WeAreDevelopers: Tech-Community feiert auf dem World Congress Berlin

Über 10.000 Entwicklerinnen und Entwickler haben sich beim WeAreDevelopers World Congress getroffen und Fachwissen ausgetauscht.

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WeAreDevelopers World Congress, Aftershow mit DJ Tiesto
Von
  • Silke Hahn

Der WeAreDevelopers World Congress ging wieder in Präsenz über die Bühne, nach der coronabedingten Unterbrechung mit einer gehörigen Portion Euphorie und stärkerem Andrang als in den Vorjahren: Vom 14. bis 15. Juni 2022 kamen auf dem Gelände der Messe Berlin über 10.000 Entwicklerinnen und Entwickler sowie Führungskräfte der Tech-Branche unter dem Motto "Build – Deploy – Emerge – Connect" zusammen, 2000 mehr als die Veranstalter zunächst erwartet hatten – die Veranstaltung war somit restlos ausverkauft.

Vertreten durch Maika Möbus und Silke Hahn war heise Developer vor Ort live dabei: Die beiden Redakteurinnen moderierten einzelne Bühnen im Außen- und Innenbereich und hatten aus dem Pool der Heise-Autoren Speaker eingeladen, die fachlich zum Kongress passten und hier teils die erste Gelegenheit seit Beginn der Pandemie zum Auftreten und persönlichen Austausch fanden.

Auf elf parallelen Bühnen boten über 250 Speaker Einblick in ihre laufenden Projekte, Workshops und internationale Partner waren im Expobereich präsent. Der WeAreDevelopers World Congress eröffnete zahlreiche Möglichkeiten, sich über aktuelle Themen aus der Technologiewelt zu informieren und mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Inhaltliche Schwerpunkte waren unter anderem die neuesten Trends rund um Machine Learning und Künstliche Intelligenz, moderne Softwareentwicklung und -architektur, Testing, Sicherheit, Webentwicklung, Blockchain, Cloud, Gaming sowie Soft Skills und zeitgemäße Formen der Zusammenarbeit.

Eindrücke vom World Congress in Berlin – WeAreDevelopers 2022 (64 Bilder)

Konferenzparty im Kraftwerk Berlin mit DJ Tiësto

(Bild: WeAreDevelopers)

In seinem Eröffnungsvortrag lieferte Thomas Dohmke, CEO von GitHub, Einblicke in die KI- und Cloud-basierte Softwareentwicklung. Dohmke blickte zurück auf seine Kindheit in Ostberlin und gab einen Ausblick darauf, wie neuere Techniken die Welt auch für Developer verändern werden. Er stellte fest, dass die bevorstehenden fünf Jahre wohl einen größeren Wandel bereithalten werden als die vergangenen 40 Jahre, da die Softwareentwicklung vor großen Umbrüchen steht. Dohmke entwarf ein positives Bild für die KI-unterstützte Softwareentwicklung und stellte im Rahmen einer Live-Demo in den Raum, dass der Programmiergehilfe CoPilot fast fertig sei. Mittlerweile ist GitHub Copilot – gegen ein monatliches Entgelt – tatsächlich verfügbar.

Mainstage beim WeAreDevelopers World Congress

(Bild: WeAreDevelopers)

Cassie Kozyrkov, Chief Decision Scientist bei Google, betonte in ihrer Keynote den KI-Sicherheitsgedanken in einer datengestützten Gegenwart. Sie gab praktische Ratschläge, was Bürgerinnen und Bürger tun können, um sich an öffentlichen Entscheidungsprozessen über die Verwendung ihrer Daten stärker zu beteiligen. Der Gründer von Stack Overflow Joel Spolsky bemängelte in seiner Keynote die Entwicklung des World Wide Web, das in seinen Augen durch zunehmende Kommerzialisierung bedroht und "verkorkst" sei. Er gab Denkanstöße zur Reparatur des WWW durch Produkte für einen – in seinen Worten – "dekommodifizierten Raum". Kommodifizierung bezeichnet den Prozess, in dem Güter und Ressourcen zur Ware werden. Eine Dekommodifizierung wäre eine Umkehr dieses Trends und würde der freien Software und Open Source erneut mehr Raum gewähren.

Besonders starken Zuspruch fanden die beiden Vorträge des C++-Erfinders Bjarne Stroustrup aus New York. Stroustrup rekapitulierte vor rund 3000 Zuhörern die Entwicklung der objektorientierten Programmiersprache und später in einer Expertenrunde Best Practices unter anderem der Embedded-Entwicklung mit C++, wobei sich jeweils rege Fragerunden ergaben. Hinter den Kulissen trafen Stroustrup und der Spieleentwickler John Romero (Designer von unter anderem Doom, Quake und Wolfenstein 3D) erstmals zusammen und unterhielten sich in einem abgeschirmten Bereich ausführlich über ihre Lieblingsprogrammiersprache.

