Werbung nach der App-Tracking-Transparenz: Apple gewinnt, App-Anbieter verlieren

Seit Einführung von iOS 14.5 müssen Apps Tracking-Genehmigungen einholen. Snapchat meldet daher nun Einnahmeverluste, während Apples Reklamegeschäft wohl boomt.

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(Bild: Neirfy/Shutterstock.com)

Von
  • Ben Schwan

Apples Datenschutzfeature App Tracking Transparency, kurz ATT, soll dafür sorgen, dass Nutzer selbst bestimmen können, ob ihre iPhone- und iPad-Aktionen über Apps hinweg verfolgt werden dürfen. Dazu hat der Konzern neue Softwarefeature eingebaut, die eine Opt-In-Schleife integrieren. Von Seiten der App-Anbieter und Werbetreibenden gab es an der Funktion viel Kritik – diese fürchten, dass ihnen bei fehlendem Tracking Einnahmeverluste entstehen. Dies scheint sich zu bewahrheiten, während einer davon profitiert: Apple selbst. Das geht aus Analysen hervor, die Werbeexperten erstellt haben.

Wie die Financial Times berichtet, soll es Apple gelungen sein, den Marktanteil seines Werbegeschäfts verdreifacht zu haben – in ungefähr dem Zeitraum, seit dem es ATT gibt. Allerdings hat dies auch sehr viel damit zu tun, dass Apple nun voll auf Suchanzeigen im App Store setzt. Dort tauchen dann bei Eingabe von Suchbegriffen (auch) gesponserte Ergebnisse auf.

Laut dem Mobile-Marketing-Spezialisten Branch soll Apple nun für fast 60 Prozent aller iPhone-Downloads über besagte Reklame verantwortlich zeichnen, während der Konzern vor einem Jahr – allerdings mit weniger Reklame – noch bei 17 Prozent aller Installs gelegen habe. Das wiederum hat direkte Auswirkungen auf In-App-Werbung bei Drittanbietern, die keinen geringen Teil ihrer Einnahmen zuvor durch Reklame für andere Programme generiert hatten.

Die "Apple Search Ads" seien nun Bundesliga, so Branch-Experte Alex Bauer. Apple wird angeblich in diesem Jahr rund 5 Milliarden US-Dollar aus dem Anzeigengeschäft erlösen, in drei Jahren könne diese Summe auf 20 Milliarden steigen, so die Wirtschaftsforschungsfirma Evercore ISI. Apples Suchanzeigen nutzen teilweise eine Personalisierung, auch wenn Apple behauptet, dass diese stets anonymisiert ist. Kritik gibt es daran vor allem, weil es so wirkt, als nehme sich Apple selbst aus ATT und den dazugehörigen Regeln aus. Kein anderes Werbenetz dürfe so etwas. Apple liefert unter anderem Echtzeitdaten an Werbetreibende.

Welche Auswirkungen ATT auf App-Betrieber hat, zeigt sich unterdessen an den jüngsten Zahlen des Messaging-Dienstes Snap. Dieser musste soeben einen um immerhin drei Millionen Dollar niedrigeren Umsatz hinnehmen, was das Unternehmen mit der Einführung von ATT begründete. Dennoch steht die Firma weiterhin hinter Apple und ATT, so Chef Evan Spiegel. Man erwarte eine gewisse geschäftliche Disruption, weil die (ATT-Ersatz-)Lösungen aktuell "nicht so wie erwartet skalieren". Grundsätzlich sei aber Apples Datenschutzpolitik richtig. Zuletzt gab es allerdings Berichte, dass ATT tatsächlich gar nicht so gut funktioniert, wie von Apple erhofft.

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(bsc)