Windows 7: Bund ließ sich Extra-Support 2020 fast 2 Millionen Euro kosten

In den Ministerien und Behörden des Bundes laufen noch mindestens 63.479 Rechner mit dem veralteten Betriebssystem Windows 7.

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(Bild: Friemann/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Die Zahl der Computer in den Bundesministerien und den nachgeordneten Behörden, die noch mit Windows 7 betrieben werden, ist deutlich höher als bislang angenommen. Im zweiten Gang geht die Bundesregierung nun von "mindestens 63.479 Clients" aus, auf denen noch das Betriebssystem läuft, das Microsoft seit 14. Januar 2020 nicht mehr kostenlos mit Sicherheitsupdates unterstützt. Vor einem Jahr war das federführende Bundesinnenministerium (BMI) noch auf 33.000 einschlägige IT-Arbeitsplätze gekommen.

Schon damals war aber klar, dass das Support- und Migrationsproblem deutlich größer sein dürfte: in der früheren Übersicht waren fünf der 14 Bundesministerien gar nicht aufgelistet. Offenbar handelte es sich dabei just um die Ressorts, bei denen Windows 7 noch eine besonders wichtige Rolle spielt.

Mit der deutlich angestiegenen Menge der Rechner, für die der Bund für weitere Sicherheitsupdates über Microsofts Extended Security Update-Program (ESU) Geld in die Hand nehmen muss, haben sich auch die dafür nötigen Ausgaben mehr als verdoppelt: Rechnete die Bundesregierung hier zunächst für 2020 mit Gebühren in Höhe von 800.000 Euro, landete sie laut einer heise online vorliegenden aktuellen Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz letztlich bei 1,9 Millionen Euro. Bis 2023 sollen "mindestens rund 2,51 Millionen Euro Kosten entstehen".

Die Verteilung der betroffenen Computer auf die einzelnen Ressorts und größere Behörden schlüsselte die Regierung gegenüber Netzpolitik.org genauer auf. Im Kanzleramt und den Bundesministerien sind insgesamt rund 18.000 Menschen beschäftigt. Nicht mitgezählt sind dabei die Mitarbeiter in den vielen nachgeordneten Behörden. Zu den besonders personalstarken Ressorts gehören das Auswärtige Amt und das Bundesverteidigungsministerium. Letzteres führt die Rangliste der Ressorts, auf denen noch PCs mit Windows 7 in Betrieb sind, so auch mit 27.326 entsprechenden Arbeitsplätzen an.

Das Innenministerium folgt auf Rang 2 mit 12.935 Rechnern, die Extra-Support benötigen, das Auswärtige Amt belegt Platz 3 mit 10.700 solcher Computer. Das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur muss noch für 5000 Arbeitsplätze einen gesonderten Support-Obolus an Microsoft entrichten, die Ressorts für Landwirtschaft und Gesundheit je für rund 1700, die Beauftragte für Kultur und Medien für 1500. Beim Wirtschaftsministerium sind es 1118 Rechner. In allen anderen Bereichen der Regierung und der ihr unterstellten Verwaltung liegt die Zahl unter 1000. Das Bundesbildungsministerium hat als einziges keine PCs mit Windows 7 mehr im Einsatz.

Die Angaben könnten nach wie vor unvollständig sein, gibt die Regierung zu bedenken. Die Behörden und Ressorts seien für eine zeitgerechte Umstellung auf Windows 10 nach Auslaufen des Supports von Windows 7 selbst verantwortlich. Zentral werde dazu nicht Buch geführt. Die Ressortabfrage sei noch immer nicht "von allen beantwortet" worden.

Bewusst keine Auskünfte gibt das BMI aus Geheimhaltungsgründen zur IT-Infrastruktur beim Bundesnachrichtendienst (BND) und beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Teils lässt sich derweil aus Stellenanzeigen erkennen, dass etwa das Bundesamt für Verbraucherschutz noch gezielt nach drei Fachinformatikern mit gründlichen Kenntnissen der Systeme Windows 7 und 10 sucht.

Die Verfasser einer Studie im Auftrag des BMI waren schon 2019 zum Schluss gekommen, dass insbesondere die Abhängigkeit von Microsoft-Produkten "zu Schmerzpunkten bei der Bundesverwaltung" führen. Dies stehe "im Widerspruch zu den strategischen Zielen der IT des Bundes". Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte damals angekündigt, Gespräche mit Software-Anbietern führen und Alternativ-Programme prüfen zu wollen. Dabei sollte der Einsatz freier Software eine wesentliche Rolle spielen.

Im neuen Plan zur schleppenden IT-Konsolidierung ist von Open Source allerdings keine Rede. Das Verteidigungsministerium bleibt bei den darin aufgezeichneten, bis 2028 laufenden vier Wellen zur Harmonisierung von Rechner- und Serverstrukturen sowie der Verlagerung von Diensten in die Cloud zudem genauso außen vor wie etwa das Auswärtige Amt.

(mho)