Weinbau 4.0: Schlauer Schlepper steuert selbstständig durch Weinberge

Ein semi-autonomer Schlepper soll die Arbeit in Weinbergen erleichtern. Ohne die Rebstöcke zu verletzen, soll er durch die Reihen kurven.

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Ein Laser-Scanner im Frontbereich macht während der Fahrt 3D-Bilder von den Rebstöcken und den Reihen.

(Bild: Braun Maschinenbau)

Von
  • Carolin Gißibl
  • dpa

Noch sitzt ein Mann am Steuer des Schleppers, doch seine Hände kann er getrost in die Höhe halten: Künftig soll die intelligente Maschine selbstständig durch die fränkischen Weinberge steuern. Quasi als Vorgeschmack auf die Zukunft stellt die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) am heutigen Donnerstag den Schlepper vor.

Die semi-autonome Maschine wird Winzer und Obstbauer bei ihrer Arbeit "wesentlich entlasten", sagte Daniel Heßdörfer vom Institut für Weinbau und Oenologie (IWO) der LWG im Vorfeld der Präsentation am Scharlachberg in Thüngersheim (Landkreis Würzburg).

Der schlaue Schlepper ist mit hochmoderner Lasertechnik ausgestattet: Ein Laser-Scanner im Frontbereich macht während der Fahrt 3D-Bilder von den Rebstöcken und sendet die Signale an die Lenksteuerung des Schleppers. "Das Lenken macht nun das System, die Geschwindigkeitskontrolle der Schlepper." Das sei weniger ermüdend für die Arbeiter, die bisher den Schlepper und die Geräte steuern müssen.

Autonome Landwirtschaftsgeräte sind allernorts in der Entwicklung und auf dem Vormarsch. Das zeigt sich auf Messen wie der Agritechnica immer wieder.

Am Schlepper sind zudem sogenannte "Anbaugeräte" befestigt, die ebenfalls autonom arbeiten: Sie kommen möglichst nahe an die Rebstöcke heran und können viel von dem Beikraut verarbeiten – ohne die Stöcke zu beschädigen. Denn bisher kommt es immer wieder vor, dass ein Gerät an den Stöcken hängen bleibt. "Dann entstehen Wunden und ein Stock kann kaputt gehen", erklärte Heßdörfer.

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Die Experten des LWG überprüfen neue Techniken und haben die Maschine der Firma Braun Maschinenbau auf "Herz und Nieren" getestet, sagte Sprecher Marco Drechsel. Auch unter Echtbedingungen, das heißt auch in den Steillagen und auf ungeraden Wegen. Der neue Schlepper arbeitet herbizidlos, also ohne Glyphoysat – wie es die Landesanstalt seit 2015 vorgibt.

"Natürlich erinnern viele solche landwirtschaftlichen Maschinen zunehmend an ein Flugzeug-Cockpit mit zahlreichen Schaltern", sagte Drechsel. Computer-Experten müssen Winzer aber nicht sein, um das Gerät einzusetzen. Eine Affinität zu Technik sei jedoch durchaus von Vorteil, denn dann könne man sich die aufwendige Handarbeit sparen.

Der Mann muss übrigens nur aus gesetzlichen Gründen am Steuer sitzen. Das Wenden des Fahrzeugs in den Weinbergen führt über rechtlichen Grund und dort gilt die Straßenverkehrsordnung – autonomes Fahren ist dort noch verboten.

(kbe)