Warnstreik: Fronten im Tarifkonflikt bei Globalfoundries verhärtet

Auch für Streiks gelten in Corona-Zeiten Einschränkungen. Als bei Globalfoundries Mitarbeiter vor die Werktore zogen, wurde auf Abstand und Atemschutz geachtet.

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Mit Abstand und Maske: Warnstreik bei Globalfoundries in Dresden.

(Bild: DGB/Markus Schlimbach)

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Im Tarifkonflikt beim Dresdner Chiphersteller Globalfoundries (GF) scheinen die Fronten verhärtet. "Wir sind über die anhaltende Ablehnung der Geschäftsführung tief getroffen. Sie weigert sich nach wie vor, sich mit uns endlich an den Verhandlungstisch zu setzen und über eine faire Tarifbindung zu sprechen", erklärte Oliver Heinrich, Verhandlungsführer und Landesbezirksleiter IG Bergbau, Chemie, Energie im Bezirk Nordost, am Freitag. Die Mitarbeiter würden für einen Tarifvertrag kämpfen, der ihnen "mehr Rechte, mehr Geld und eine faire Arbeitszeit" bringt.

Am Freitagnachmittag hatte vor den Toren von Globalfoundries ein weiterer Warnstreik begonnen. Heinrich ging davon aus, dass sich bis zu 200 Mitarbeiter und damit der Großteil der Spätschicht beteiligt und zeitweise die Arbeit niederlegt. Auch die Nachtschicht und die Frühschicht wurden zum Warnstreik aufgerufen. Laut Gewerkschaften hielten die Streikenden und ihre Unterstützer den vorgeschriebenen Zwei-Meter-Abstand ein und trugen Gesichtsmasken. Trotzdem habe man Entschlossenheit gespürt. "Wir haben die Schnauze voll. Wir lassen uns nicht länger hinhalten."

"Die IG BCE hat in der größten Wirtschaftskrise unseres Landes einen Streik bei GF Dresden ausgerufen. Das ist verantwortungslos und zeigt, wie weit entfernt die Gewerkschaftsspitze in Hannover und Berlin mittlerweile von der wirtschaftlichen Realität vor Ort ist", erklärte GF-Sprecher Jens Drews. Das Management habe Verantwortung für eine gute Zukunft des Standortes mit sicheren Jobs für alle 3200 Beschäftigten und nicht nur für die 17 Prozent der Belegschaft, die der IG BCE angehörten. "Wir bleiben bei unserem Kurs und setzen ganz klar auf betriebliche Mitbestimmung mit dem Betriebsrat." Mit der neuerlichen Aktion hätten sich die Gewerkschaftsfunktionäre als ernsthafte Gesprächspartner diskreditiert.

Die Gewerkschaft strebt nach eigenen Angaben erstmals eine Tarifbindung über einen Haustarifvertrag für die 3200 Beschäftigten von Globalfoundries an. "Ein Streik in der Krise ist nicht verantwortungslos. Verantwortungslos ist das Verhalten der Geschäftsführung", konterte Gewerkschaftssprecherin Karin Aigner. Heinrich versicherte, dass die Gewerkschaft keine weitere Eskalation wolle und dem Unternehmen weiterhin "diplomatisch" die Hand für Verhandlungen auf Augenhöhe reiche. 2019 hatte der Chiphersteller ein halbes Jahr in Kurzarbeit produziert, nachdem ein Großkunde abgesprungen war.

(vbr)