aus Frankreich bestätigt nun erstmals unabhängig die Vorwürfe und dürfte NSO weiter in die Defensive drängen. In Frankreich ist das Thema auch deshalb hochpolitisch, weil sogar eine Nummer von Staatspräsident Emmanuel Macron enthalten war. Bei France 24 sei man schockiert, angesichts des Nachweises, schreibt der Guardian. Weitere rechtliche Schritte sollen folgen. Die ebenfalls betroffene Lénaïg Bredoux von Mediapart wird von der Zeitung mit den Worten zitiert, "das ist der Schlussstrich unter dem Gedanken, das seien alles Lügen und Fake News. Das ist der Beweis, den wir brauchen."

(mho)