Weniger Konsum für mehr Umweltschutz, meinen viele Deutsche

74,4 Prozent der Deutschen meinen, dass der Umweltschutz eine Einschränkung des Konsums erfordert, hat eine Umfrage zur Einstellung zur Technik ergeben.

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Fleisch aus dem Labor. Viele Deutsche halten es als Ersatz für industrielle Tierhaltung für geeignet.

(Bild: dpa / David Parry)

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70,2 Prozent der Deutschen finden, Deutschland sollte beim Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen. Das geht aus einer Umfrage namens Technikradar 2020 der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech und der Körber-Stiftung hervor. 74,4 Prozent der Befragten meinen, der Umweltschutz erfordere eine Einschränkung des Konsums.

Höhere Steuern auf fossile Brennstoffe begrüßen 35 Prozent, geht weiter aus dem Technikradar hervor. 33,4 Prozent der Deutschen fordern, dass der private Autoverkehr in Zukunft stark eingeschränkt werden sollte. 29,5 Prozent sind dagegen, 37,2 unentschlossen.

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22,2 Prozent meinen, der Staat solle im Kampf gegen den Klimawandel die persönlichen Freiheitsrechte beschneiden. Die Frage, ob der Staat die Menschen zu umweltgerechtem Handeln zwingen sollte, befürworten 34,7 Prozent, 32,2 sind dagegen, 33,1 ambivalent. 59 Prozent sind der Ansicht, die Politik müsse für den Klimaschutz prinzipiell vorgehen, auch wenn die Wirtschaft darunter leide.

Für die Untersuchung befragte das Marktforschungsinstitut Info im Auftrag des Zentrums für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung der Universität Stuttgart im August und September vorigen Jahres telefonisch 2006 zufällig ausgewählte, in Deutschland lebende Personen ab 16 Jahren.

Die Deutschen haben weiterhin ein hohes Interesse an Technik: Seit der Erstausgabe des Radars 2018 stieg es von 53,6 auf 57,8 Prozent an. Einerseits erhofft sich fast die Hälfte eine bessere Lebensqualität, andererseits befürchten viele, dass Technik neue Probleme schafft. Diese Skepsis ist immer noch weit verbreitet, hat aber verglichen mit 2018 von 35,4 auf 26,7 Prozent abgenommen.

Die Bürger fühlen sich laut der Umfrage weniger stark vom technischen Fortschritt überrollt. Ein deutlich höherer Anteil von 45,5 Prozent statt 32,9 Prozent vor zwei Jahren traut der Technik sogar das Potenzial zu, die Probleme der Gegenwart wie Hunger, Armut oder Klimawandel zu lösen. Über 70 Prozent der Bürger wünschen sich, beim Einsatz umstrittener Technik stärker mitreden zu können.

40 Prozent meinen, dass die Welternährung sich sicherstellen lässt, wenn wir auf Fleisch aus der umweltbelastenden industriellen Tierhaltung verzichten. 57,8 Prozent der Bundesbürger halten dabei Fleisch aus dem Labor, für das aus tierischen Stammzellen mit Nährlösung Muskelfasern gezüchtet werden, für geeignet. Den Verzehr von solchen Produkten können sich dagegen nur 24,1 Prozent vorstellen. Fast jeder Zweite hält Fleisch aus dem Labor für risikoreicher als das Pendant aus konventioneller Tierzucht.

(anw)