Weltraumteleskop James Webb: Aufnahme zeigt Sternentstehung in Wagenradgalaxie

Das modernste Weltraumteleskop liefert weiterhin beeindruckende astronomische Aufnahmen. Eins zeigt die außergewöhnliche Wagenradgalaxie in ganz neuem Licht.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 87 Beiträge

Die Wagenradgalaxie mit zwei Begleitern

(Bild: NASA, ESA, CSA, STScI)

Von
  • Martin Holland

Mit einer beeindruckenden Aufnahme der Wagenradgalaxie stellt das Weltraumteleskop James Webb einmal mehr unter Beweis, wie groß der Qualitätsunterschied zum Vorgänger Hubble bereits kurz nach der Inbetriebnahme schon ist. Die Aufnahme wurde jetzt von den beteiligten Weltraumagenturen öffentlich gemacht und zeigt die ungewöhnliche Ringgalaxie in grellen Farben.

Zu sehen sind so viele einzelne Sterne, wie nie zuvor, sternenbildende Regionen und das grell leuchtende Zentrum der 500 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie. Zusammen liefern sie neue Einblicke in die bewegte Geschichte der Galaxie, heißt es. Abgebildet hat das Weltraumteleskop außerdem den mit Abstand am weitesten entfernten Stern, den wir kennen – den erst vor wenigen Monaten entdeckten Earendel.

Die Aufnahme der Wagenradgalaxie ist aus Bildern zusammengesetzt, die mit den Instrumenten NIRCam (Near-Infrared Camera) und MIRI (Mid-InfraRed Instrument) gemacht wurden. Erstere kann deutlich mehr Sterne erkennen, weil die in dem abgelichteten Spektrum im nahen Infrarot nicht so stark von Staub verdeckt werden, erklären die Verantwortlichen. In dem Bild sind die NIRCam-Daten Blau, Orange und Gelb eingefärbt, auffällig sind vor allem die blauen Punkte. Dabei handle es sich um individuelle Sterne und Regionen, in denen Sterne entstehen. Auch der Unterschied zwischen der dichten Sternpopulation im Kern und dem eher unruhigen Aufbau in den äußeren Gebieten, werde sichtbar. In Rot sind dagegen die MIRI-Daten gefärbt, sie zeigen vor allem Staub.

Die auffällige Struktur der Wagenradgalaxie ist Folge einer Kollision zweier Galaxien, erklären die Experten und Expertinnen. Entstanden sind dabei zwei Ringe, der grelle innere und der aufgewirbelte äußere. Beide expandieren aktuell nach außen, ergänzen sie, gewissermaßen wie die kleinen Wellen in einem Teich, in den ein Stein geworfen wurde. Die Aufnahmen würden nun bestätigen, dass sich die Ringgalaxie in einem Übergangszustand befinde. Vor der Kollision hat es demnach um eine normale Spiralgalaxie gehandelt, wie unsere Milchstraße ebenfalls eine ist. Dank des Weltraumteleskops James Webb könnte man jetzt besser erforschen, wie sie sich wohl weiter entwickeln wird.

Jede Menge Galaxien und ein immens weit entfernter Stern (im Zoom).

(Bild: NASA, ESA, CSA, STScI)

Zoom auf Earendel

(Bild: @CosmicSprngJWST)

Das inzwischen seit drei Monaten im wissenschaftlichen Dauerbetrieb arbeitende neue Weltraumteleskop hat außerdem Earendel ("Morgenstern" in Altenglisch) abgelichtet, den am weitesten entfernten Stern, den wir kennen. Das hat das für die Beobachtung zuständige Team auf Twitter öffentlich gemacht und die Aufnahme direkt veröffentlicht. Zu sehen ist eine viel farbigere Aufnahme als jene von Hubble, auf der der Stern erstmals identifiziert worden war. Auszumachen ist der Stern, der innerhalb der ersten Milliarde Jahre nach dem Urknall existiert hat, nur dank einer glücklichen Fügung. Ein immenser Galaxienhaufen zwischen uns und der fernen Galaxie von Earendel krümmt und fokussiert das Licht genau so, dass der einzelne Stern für einen begrenzten Zeitraum zu erkennen ist. Mit dem Weltraumteleskop James Webb kann jetzt womöglich sogar seine Zusammensetzung analysiert werden.

Das Weltraumteleskop James Webb wird von den Weltraumagenturen NASA, ESA und CSA betrieben und wurde am 25. Dezember gestartet. Nachdem es sich in einer komplexen Prozedur selbst entfaltet hat, ist es einen Monat später am Lagrange-Punkt L2 angekommen. Hier blickt es abgewandt von Sonne, Erde und Mond ins All, sodass deren Wärmestrahlung das Infrarotteleskop nicht stört. Ein riesiger Schutzschirm blockt diese ab – mit einem Lichtschutzfaktor von einer Million. US-Präsident Joe Biden hatte der Welt Mitte Juli eine erste wissenschaftliche Aufnahme präsentieren dürfen, es folgten beeindruckende weitere Bilder. Aktuell werden die Aufnahmen des Weltraumteleskops direkt veröffentlicht, damit die Wissenschaftsgemeinde schnell lernt, das neue Observatorium und seine Instrumente so gut wie möglich einzusetzen.

Die ersten wissenschaftlichen Aufnahmen des Weltraumteleskops James Webb (10 Bilder)

Die fünf "tanzenden Galaxien" in Stephans Quintett
(Bild: NASA, ESA, CSA, and STScI)

(mho)