Wirecard-Insolvenz: Boon gibt auf

Die virtuelle Kreditkarte, die mit Apple Pay und Google Pay funktioniert hat, wird zum Oktober eingestellt. Nutzer sollten aktiv werden.

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Wirecard-Insolvenz: Boon gibt auf

(Bild: Wirecard)

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Der insolvente Finanzdienstleister Wirecard stellt seine virtuelle Kreditkarte Boon ein. Kunden sollten eventuell noch vorhandenes Guthaben aufbrauchen oder sich auszahlen lassen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Am 3. Oktober 2020 werde der Service abgeschaltet. Bis dahin sollten Kunden ihre Guthaben abziehen, sonst erhebt der Anbieter Gebühren.

Boon hat seinen Nutzern eine virtuelle Prepaid-Kreditkarte von Mastercard zur Verfügung gestellt. Mittels einer App konnten Anwender Guthaben aufladen und verwalten. Später kamen auch P2P-Zahlungsfunktionen dazu. Die virtuelle Mastercard von Boon erfreute sich auch hierzulande einiger Beliebtheit, weil er eine der ersten Möglichkeiten war, die kontaktlosen Bezahlsysteme von Apple und Google zu nutzen. Später unterstützte Boon auch Bezahlsysteme von Garmin, Fitbit, Swatch und Sony.

Der Anbieter empfiehlt seinen Nutzern, das eventuell vorhandene Guthaben bis zum 3. Oktober centgenau auszugeben. Eventuell eingerichtete automatische Aufladungen hat Boon den Angaben zufolge bereits deaktiviert. Wenn das Guthaben auf Null ist und alle Buchungen abgeschlossen sind, kann der Account über eine Schaltfläche in der App geschlossen werden.

Alternativ zahlt das Unternehmen die Beiträge auf Wunsch auch aus. Allerdings verweist Boon auf eine hohe Auslastung der Kundendienstmitarbeiter und setzt deshalb auf die "Eigeninitiative" der Kunden – die sollen das Geld also lieber ausgeben. Die virtuelle Kreditkarte kann auch im Online-Handel eingesetzt werden.

Wer sein Boon-Konto nicht bis Anfang Oktober räumt, nimmt in Kauf, dass das Guthaben dann durch Gebühren aufgezehrt wird. "Ab dem 04.10.2020 erheben wir eine monatliche Gebühr von 2,50 €/CHF auf vorhandenes Guthaben bis dieses vollständig aufgebraucht ist", teilt der Anbieter mit.

Die Boon-Karten werden von der britischen Wirecard-Tochter Wirecard Card Solutions herausgegeben. Im Zuge der Insolvenz der Muttergesellschaft Wirecard AG hatte die britische Finanzaufsicht dem Unternehmen kurzzeitig den Betrieb untersagt. Inzwischen wickelt Wirecard Card Solutions wieder Zahlungen ab.

Die Ende Oktober 2019 gestartete Banking-App "Boon.Planet" mit eigenem Girokonto und Debitkarten wird von der deutschen Wirecard Bank herausgegeben und den Informationen zufolge weitergeführt. Die Wirecard Bank ist von der Insolvenz der Muttergesellschaft nicht direkt betroffen und führt die Geschäfte weiter.

Der deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard hatte Ende Juni Insolvenz anmelden müssen, nachdem die Wirtschaftsprüfer von EY keinen Nachweis für die Existenz von 1,9 Milliarden Euro gefunden hatten, die laut Bilanz aus dem sogenannten "Drittpartnergeschäft" stammen sollten.

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