YouTube löscht RT DE wegen Umgehungsversuch – Russland droht deutschen Medien

Nach Verbreitung von Covid-Desinformation wurde RT DE für 7 Tage suspendiert. RT umging das Upload-Verbot. Jetzt ist Sendeschluss. Der Kreml zetert.

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YouTubes 404-Fehlerseite, farblich verändert; sie zeigt einen Affen mit Lupe und den Text

(Bild: Original von YouTube, Illustration von Daniel AJ Sokolov)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

YouTube hat den Kanal RT DE gelöscht, weil die Betreiber ein vorübergehendes Upload-Verbot umgangen haben. Diesen schwerwiegenden Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen hat YouTube am Dienstag mit der Löschung geahndet. Auch den zweiten Kanal, auf dem RT DE trotz Verbots neue Videos eingestellt hatte, gibt es nicht mehr. Russlands Regierung droht mit Vergeltungsmaßnahmen gegen deutsche Medien.

RT DE ist die deutschsprachige Ausgabe des staatlichen russischen Auslandssenders RT (ehemals Russia Today, zu Deutsch Russland heute). RT DE produziert von Berlin aus eine eigene Webseite und stellt Videos online. Der Versuch, eine luxemburgische TV-Lizenz zu erwerben, ist gescheitert. Auf YouTube gehörte RT DE zu den größten deutschsprachigen Kanälen in der Kategorie Nachrichten.

Allerdings ist RT DE wiederholt durch die Verbreitung von Desinformation über das Coronavirus und die Covid19-Pandemie aufgefallen. Darauf hat YouTube vergangene Woche mit einem siebentägigen Upload-Verbot reagiert, das am Dienstag automatisch ausgelaufen wäre. Doch RT DE wollte das nicht aussitzen. Die Betreiber luden neue Videos einfach in einen anderen YouTube-Kanal.

"Während der (Suspendierung) versuchten die Kanaleigentümer, die Beschränkungen zu umgehen, indem sie einen anderen Kanal benutzten", zitiert RT DE auf der eigenen Webseite einen YouTube-Sprecher, "Infolgedessen wurden beide Kanäle wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube geschlossen." RT DE stellt seinen Umgehungsversuch auch nicht in Abrede.

Margarita Simonjan, Chefin des RT-Betreibers Rossija Swodnja (Russland heute), gibt sich empört. Sie sieht in YouTubes Maßnahme die Erklärung eines "Medienkriegs" an den Staat Russland – nicht durch YouTube, sondern durch die Bundesrepublik Deutschland. Entsprechend werde der Kreml nun gegen die Deutsche Welle sowie die Büros von ARD und ZDF in Russland vorgehen.

Tatsächlich kündigt das russische Außenministerium Vergeltungsmaßnahmen gegen YouTube und deutsche Medien an. Das Ministerium gibt vor, YouTube könne nicht ohne "Unterstützung deutscher Behörden und Medien" gehandelt haben. Russlands Medienaufsicht Roskomnadsor fordert YouTube-Eigentümer Google dazu auf, die beiden gelöschten Kanäle wiederherzustellen. Laut Deutscher Welle droht Roskomnadsor dabei mit einer Geldstrafe.

RT selbst berichtet auch in seinen englischsprachigen und russischsprachigen Versionen über YouTubes Maßnahmen gegen RT DE. Dass RT DE versucht hat, die siebentägige Suspendierung zu umgehen, verschweigt RT in diesen Berichten.

(ds)