Wettbewerbsvorwürfe gegen Apple: Tile ruft EU-Kommission zu Hilfe

Der Hersteller von Schlüsselfindern sieht sich durch Änderungen in iOS 13 benachteiligt, Regulierer sollten Apples Geschäftspraktiken unter die Lupe nehmen.

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Tiles Bluetooth-Tag lässt sich an Taschen oder Schlüsselanhänger anbringen. Von Apple wird ein ähnliches Produkt erwartet.

(Bild: Tile)

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Der Schlüssfinder-Hersteller Tile macht nun auch in Europa gegen Apple mobil. Der iPhone-Konzern missbrauche seine Marktmacht und bevorzuge eigene Produkte zum Nachteil kleinerer Konkurrenten, so der Vorwurf: Apple habe in den vergangenen zwölf Monaten "mehrere Schritte unternommen, um Tile komplett zu benachteiligen", heißt es in einem Schreiben der Firma an EU-Wettbewerbshüterin Margrethe Vestager, wie die Financial Times berichtet.

Durch Änderungen in iOS 13 werde es für Kunden immer schwieriger Tile-Produkte zu nutzen. Das sei "besonders beunruhigend", weil Apple mit seiner vorinstallierten "Wo ist?"-App diesen Einschränkungen nicht unterworfen sei und einem erwarteten Schlüsselfinder wohl zu einem direkten Konkurrenten werde, zitiert die Financial Times aus dem Schreiben. Tile habe die Kommission aufgerufen, eine Untersuchung von Apples Geschäftspraktiken einzuleiten.

Apple wies die Vorwürfe gegenüber der Wirtschaftszeitung entschieden zurück: Man habe zusätzliche Datenschutzfunktionen eingeführt, um die Standortdaten der Nutzer zu schützen, diese Entscheidung gefalle Tile nicht. Die Firma habe sich deshalb entschieden, "wertlose Attacken" zu starten.

Knackpunkt der Beschwerde sind die mit iOS 13 eingeführten Änderungen bei den Ortungsdiensten: Apps können den Standortzugriff zu Beginn nur noch für die aktive Nutzung erbitten. Um dauerhaft auch im Hintergrund den Aufenthaltsort abfragen zu können, müssen Apps den Nutzer nun ein weiteres Mal um Erlaubnis bitten. Das System erinnert zudem regelmäßig und anschaulich daran, wenn Apps im Hintergrund den Standort abfragen können und bietet an, das sofort abzuschalten.

Diese Datenschutzfunktion hat bereits konkrete Auswirkungen auf standortbasierte Werbeanbieter gezeigt, die ein unbemerktes Hintergrund-Tracking nur noch schwer vornehmen können. Zugleich kann es aber auch Funktionen von Apps beeinträchtigen, wenn Nutzer von den Warndialogen verwirrt werden – und den Standortzugriff abdrehen.

Tile hatte Anfang des Jahres schon vor dem US-Kongress auf die angeblich "wettbewerbswidrigen Praktiken" von Apple aufmerksam gemacht – im Rahmen kartellrechtlicher Untersuchungen gegen mehrere US-IT-Konzerne. Das Schreiben könnte nun den Druck auf EU-Regulierer erhöhen, Schritte gegen Apple einzuleiten, schreibt das Wirtschaftsblatt. Die EU-Kommission befasst sich bereits in einer vorläufigen Untersuchung mit der Beschwerde des Musik-Streaming-Dienstes Spotify – die Einleitung einer formellen Prüfung werde im weiteren Verlauf des Jahres erwartet.

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(lbe)