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c't Fotografie

Workshop: Licht im Fokus

Fotografie ist "Malen mit Licht" - etwas ganz anderes als Sehen – nicht einfach weniger oder mehr, sondern etwas Eigenes. So gelten beim Fotografieren auch eigene Gesetze.

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Inhaltsverzeichnis

Erklärtermaßen stellt Fotografieren das technische Erzeugen von Abbildungen durch Licht dar. Dabei wird das von der Umgebung reflektierte Licht durch eine Linse oder ein Linsensystem (Objektiv) gebündelt, um die beleuchteten Objekte auf einer Fläche (Film oder Digitalsensor) hinter der Optik nachzuzeichnen. Ähnliches macht auch das menschliche Auge, indem es die Umwelt durch eine Linse auf der „Sensorfläche“ Netzhaut abbildet.

Beim Fotografieren kommt das Sehen gleich zweimal zum Zuge: Zu Beginn, wenn wir ein Foto von dem machen, was uns vor Augen liegt – und am Ende, wenn wir das fertige Bild betrachten. Fotografie steht zwischen der Umwelt, die wir normalerweise betrachten, und uns selbst als Betrachter. Fotografie hat manches mit der Arbeitsweise in der Malerei gemeinsam: Auch sie erzeugt „Bilder“, die auf zwei Dimensionen reduziert und statisch sind und die den „Blick des Fotografen“ vermitteln, wie Gemälde „den Blick des Künstlers“. Der „Blick des Betrachters“ macht daraus wieder etwas ganz Neues, etwas (subjektiv) anderes.

Woher kommt das dabei beteiligte Licht? Dumme Frage… von der Sonne oder von Lampen, werden Sie sagen. Tatsächlich leuchten ja die meisten Dinge, die wir sehen oder fotografieren, nicht selbst, sondern reflektieren Licht, das von einer Lichtquelle stammt. Bemerkenswerterweise sind aber alle Gegenstände, die Licht reflektieren, selbst wieder Lichtquellen, die Licht auf andere Gegenstände werfen. Bekanntes Beispiel: der Mond. Auch Häuserfronten, von der Sonne beschienen, können selbst zur Lichtquelle für die eigentlich im Schatten liegenden Fassaden gegenüber werden. Und damit sind wir schon mitten im Geschehen: Das Licht bindet die Dinge in ein Wechselspiel und wird von ihnen seinerseits beeinflusst.

Das beginnt mit der jeweiligen Andersartigkeit des Lichtes von verschiedenen Quellen. Das Licht der Sonne wird durch die Atmosphäre gefiltert, und zwar auf sehr unterschiedliche Weise, je nachdem, ob die Sonne hoch am Himmel steht oder kurz vor dem Untergehen dicht über dem Horizont. Ist die Luft klar oder dunstig, der Himmel blau, oder von weißen Wolken durchsetzt oder völlig bedeckt? Das alles ändert das Licht in dramatischer Weise.