Wegen Impf-Verschwörungstheorien: Twitter sperrt Konto von Naomi Wolf

Twitter sperrt die bekannte Buchautorin Naomi Wolf dauerhaft aus. Sie habe Falschinformationen und Verschwörungstheorien rund um die Corona-Epidemie verbreitet

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(Bild: Wachiwit/Shutterstock.com)

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  • Tilman Wittenhorst

Die bekannte US-amerikanische Feministin und Buchautorin Naomi Wolf kann nicht mehr twittern, denn Twitter deaktivierte ihr Nutzerkonto wegen Missachtung der Regeln dauerhaft. Wolf soll über den Kurznachrichtendienst Falschbehauptungen zur Coronavirus-Epidemie, zu Impfungen und zum Lockdown verbreitet haben und sei deshalb gesperrt worden. Darüber berichteten zuerst The Guardian und die BBC.

So behauptete sie etwa, Impfstoffe seien eine "Softwareplattform, die Updates erhalten könne", und dass sich Gesunde unter 65 Jahren "vernünftig verhalten und sich einer niedrigen Viruslast aussetzen" sollten. Zuletzt soll sie gefordert haben, die Fäkalien Geimpfter vom Abwassersystem zu separieren, bis man die Auswirkungen auf Ungeimpfte über das Trinkwasser festgestellt habe. Auf ihrem Twitterprofil war zuletzt ein Tweet angeheftet, in dem sie gegenüber ihren 141.000 Anhängern das Impfen von Kindern indirekt als "experimentelle Gentherapie" bezeichnete, die angeblich "der verlogene Bürokrat Dr. Fauci" fordere.

Bei einer öffentlichen Anhörung im US-Bundesstaat Michigan im Mai habe Wolf laut Guardian-Bericht zuletzt ausgesagt, dass Impfpässe eine Situation reproduzieren würden, die ihr als Geschichtsstudentin sehr vertraut sei: "Das war der Beginn vieler, vieler Völkermorde." Auch sonst habe sich Wolf in etlichen Äußerungen als Impfskeptikerin mit teils wirren Ansichten zu erkennen gegeben. In der TV-Sendung "Tucker Carlson Tonight" beim US-Sender Fox News hatte sie Anfang dieses Jahres behauptet, Präsident Biden verwandle mit seinen Maßnahmen gegen die Coronavirus-Epidemie die USA in einen totalitären Polizeistaat.

Die Twitter-Sperrung von Wolfs Nutzerkonto löste wie häufig in solchen Fällen eine kontroverse Debatte aus. Viele Twitternutzer begrüßten die Sperre, weil so der Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungstheorien Einhalt geboten werde. Andere Stimmen, vor allem unter Wolfs Anhängern, kritisierten den Schritt als Verhinderung freier Meinungsäußerung und als Folge des Drucks der US-Regierung.

Das Weiße Haus hatte vor Kurzem im Zuge der Facebook-Sperre des Ex-Präsidenten Trump darauf hingewiesen, dass die sozialen Netzwerke Verantwortung für die Verbreitung von Fehlinformationen trügen; Kontosperrungen sollten jedoch nach einiger Zeit überprüft und gegebenenfalls aufgehoben werden. In einigen (meist von Vertretern der Republikanischen Partei angeführten) US-Bundesstaaten gibt es Forderungen, den sozialen Netzwerk das Aussperren von Personen des öffentlichen Lebens zu untersagen. Florida hat als erster Bundesstaat ein solches Gesetz inzwischen in Kraft gesetzt: Es schreibt sozialen Netzwerken vor, bei Kontosperrungen von Politikern in Florida strenge Auflagen einzuhalten, bei Nichtbeachtung drohen hohe Geldstrafen.

Naomi Wolf ist vor allem durch ihr 1990 erschienenes feministisches Buch "Der Mythos Schönheit" ("The Beauty Myth") bekannt geworden. Bei den Präsidentschaftswahlkämpfen von William Clinton und Al Gore fungierte sie als politische Beraterin. Sie promovierte 2015 in englischer Literatur.

(tiw)