White Hat und Black Hat: Rassismusdebatte um Bezeichnungen für Hacker

Wecken die Hacker-Bezeichnungen White Hat und Black Hat rassistische Assoziationen? Der Android-Sicherheitschef sieht das so und sorgt für eine Debatte.

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(Bild: Panorama Images/Shutterstock.com)

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Die Streitfrage, ob bestimmte Begriffe der IT-Welt diskriminierend sind, entzündet sich nun auch an den Hackerbezeichnungen White Hat und Black Hat. Auslöser der jüngsten Debatte ist Googles Android-Sicherheitschef David Kleidermacher, der seinen Auftritt bei der US-Ausgabe der bedeutenden Securitykonferenz Black Hat absagte. Kleidermacher begründete das damit, dass die Begriffe White Hat und Black Hat durch andere, weniger vorurteilsträchtige Worte ersetzt werden sollten.

Ebenso wie die Begriffe Whitelist und Blacklist würden die Hackerbezeichnungen das schädliche Klischee von gutem Weiß und schlechtem Schwarz weitertragen, führte Kleidermacher aus. Ferner regte er auch an, künftig lieber von "Person-in-the-Middle"-Angriffen statt von Man-in-the-Middle zu sprechen. Auch wenn die Änderung von Sprache nur einen kleinen Teil im Kampf gegen Diskriminierung ausmache, sei es dennoch wichtig und gut, darüber die Debatte zu führen, betonte Kleidermacher.

Als White Hats werden Hacker bezeichnet, die ihr technisches Wissen und ihre Fähigkeiten konstruktiv nutzen, Sicherheitslücken aufdecken und zur Verbesserung der IT-Sicherheit beitragen. Black Hat ist im Gegenzug ein Begriff für kriminell agierende Hacker, die etwa Diebstähle begehen oder absichtlich Schaden anrichten. Die Begriffe werden meist auf eine Konvention in bestimmten Westernfilmen aus dem 20. Jahrhundert zurückgeführt: Helden trugen dort weiße Hüte und die Bösewichte schwarze.

Genau darauf nahmen auch zahlreiche Gegenstimmen Bezug, berichtet die IT-Seite Zdnet. Es gebe schlichtweg keinen Bezug oder gar Wertaussagen zu menschlicher Hautfarbe, meinen die Kritiker. Ebenfalls würden Vorwürfe des "Virtue Signaling" gegen Kleidermacher laut, also der bloßen Zurschaustellung einer moralischen Haltung sowie einer Überreaktion auf die bloße Verwendung des Wortes "Schwarz".

Kleidermacher erntete zwar auch Zustimmung, insgesamt überwögen jedoch die Gegenstimmen in der Securitycommunity, schätzt ZDnet die Stimmungslage ein. Die Veranstalter der Black Hat hatten sich bereits vergangenen Monat solidarisch mit der Black-Lives-Matter-Bewegung erklärt. Eine Intention, die eigene Messe etwa in "Unethical Hacker" oder ähnliches umzubenennen, ließen die Macher bislang aber nicht durchblicken.

Die Debatte um eine Technik-Terminologie ohne mutmaßliche Diskriminierungen wird schon seit längerem in zahlreichen IT-Firmen und Entwicklercommunitys geführt. Im Zuge der Proteste, die nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd aufflammten, haben die Diskussionen oft an Tempo und Schärfe gewonnen. Als problematisch werden dabei vor allem die Begriffe Master und Slave sowie Blacklist und Whitelist gesehen.

Zuletzt hatte etwa Twitter bekannt gegeben, diese als verfänglich empfundenen Fachwörter künftig durch andere zu ersetzen. Eine Liste der Änderungen, die auch geschlechterneutrale Formulierungen enthält, veröffentlichte der Entwickler Regynald Augustin via Twitter. Zuvor hatte auch die Versionsverwaltungsplattform GitHub die Suche nach alternativen Begriffen angekündigt, ebenso wollen Google-Projekte wie Chrome, Android und die Programmiersprache Go den sprachlichen Wechsel vollziehen. Jüngst ist die Debatte auch in der Community der Linux-Kernel-Entwicklung angekommen – in Form eines Patch-Vorschlags für Dokumentation und Coding-Style-Richtlinien.

Bereits 2014 hatten beispielsweise die Drupal-Entwickler den Abschied von der Master/Slave-Terminologie eingeleitet und durch die Begriffe Primary und Replica ersetzt. Dem Vorbild schlossen sich andere an – darunter die Entwickler der Programmiersprache Python, das Open-Source-Browser-Projekt Chromium und die Datenbanksysteme PostgreSQL und Redis.

Es gibt allerdings auch Beispiel für Projekte, die sich gegen Terminologie-Änderungen entscheiden. Ein Votum des OMC genannten Leitungsgremiums des Open-SSL-Projekts fiel kürzlich gegen Begriffsersetzungen aus. Der Einreicher des entsprechenden Pull Requests, der Akamai-Angestellte Rich Salz, erklärte daraufhin seinen Abschied vom Projekt. Die OMC stünde auf der falschen Seite der Geschichte, begründete Salz seinen Schritt.

(axk)