James Webb Teleskop gelingt die beste Aufnahme des Neptun seit Voyager 2

Trotz eines kleinen technischen Problems arbeitet das Weltraumteleskop weiter. Nun hat es die besten Aufnahmen des Neptun seit 30 Jahren geschickt.

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Der Neptun und sein größter Mond Triton (oben links)

(Bild: NASA, ESA, CSA, and STScI)

Dem Weltraumteleskop James Webb (JWT) ist es gelungen, die besten und detailreichsten Bilder des Planeten Neptun seit mehr als drei Jahrzehnten zu machen. Im August 1989 war Voyager 2 als bislang einzige Sonde an dem Eisriesen vorbeigeflogen, seitdem kann er nur aus der Ferne erforscht werden. Auf der jetzt veröffentlichen Aufnahme des JWT stechen vor allem die Ringe hervor, von denen einige seit Voyager 2 nicht mehr abgebildet werden konnten, schreibt die Europäische Weltraumagentur. Außerdem sind sieben der 14 Monde zu erkennen, zudem schwächere Staubbänder um den Planeten.

Die gesamte Aufnahme mit den für das Teleskop typischen Galaxien im Hintergrund

(Bild:  NASA, ESA, CSA, and STScI)

Die Monde

(Bild:  NASA, ESA, CSA, and STScI)

Aufgenommen wurde das Bild mit der Nahinfrarotkamera NIRCam, schreibt die ESA weiter. Die kann Licht in Wellenlängen zwischen 0,6 und 5 Mikrometern aufnehmen, deswegen erscheine der Neptun hier auch nicht in seinem charakteristischen Blau. Stattdessen würde das Methan in seiner Atmosphäre genau in diesem Bereich viel Licht absorbieren, weswegen er für das Weltraumteleskop vergleichsweise dunkel erscheint. Deutlich heller strahlt derweil der mit Abstand größte Neptunmond, Triton. Der ist demnach von kondensiertem Stickstoff bedeckt, der 70 Prozent des Sonnenlichts reflektiert. Auf Neptun sind auch Wolken und sogar eine Sturmstruktur zu erkennen, die den Planeten am Äquator zu umschließen scheint.

Für das Weltraumteleskop ist Neptun bereits der dritte Planet des Sonnensystems, der abgelichtet werden konnte. Vor einem Monat hat eine Aufnahme des Jupiter für Aufsehen gesorgt, vor wenigen Tagen kamen dann erste Bilder des Mars hinzu. Zwar sind die Instrumente des Teleskops vor allem dafür ausgelegt, ferne Galaxien und Exoplaneten zu untersuchen, aber auch zur Erforschung solch naher Objekte kann das hochpräzise Instrument einiges beitragen. Im kommenden Jahr seien damit weitere Analysen von Neptun und Triton geplant, schreibt die ESA.

Das Weltraumteleskop James Webb wird von den Weltraumagenturen NASA, ESA und CSA betrieben und wurde am 25. Dezember 2021 gestartet. Nachdem es sich in einer komplexen Prozedur selbst entfaltet hat, ist es einen Monat später am Lagrange-Punkt L2 angekommen. Hier blickt es abgewandt von Sonne, Erde und Mond ins All, sodass deren Wärmestrahlung das Infrarotteleskop nicht stört. Ein riesiger Schutzschirm blockt diese ab – mit einem Lichtschutzfaktor von einer Million. Seitdem es Anfang Juli die wissenschaftliche Arbeit aufgenommen hat, fasziniert die Qualität der Daten nicht nur die Forschungsgemeinde. Aktuell gibt es aber technische Probleme an einem Instrument.

Die ersten wissenschaftlichen Aufnahmen des Weltraumteleskops James Webb (10 Bilder)

Die fünf "tanzenden Galaxien" in Stephans Quintett
(Bild: NASA, ESA, CSA, and STScI)

(mho)