Wirtschaftsministerium: Personalausweis soll rasch aufs Handy kommen

Mit über 50 Millionen Euro fördert das Wirtschaftsressort vier Projekte für digitale Identitäten, um Perso, Führerschein & Co. aufs Smartphone zu bringen.

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(Bild: SvetaZi/Shutterstock.com)

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Von
  • Stefan Krempl

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) will den Personalausweis, Führerschein und andere oft im Umgang mit Behörden benötigte Dokumente zeitnah sicher auf das Smartphone bringen. Es fördert daher mit gut 50 Millionen Euro bis zu vier große IT-Projekte im Innovationswettbewerb "Schaufenster Sichere Digitale Identitäten". Sie sollen mit alltagstauglichen Anwendungen die Vorteile und Möglichkeiten einer digitalen Ausweisfunktion auf Mobiltelefonen neuerer Generationen in den beteiligten Städten und Regionen demonstrieren.

Den Startschuss für die Förderung der ersten Initiative gab das Wirtschaftsressort just am 1. April mit einem Bescheid für IDunion in Höhe von 15,6 Millionen Euro. Mit der Firma Main Incubator leitet dieses Projekt, das eine einfach nutzbare Lösung zur elektronischen Identifizierung (eID) entwickelt will, die Forschungs- und Entwicklungseinheit der Commerzbank. Zu den 25 Partnern gehören etwa der Berliner Senat und die TU Berlin, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die Bundesdruckerei, D-Trust, die ING-Bank, das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium, Bosch, Siemens und die Stadt Köln.

IDunion realisiere an zahlreichen deutschen Standorten "realitätsnahe Anwendungsbeispiele" in den Bereichen E-Government, Bildung, Finanzwirtschaft, Industrie, Internet der Dinge, E-Commerce, Mobilität, ID-Management und Gesundheit, heißt es beim Wirtschaftsressort. Das Konsortium selbst schreibt, die Beteiligten setzten auf Open-Source-Software und standardisierte Datenformate, um eine herstellerneutrale Lösung und Transparenz zu schaffen sowie Interoperabilität zwischen Anbietern, Netzwerken und traditionellen Identitätslösungen zu fördern.

Die anderen Schaufensterprojekte sollen bald bekanntgegeben werden und von Mai an starten. Beworben haben sich etwa auch die Login-Allianz Verimi und ein Fraunhofer-Institut, die mit der "Deutschland ID" einen übergreifenden eID-Standard entwickeln wollen. Das BMWi erläutert, man habe die Förderberechtigten aus insgesamt zehn eingereichten Konzepten für eID-Lösungen mithilfe einer Fachjury ausgewählt. Digitale Identitäten seien generell "ein wesentlicher Baustein für die digitale Souveränität Deutschlands und Europas".

"Wir sehen zunehmend, dass amerikanische Plattformen mehr und mehr Identifikationslösungen in den Markt drücken", mahnte der BMWi-Beauftragte für die digitale Wirtschaft, Thomas Jarzombek, zur Eile. Er finde es wichtig, "dass es auf dem Smartphone eine vom Staat abgesicherte Möglichkeit der Identifizierung gibt, die insbesondere auch ohne kommerzielle Hintergedanken in Bezug auf Nutzerdaten funktioniert". Bisherige einschlägige Vorhaben seien aber wenig nutzerfreundlich und "zu kompliziert" gewesen, meint der CDU-Politiker. Nun solle ein Angebot kommen, "dass auch von Unternehmen mit genutzt wird und einen festen Platz im Alltag der Menschen erreicht".

Die Bundesregierung hatte im Februar einen vom Bundesinnenministerium (BMI) vorbereiteten Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, wonach der elektronische Identitätsnachweis mit einem mobilen Endgerät durchgeführt und der mit dem Perso verknüpfte Online-Ausweis auf Smartphones und Tablets wandern soll. Bürger sollen dabei die Übertragung der notwendigen Schlüssel aus dem Speicher des Personalausweises auf das Handy online beantragen können, wobei sie sich per eID identifizieren müssen.

Um die eID-Lösung aus dem Perso nutzen zu können, benötigt ein Smartphone eine eingebettete Sicherheitsarchitektur, die bis zum Niveau "substanziell" der eIDAS-Verordnung reichen muss. Momentan erfüllen laut dem Verbund der kommunalen IT-Dienstleister Vitako nur Geräte der Modellreihe Galaxy S20 von Samsung diese Auflagen. Auch dies sei nur dem vom BMWi zuvor geförderten Projekt Optimos 2.0 zu verdanken. Die Bundesdruckerei hält dagegen, dass die vorgesehenen Sicherheitselemente wie ein integriertes "Secure Element" oder die eSIM-Karte "keine Einschränkung von Smartphones" vornähmen. Optimos und IDunion ließen sich ergänzen: Die für das letztere Projekt nötigen privaten Schlüssel könnten im Secure Element generiert und anschließend in einer Wallet auf dem Smartphone verschlossen werden.

Jenseits der Schaufenstervorhaben werde man weiter eine aktive Rolle in dem vom Bundeskanzleramt und vom BMI angestoßenen Projekt "Digitale Identitäten" spielen, versichert das BMWi allgemein. Damit würden ausgewählte Anwendungsfälle und Demonstratoren entwickelt und ein Netzwerk aus eID-Anbietern und großen Anwender-Unternehmen aufgebaut. Klar sein müsse: "Noch in diesem Jahr sollen wichtige Fortschritte bei der Nutzung von Online-Ausweisen über das Smartphone erzielt werden."

[Update 4.4.2021 10:26 Uhr:] Angaben zu Optimos und IDunion im vorletzten Absatz ergänzt.

(tiw)