Web-Tipps: Übersicht über rechten Terror, einfache Programmcodes, Filterblasen

In den aktuellen Web-Tipps präsentieren wir eine Übersichtskarte zu rechtem Terror, einen Blick in die YouTube-Empfehlungen verschiedener Personas und mehr.

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Von
  • Sylvester Tremmel
  • Keywan Tonekaboni

halle.nsu-watch.info

Vor gut einem Jahr geschah der antisemitische und rassistische Anschlag in Halle auf die dortige Synagoge und einen Imbiss. Zunächst hieß es, der Angriff ginge von einem Einzeltäter aus. Tatsächlich hat der Attentäter zwar allein gehandelt, aber die Tat von Halle hängt durchaus mit rechtem Terror an anderen Orten zusammen. Eindrucksvoll zeigt das die interaktive Karte Global White-Supremacist Terror: Halle auf der Webseite von NSU Watch.

Auf zwei Zeitachsen sind die verschiedenen Ereignisse im Zusammenhang mit dem Halle-Attentat zusammengetragen, unterteilt nach Offline- und Online-Aktivitäten. Darunter ist beispielsweise der mutmaßliche Erhalt von 0,1 Bitcoins im Jahr 2013. Der Attentäter behauptet, das Geld bekommen zu haben, um Muslime zu töten. Die Tat selbst sowie die Flucht sind minutiös dokumentiert. Ein Klick auf einen Punkt des Zeitstrahls zeigt den Ort des Geschehens auf der Karte und führt zu weiteren Informationen, verlinkten Videos und anderen Quellen.

Ein dritter Zeitstrahl zeigt globale Ereignisse, die dem Attentat vorangegangen sind und auf die der Täter sich bezog, darunter die NSU-Mordserie sowie die rechtsextremen Attentate von Oslo, München, Pittsburgh und Christchurch. (ktn)


bropages.org

Unter unixoiden Betriebssystemen bringen die meisten Programme ihre eigene Dokumentation mit, in sogenannten Manpages (von "manual", also "Anleitung"). Das sind oft sehr umfängliche Texte, die jeden Programmparameter detailliert erklären. Konkrete Beispiele finden sich allerdings nicht immer und wenn, dann meist gegen Ende der langwierigen Lektüre.

"Just get to the point!", sagen die bropages: Die Website listet Beispiele für häufige Programmaufrufe auf, jeweils mit einem kurzen Kommentar, was der Aufruf bewirkt. Die Bropages sind dadurch eine nützliche Ergänzung zu den Manpages, offiziellen Charakter haben sie allerdings nicht: Die Beispiele werden von der Community beigesteuert und bewertet, nicht von den Entwicklern der jeweiligen Software. Es sind einfach Bros – also Kumpel –, die sich hier unverbindlich unter die Arme greifen. (syt)


their.tube

Filterblasen isolieren Gruppen voneinander, verstärken vorhandene (Vor-)Urteile und treiben Nutzer schlimmstenfalls zu immer extremeren Inhalten. Vor allem aber sind Filterblasen kaum wahrnehmbar: Die eigene Blase sieht man nicht und die darin befindlichen Inhalte wirken allzu leicht als objektive Themenauswahl.

Das Projekt TheirTube macht zumindest eine Filterblase sichtbar, nämlich die des Empfehlungsalgorithmus der YouTube-Homepage. TheirTube erlaubt die Vorschläge der Videoplattform aus dem Blickwinkel verschiedener Personas einzusehen. Zur Auswahl stehen sechs Charaktere, vom liberal oder konservativ eingestellten Nutzer über den Doomsday-Prepper zum Klimawandelleugner. Die Personas sind nach echten Individuen modelliert: TheirTube folgt den Kanälen, denen auch diese echten Nutzer folgten, sieht sich Videos an und protokolliert regelmäßig die Empfehlungen von YouTube.

Durch diese Protokolle kann man sich klicken und sie – vor allem das ist interessant – zwischen den Personas vergleichen. Das führt deutlich vor Augen, wie stark Filterblasen die Sicht auf Inhalte verzerren. Die eigene Blase und ihre Wirkung kann man so zumindest erahnen.

Dieser Artikel stammt aus c't 22/2020.

(syt)