Vulkanausbruch in Tonga: Produzierter Wasserdampf könnte Klima temporär erwärmen

Bei dem verheerenden Vulkanausbruch wurden beispiellose Mengen an Wasserdampf in die Stratosphäre geschleudert. Das könnte sich global bemerkbar machen.

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Der Ausbruch am 15. Januar

(Bild: NASA)

Der Vulkanausbruch in Tonga Anfang des Jahres hat so viel Wasserdampf in die Stratosphäre katapultiert, wie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen es nie zuvor beobachtet haben. Insgesamt 146 Teragramm – also 146 Millionen Tonnen – Wasserdampf wurden laut einer Analyse in diese Schicht der Atmosphäre katapultiert, die sich in ungefähr 12 bis 50 Kilometern Höhe befindet. Das allein entspricht dem Forschungsteam zufolge etwa 10 Prozent des Wassers, das dort gebunden ist.

Der Dampf könnte vorübergehend den Abbau der Ozonschicht verschlimmern – und ebenfalls vorübergehend einen wärmenden Effekt haben. Die Auswirkungen des Klimawandels dürften aber nicht spürbar verstärkt werden. Für einen abkühlenden Effekt wie bei anderen Vulkanausbrüchen seien dagegen nicht genug Aerosole in die Atmosphäre geschleudert worden.

Der Unterwasservulkan Hunga Tonga-Hunga Haʻapai war am 14. und dann vor allem am 15. Januar mit immenser Wucht ausgebrochen. Die Eruption und der sich anschließende Tsunami forderten mindestens sechs Menschenleben, die Inseln Tongas wurden von einer dicken Ascheschicht bedeckt. Es handelte sich um die heftigste Explosion auf der Erde seit der Eruption des Vulkans Krakatau im Jahr 1883, die Aschewolke war die höchste der Satellitenära.

Viele Gebäude in dem Inselstaat wurden zerstört, teilweise gingen ganze Siedlungen verloren. Tonga war danach für Wochen weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten, weil das einzige Unterseekabel durchtrennt worden war. Nicht ausreichend abgesicherte Hilfslieferungen aus Australien und Neuseeland hatten auf der Insel dann außerdem zu einem Ausbruch von Covid-19 geführt.

Die jetzt vorgestellte Analyse eines Forschungsteams um den Atmosphärenwissenschaftler Luis Millán vom Jet Propulsion Laboratory der NASA unterstreicht erneut, wie außergewöhnlich die Eruption war. Dafür wurden Daten ausgewertet, die der Erdbeobachtungssatellit Aura der NASA gesammelt hat. Demnach wurde dabei viermal so viel Wasserdampf in die Atmosphäre geschleudert wie beim Ausbruch des Vulkans Pinatubo im Jahr 1991. Dass viel Wasser so hoch geschleudert werde, passiere vergleichsweise selten. Die NASA hat nach eigenen Angaben nur zwei deutlich kleinere Ausbrüche, die für Vergleiche herhalten können.

Der Wasserdampf aus Tonga werde wohl mehrere Jahre in der Atmosphäre bleiben, dort könne er die chemischen Prozesse verschiedentlich beeinflussen. Dass jetzt überhaupt so viel Wasserdampf entstanden ist, deute darauf hin, dass sich der Vulkanausbruch in der idealen Tiefe ereignet hat. Andernfalls hätte es entweder nicht genug Wasser zum Verdampfen gegeben, oder die Eruption wäre stärker abgeschwächt worden. Die vollständige Analyse wurde in den Geophysical Research Letters veröffentlicht.

(mho)