Würzburger Forscher wollen Künstliche Intelligenz im Weltraum trainieren

Der KI-lernende Kleinsatellit "Sonate-2" soll Erde und Sonnensystem beobachten. Der Bund unterstützt das Forschungsprojekt mit 2,6 Millionen Euro.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 12 Beiträge
Zeichnung eines flachen Satelliten im Erd-Orbit

SONATE-2 im Orbit: Visualisierung des neuen Technologie-Erprobungssatelliten für hochautonome Nutzlasten und Künstliche Intelligenz.

(Bild: Hakan Kayal / Universität Würzburg)

Von
  • Frank Schräer

Um neue Phänomene im Weltraum aufzuspüren, wollen Forscher der Universität Würzburg einen Satelliten mit Künstlicher Intelligenz (KI) an Bord ins Weltall schicken. "Wir wollen die KI an Bord eines Kleinsatelliten unter Weltraumbedingungen trainieren", sagte Hakan Kayal, Professor für Raumfahrttechnik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, am Mittwoch.

Das Besondere des Kleinsatelliten mit dem Namen "Sonate-2" sei, dass die KI selbstständig im Weltraum lernen und ausschließlich relevante Entdeckungen zur Erde zurückmelden soll. Langfristig soll der Satellit nicht nur zur Beobachtung der Erde eingesetzt werden, sondern die KI soll auch auf zwischen den Planeten befindliche Phänomene anspringen. Vielleicht sogar auf "Spuren außerirdischer Intelligenzen", heißt es in der Pressemitteilung der Universität Würzburg.

Viele Phänomene im Weltraum oder auf anderen Himmelskörpern werden zufällig entdeckt, insbesondere wenn sie nur vorübergehend erscheinen. Oder weil Menschen sich viel Zeit für die Beobachtung von extraterrestrischen Aufnahmen nehmen. "Mit Technologien der Künstlichen Intelligenz ließen sich bislang unbekannte Anomalien viel leichter aufspüren", erklärte Kayal.

Lesen Sie auch

Die Wissenschaft stehe bei KI in der Raumfahrt der Universität zufolge noch ganz am Anfang. "Es gibt dazu nur eine Handvoll Projekte", sagte Kayal. "Es gibt schon Satelliten, die mit KI arbeiten. Deren KI wird auf der Erde trainiert und dann in den Orbit gefunkt." Dann werden stationäre Großrechner zur Datenverarbeitung eingesetzt. "Auch miniaturisierte IT-Systeme werden immer leistungsfähiger. Und wir lassen uns Zeit für das Training der KI. Da kann ein Lernprozess im Orbit ruhig auch einmal mehrere Tage in Anspruch nehmen", so der Forscher.

Kayals Vision ist der Einsatz leistungsfähiger KI auf interplanetaren Reisen, wenn die Kommunikation mit Satelliten zum Flaschenhals wird und der Datentransfer mit zunehmender Entfernung zur Erde länger dauert. "Da kann man nicht ständig Daten hin- und herschicken. Darum muss die KI dazu in der Lage sein, auf dem Satelliten selbstständig zu lernen. Und sie darf ausschließlich relevante Entdeckungen zur Erde melden."

Das Forschungsprojekt der Universität Würzburg wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit 2,6 Millionen Euro unterstützt. Geplant sei, den Kleinsatelliten in der Größe eines Schuhkartons im Frühjahr 2024 in den Orbit zu schicken. (mit Material der dpa) /

(fds)