Wegen US-Verkaufssperre: Huawei verkauft angeblich seine x86-Serversparte

Weil AMD und Intel Server-CPUs nur noch mit Sondergenehmigung an Huawei verkaufen dürfen, soll die Firma über einen Verkauf der x86-Serversparte nachdenken.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 18 Beiträge

(Bild: c't)

Von
  • Mark Mantel

Der chinesische Hersteller Huawei denkt offenbar über eine weitere Konsolidierung infolge des Handelskonflikts zwischen China und den USA nach: Laut dem Finanznachrichtenagentur Bloomberg befindet sich Huawei bereits in fortgeschrittenen Verhandlungsgesprächen zum Verkauf der eigenen x86-Serversparte. Der Verkaufspreis soll umgerechnet mindestens einige Hundert Millionen Euro betragen.

Bloombergs Quellen nennen mehrere chinesische Unternehmen, die Interesse am Kauf haben sollen, darunter auch welche, hinter denen chinesische Lokalregierungen stehen. Zu den Interessenten gehören demnach der bisherige Huawei-Serverpartner Henan Information Industry Investment Co. Ltd. und Huaqin Technology Co. Ltd. Mehrere Firmen könnten die Serversparte auch gemeinsam als Konsortium fortführen.

Huawei verkauft Server-Hardware sowohl mit ARM- als auch mit x86-Prozessoren. Letztere stammen von AMD und Intel, die seit 2020 allerdings nur noch mit Ausnahmeregelungen CPUs an Huawei verkaufen dürfen. Die USA haben mehrere Geschäftsbereiche von Huawei auf die sogenannte Entity List gesetzt, weil die Firma im Verdacht steht, mit dem chinesischen Militär zusammenzuarbeiten.

Vor dem Inkrafttreten des Handelsembargos im Sommer 2020 bunkerte Huawei noch Hardware US-amerikanischer Hersteller für viele Milliarden US-Dollar, darunter Serverprozessoren, um sich bis heute über Wasser zu halten. Als letzte Maßnahme bleibt schließlich der Verkauf, wie schon die verkaufte Smartphone-Tochtermarke Honor zeigte: Unter fremder Führung dürfen US-Hersteller die Auslieferungen wieder aufnehmen.

Wie es bei Huaweis ARM-Serversparte aussieht, ist nicht bekannt. Früher entwickelte sie eigene Prozessoren der Kunpeng-Baureihe, die mit den feinsten Fertigungsprozessen des taiwanischen Chipauftragsfertigers TSMC hergestellt wurden. Seit 2020 unterbinden die USA jedoch eine Handelsbeziehung zwischen TSMC und Huawei mit der Begründung, dass TSMC zumindest teilweise US-amerikanisches Gedankengut in der eigenen Prozesstechnik einsetzt. Auch sind Design-Tools der US-Firmen Cadence und Synopsys bei der Chipentwicklung weit verbreitet.

Chinesische Chipauftragsfertiger wie SMIC belichten Silizium-Wafer derweil nur mit 14-Nanometer-Strukturen oder gröber – mit TSMCs 5 nm und bald 3 nm können sie nicht konkurrieren. Mittelfristig braucht Huawei also auch bei ARM-Servern eine Lösung.

(mma)