Vorwürfe gegen KI-Firma DeepMind: Privatsphäre britischer Patienten verletzt

Die Google-Tochter DeepMind steht wegen einer Kooperation mit dem britischen Gesundheitsdienst in der Kritik. Es geht um Daten von 1,6 Millionen Menschen.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 31 Beiträge

(Bild: Shutterstock/BlurryMe)

Von
  • Dorothee Wiegand

In Großbritannien wird eine Klage gegen das KI-Unternehmen DeepMind eingeleitet. Die Google-Tochter DeepMind hatte 2015 Zugang zu medizinischen Daten von 1,6 Millionen Patienten des britischen Gesundheitssystems erhalten. Nun soll eine Rechtsanwaltskanzlei im Namen der Patienten klären, wie derart sensible Daten künftig verwendet werden können, ohne die Rechte der Patienten zu verletzen.

Der Vorwurf im Fall der 2015 zugänglich gemachten Daten lautet, dass die Patienten nicht ausreichend über den Vorgang informiert wurden. Die beauftragte Kanzlei Mishcon de Reya gilt als eines der führenden juristischen Unternehmen im Vereinigten Königreich. BBC online zitiert den für den Fall zuständigen Hauptanwalt Andrew Prismall: "Das Letzte, was man (als Patient) erwartet, ist, dass die persönlichen medizinischen Unterlagen in die Hände eine der größten Technologiekonzerne der Welt geraten". Ben Lasserson, Partner bei Mishcon de Reya, kommentiert den Fall so: "Diese wichtige Klage soll dabei helfen, grundlegende Fragen zur Handhabung sensibler personenbezogener Daten und Daten spezieller Kategorien zu klären".

DeepMind Technologies wurde 2010 von drei Wissenschaftlern gegründet. 2014 übernahm der US-amerikanische Konzern Google das britische Start-up; seitdem firmiert das KI-Unternehmen als "Google DeepMind". Die KI-Verfahren des Unternehmens machten immer wieder Schlagzeilen: 2016 stellte der DeepMind-Forscher David Silver AlphaGo vor, eine Software, die das als extrem schwierig geltende Brettspiel Go auf Großmeisterstufe beherrscht. Ende September meldete DeepMind Verbesserungen bei der Kurzzeitvorhersage von Regen.

Im Rahmen der Kooperation mit der britischen Gesundheitsbehörde National Health Service (NHS) erhielt DeepMind Zugriff auf die Patientendaten aus drei Londoner Krankenhäusern. Ziel der Kooperation sollte es sein, durch automatische Analysen die Kosten der medizinischen Versorgung zu senken und Erkrankungen früher als bisher vorherzusehen.

Als erstes Ergebnis präsentierte DeepMind 2019 ein Verfahren, drohendes Nierenversagen mithilfe von KI vorherzusagen. Akutes Nierenversagen ist eine häufige Komplikation bei Krankenhauspatienten. Forscher von DeepMind veröffentlichten im Fachjournal Nature ein automatisiertes Vorhersage-Instrument, das solche Probleme bis zu 48 Stunden früher als herkömmliche Verfahren erkennen sollte.

Bereits 2017 war DeepMinds Kooperation mit dem NHS ins Visier der britischen Information Commission (ICO) geraten. Die oberste Datenschutzbehörde des Landes bemängelte, dass die beteiligten Krankenhäuser ihre Patienten nicht ausreichend darüber informierten, wie mit deren Daten im Rahmen der Kooperation verfahren worden war.

Auf den Vorwurf der obersten britischen Datenschützerin, Elizabeth Denham, man habe nicht genug getan, um die Privatsphäre der Patienten zu schützen, reagierte DeepMind damals mit der Aussage, dass sich die NHS-Kooperation auf die Entwicklung von Hilfsmitteln für Mediziner konzentriert habe und nicht auf die Bedürfnisse der Patienten, berichtet BBC online.

(dwi)