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Videokonferenz: Vulgaritätswächter lässt Paläontologen nicht "bone" schreiben

Fast alle Großveranstaltungen finden aktuell virtuell statt und die Tücken der Technik rücken in den Vordergrund. Dazu gehören auch Beleidigungsfilter.

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(Bild: tsyhun/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Seit wegen der Corona-Pandemie die verschiedensten Großveranstaltungen ins Internet verlegt wurden, zeitigen sich immer wieder unerwartete Konsequenzen. In den USA hat nun ein Filter für vulgäre Ausdrücke die jährliche Versammlung der Gesellschaft für Wirbeltier-Paläontologie (Society of Vertebrate Paleontology, SVP) aufgemischt. In einer Fragerunde der virtuellen Veranstaltung bemerkten die Teilnehmer schnell, dass bestimmte Begriffe von der Software herausgefiltert wurden – darunter für Fossilienforscher grundlegende Wörter wie etwa "bone" (Knochen).

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Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

Wie das US-Magazin Vice berichtet, bemerkten die Forscher das Problem in den Fragerunden, die sich an virtuelle Präsentationen anschlossen. Ein vorinstallierter Filter in der genutzten Software des Unternehmens Convey Services habe in den schriftlichen Fragen bestimmte Begriffe immer wieder herausgefiltert. Dazu gehörten laut einer auf Twitter öffentlich gemachten Auflistung neben "bone" (neben "Knochen" auch derb für "Geschlechtsverkehr"), noch "jerk" (nicht nur "Ruck"), "knob" (eigentlich "Griff"), "pubic" ("Scham-") oder "stream" ("Bach"). Die Liste sei natürlich problematisch für Paläontologen, die ja regelmäßig "Schambein in Bächen" finden würden ("pubic bones in streams"), wie es ein Teilnehmer ausdrückte.

Der Anbieter habe das Problem aber rasch behoben, versichern die Teilnehmer gegenüber dem US-Magazin. Die meisten Begriffe wurden demnach freigegeben. Bis dahin hatten die Teilnehmer aber demnach größtenteils ihren Spaß bei den Versuchen, die gesperrten Wörter durch andere Begriffe zu ersetzen.

Auf einen problematischen Aspekt stieß jedoch Z. Jack Tseng von der University of California. Wie er auf Twitter erklärte, war zwar der Begriff "Wang" Teil der Liste, nicht aber "Johnson", obwohl beide als vulgäre Synonyme für das männliche Glied benutzt werden. Der Filter sei also offenbar westlich zentriert und lösche den Nachnamen von etwa 90 Millionen Chinesen, aber nicht den von weniger als 2 Millionen US-Amerikanern europäischer Abstammung.

(mho)