Heise-Redakteurin Silke Hahn betreute Bjarne Stroustrup vor Ort und moderierte seine Keynotes.

(Bild: WeAreDevelopers)

Wem der Sinn nach Gaming stand, konnte sich mit Romero im Laufe der Konferenz ein Deathmatch liefern. Zahlreiche Fans standen bis spätabends Schlange, um sich ein Poster oder Buch signieren zu lassen, eine Vintage-Ausgabe von Doom oder (nachdem die Bücher ausverkauft waren) einfach ein Lächeln ihres Idols zu erhaschen.

Die Verfasserin dieser Meldung reihte sich selbst als Schlusslicht ein und kann bestätigen, dass Romero auch nach drei Stunden ununterbrochenen Fankontakts noch auf jeden freundlich einging und sich für alle ordentlich Zeit nahm. An dieser Stelle ein kleiner Teaser: John Romero arbeitet zurzeit an einem neuen Buch, wie er heise Developer mitgeteilt hat. Seine Memoiren sollen 2023 erscheinen und werden gestützt auf das umfassende Archiv Romeros eine etwas andere Perspektive auf die Geschichte der Computerspiel- und Engine-Entwicklung bieten als das Buch des Journalisten David Kushner ("Masters of Doom").

Der Erfinder von C++ Bjarne Stroustrup und der Spieleentwickler John Romero sind sich auf dem WAD World Congress erstmals begegnet.

(Bild: Silke Hahn)

Insgesamt konnte sich das Line-up der Konferenz sehen lassen und versammelte einige Größen der Softwareentwicklung. Neben den bereits Genannten waren auch Håkon Wium Lie (Erfinder von CSS), Miško Hevery (Erfinder von Angular und AngularJS), Douglas Crockford (der Erfinder von JSON und einer der Entwickler von JavaScript) sowie weitere Prominenz wie der Lead Developer von Microsoft Torsten Stiller und der CTO von Stripe David Singleton mit Vorträgen vertreten.

"Wir haben Berlin einmal mehr zur Hauptstadt der Tech-Innovationen und modernen Softwareentwicklung gemacht. Zudem konnten wir zeigen, wie Entwickler und Entwicklerinnen die Zukunft unserer Gesellschaft gestalten", freut sich Sead Ahmetovic, der CEO und Gründer von WeAreDevelopers über den Erfolg der von ihm und seinem Team ausgerichteten Präsenzkonferenz. Mit welchem Engagement Tech-Experten ihr Wissen und ihre Erkenntnisse mit der Community teilten, hat ihn aufs Neue beeindruckt. "Der WeAreDevelopers World Congress lieferte wichtige Impulse und wir konnten zeigen, wie Softwareentwicklung unsere Gesellschaft prägt. Auf ganzer Linie ein Erfolg", zieht Ahmetovic Bilanz.

Blick in den Hauptraum zur Mainstage beim WeAreDevelopers World Congress

(Bild: WeAreDevelopers)

Rudi Bauer, CCO von WeAreDevelopers, ergänzt, dass der World Congress die Lücke zwischen Unternehmen und Entwicklern schließe. So hatten über 100 Unternehmen sich als Partner beteiligt, etliche wie Accenture, AWS, Dynatrace, IBM, Microsoft, Stripe, Tezos und Volkswagen waren auch im Expobereich vertreten und für die Teilnehmerschaft ansprechbar. Unter anderem fand im Zuge der Konferenz das von Rapyd ausgerichtete Wettprogrammieren "Hack the Galaxy" statt, bei dem Developer einen von drei Weltraumflügen (oder einen Geldpreis in Höhe von 130.000 US-Dollar) gewinnen konnten, und in der Closing Keynote verabschiedete Microsoft den Internet Explorer. Die Konferenzparty im Kraftwerk Berlin bot mit Tiësto einen DJ von Weltrang, dessen Beats für die Gäste das Konferenzmotto auch körperlich spürbar machten: "We are back!"

DJ Tiësto lieferte die passenden Beats für die Aftershow der Entwicklerkonferenz.

(Bild: WeAreDevelopers)

Videoaufzeichnungen aller Vorträge sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Sobald die Post-Produktion abgeschlossen ist, fügt Heise dieser Meldung ein Update hinzu. Derweil lassen sich alle weiterführenden Informationen auf der Konferenzwebsite finden, und angemeldete Teilnehmer können weiterhin über die Konferenz-App auf die Inhalte der Veranstaltung zugreifen.

Reaktionen von Teilnehmern und Speakern, die vor Ort dabei waren, finden sich zahlreich auf LinkedIn und Twitter, unter anderem mit den Hashtags WeAreDevelopers2022 und WeAreDevs (Letzteres ist auch das Twitter-Handle der Veranstalter).

Heise Medien ist seit 2019 am Veranstalter WeAreDevelopers beteiligt.

(sih)