Wirecard-Skandal: Juristische Aufarbeitung wird noch Jahre dauern

Die Aufklärung des Wirecard-Skandals zieht sich hin und beschäftigt die Gerichte möglicherweise noch mehrere Jahre.

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(Bild: Plateresca/Shutterstock.com)

Von
  • Carsten Hoefer
  • dpa
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In Sachen Wirtschaftskriminalität ist 2020 ein denkwürdiges Jahr: Mindestens fünf Jahre lang soll der Vorstand des Zahlungsdienstleisters Wirecard in einem Fall von "gewerbsmäßigem Bandenbetrug" Banken und Investoren systematisch belogen haben – bis zum Insolvenzantrag im Juni.

Die juristische Aufarbeitung wird aller Voraussicht nach länger als fünf Jahre dauern. An erster Stelle stehen die strafrechtlichen Ermittlungen. Deren Abschluss ist nicht in Sicht, wie Oberstaatsanwältin Anne Leiding sagt, die Sprecherin der Münchner Ermittlungsbehörde. Wie viele Beschuldigte es mittlerweile sind, enthüllt Leiding nicht – deren Zahl "ändert sich ständig".

Mit einem mutmaßlichen Schaden von über drei Milliarden Euro ist die Bilanzmanipulation beim früheren Dax-Konzern ein Kandidat für den größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Bisheriger Rekordhalter ist das badische Unternehmen Flowtex, das in den 1990er Jahren mit dem Verkauf nicht existenter Spezialbohrmaschinen zwei Milliarden Euro erschwindelte.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat ihr mit Wirecard befasstes Personal seit dem Sommer nahezu verdoppelt: von sechs Ermittlern im August auf derzeit zehn. Ende Januar wird sich entscheiden, ob Ex-Vorstandschef Markus Braun auf freien Fuß kommt. Nach einem halben Jahr in Untersuchungshaft steht der Haftprüfungstermin bevor.

Zusätzlich kompliziert werden die Ermittlungen dadurch, dass wesentliche Schauplätze in Dubai und in Südostasien liegen. "Wir haben zahlreiche Rechtshilfeersuchen gestellt und europäische Ermittlungsanordnungen beantragt", sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Hauptvorwurf ist, dass die Wirecard-Chefetage spätestens 2015 beschlossen haben soll, die Bilanzen mit Scheingeschäften aufzublähen. Wirecard hat Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt.

Die Anwälte der Manager haben sich bislang nicht inhaltlich zu den Vorwürfen geäußert, auch Ex-Vorstandschef Braun persönlich sagte dazu bei seiner Vernehmung im Untersuchungsausschuss des Bundestags nichts.

Noch sehr viel länger als das Strafverfahren könnte die Entschädigung der Gläubiger dauern. Große Insolvenzverfahren können insbesondere in Betrugsfällen außerordentlich viel Zeit benötigen. Bei Flowtex waren es zwei Jahrzehnte.