Warnsystem: Katwarn-App erhält Zusatzfunktion "kritischer Alarm"

Damit Warnungen in extremen Gefahrensituationen auch bei lautlosen Smartphones erklingen, lässt sich bei Katwarn über ein Update ein Zusatzalarm aktivieren.

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(Bild: Simone Hogan/Shutterstock.com)

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  • Stefan Krempl
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Das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme (Fokus) hat auf Kritik reagiert, wonach sich das Warnsystem über Apps während der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands im Juli als unzureichend herausgestellt hat. Damit Betroffene die Meldungen über die von der Einrichtung entwickelten Anwendung Katwarn in kritischen Situationen künftig wirklich bemerken, haben die Programmierer ein Update für die Funktion "kritischer Alarm" zur Verfügung gestellt.

Meldungen der "hohen Warnstufe" (Farbkategorie violett) umgehen damit alle anderen Ton-Einstellungen der Smartphones wie den Lautlos-Modus oder auch parallel geführte Telefonate. Der dann automatisch ertönende Hinweis an sich bleibe derselbe wie vorher, erläutert Katwarn-Leiter Daniel Faust vom Fokus. Bemerkbar mache sich also "eine Art schrille Sirene". Mit dem Beibehalten des klassischen Warntons sei die sofortige Wiedererkennung im Gefahrenfall am besten gewährleistet.

"Der kritische Alarm soll nur zum Einsatz kommen, wenn eine sofortige Reaktion der Betroffenen nötig ist", versichert Faust. Wann dies der Fall ist, sei die Entscheidung der verantwortlichen Behörden. Die technischen Betreiber des Katwarn-Systems nähmen auf die Inhalte der Warnungen selbst keinen Einfluss. Ausgenommen für den "kritischen Alarm" seien nur Unwetterwarnungen, bei denen in der Regel nicht zeitnah eine Gefahr für Leib und Leben drohe.

Um den "critical alert" zu aktivieren, ist ein kostenloses Update der Mobilanwendung nötig. Je nach Betriebssystem und Voreinstellung kann dies automatisch oder im zugehörigen App-Store erfolgen. Anschließend muss die Aktivierung der Funktion bestätigt werden. Diese Auswahl lässt sich den Entwicklern zufolge jederzeit wieder revidieren.

Katwarn ist bereits seit mehr als zehn Jahren im Einsatz und wird vom Fokus im Auftrag der öffentlichen Versicherungsunternehmen als Gemeinwohlbeitrag ständig weiterentwickelt. Mit der App erhalten Betroffene im Gefahrenfall Warnungen und Handlungshinweise von den verantwortlichen Sicherheitseinrichtungen und Behörden direkt auf das Smartphone. Neben deutschen Sicherheitsorganisationen setzen auch internationale Einrichtungen wie EUWarn und Katwarn Österreich sowie verschiedene Unternehmen auf das System.

Probleme hatte es voriges Jahr beim ersten bundesweiten Warntag am 10. September mit den Warn-Apps und Katwarn und Nina gegeben. Die entsprechende Meldung kam darüber erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Mobiltelefonen an. Der für dieses Jahr geplante Warntag fiel aus, da das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zunächst eine "umfassende Testlandschaft" aufbauen wollte.

Beim Hochwasser im Sommer erreichten Warnungen über die Apps viele Betroffene ebenfalls nicht ausreichend schnell. Der Bundestag beschloss daher Anfang September eine Gesetzesänderung, mit der zusätzlich bundesweit das Warnsystem Cell Broadcast eingeführt werden soll. Betreiber öffentlicher Mobilfunknetze müssen demnach künftig technische Einrichtungen für "Warnungen vor drohenden oder sich ausbreitenden größeren Notfällen und Katastrophen" vorhalten.

Mit Cell Broadcast werden – wie bei SMS – zur Nachrichtenübermittlung die Signalisierungskanäle des Mobilfunknetzes genutzt. Eine individuelle Adressierung ist aber nicht nötig. Warnmeldungen werden von der Antenne wie ein Rundfunksignal an alle in die Funkzelle eingebuchten Geräte geschickt und von diesen empfangen.

(bme)