Youtube-DL: Die Entwickler lassen sich nicht einschüchtern und arbeiten weiter

Die Entwickler des Open-Source-Download-Tools für YouTube-Videos haben eine neue Version ihrer Software veröffentlicht.

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  • Fabian A. Scherschel

Im Streit um die Python-Bibliothek YouTube-DL, mit der sich Videos von der Streaming-Plattform herunterladen lassen, zeigen sich die Entwickler der Open-Source-Software unbeeindruckt durch die juristischen Drohungen der Gegenseite. Sie haben nun eine neue Version ihrer Software veröffentlicht. Die Software war nach einer DMCA-Unterlassungsaufforderung durch Vertreter des US-Musikindustrie von Microsofts Codesharing-Plattform GitHub entfernt worden, worauf sich heftiger Protest in der Open-Source-Gemeinde, in Teilen der Presse und bei Netzaktivisten regte.

Mittlerweile hat sich auch Nat Friedman, Geschäftsführer von GitHub und langjähriger Open-Source-Entwickler im GNOME-Umfeld, in die Sache eingeschaltet. Wie die Nachrichtenseite TorrentFreak berichtet versucht Friedman aktiv, das GitHub-Repository von YouTube-DL wiederherzustellen. "GitHub existiert um Entwicklern zu helfen. Wir wollen ihre Arbeit nicht erschweren. Wir wollen den Youtube-DL-Entwicklern helfen, die DMCA-Unterlassungsaufforderung aus der Welt zu räumen, damit wir das Repo wiederherstellen können", so der GitHub-Chef gegenüber TorrentFreak. Im Gespräch mit der Webseite gab Friedman außerdem zu, dass der Fall ihn persönlich geärgert habe.

Friedman ist der Meinung, die YouTube-DL-Entwickler könnten ihren Code mit einigen minimalen Änderungen wahrscheinlich wieder online stellen, ohne rechtliche Folgen fürchten zu müssen. Demnach wäre es zu empfehlen, Beispiele zum Herunterladen von kopiergeschütztem Material aus dem Programmcode zu entfernen. Außerdem müsse man wohl Code entfernen, der eine Maßnahme (Rolling Cipher) umgeht, mit der YouTube den Download mancher Videos verhindert. Allerdings ist nicht klar, wie viele Videos überhaupt derart geschützt sind und ob es nicht trivial ist, diesen Schutz manuell zu umgehen.

Einige Beobachter sind der Meinung, dass eine Klage der Musikindustrie-Interessenvereinigung RIAA gegen YouTube-DL auf der Grundlage des Digital Millennium Copyright Act (DMCA) wenig Erfolg habe. Denn es gebe ja auch eine Menge Inhalte auf YouTube, die unter freien Lizenzen stehen und nicht mit Kopierschutz versehen sind, der umgangen werden muss. So sehen das vor allem auch viele Netzaktivisten, darunter die Electronic Frontier Foundation (EFF), welche die DMCA-Unterlassungsaufforderung der RIAA scharf kritisierte.

Unabhängig von eventuell bevorstehenden gerichtlichen Auseinandersetzungen scheint klar zu sein, dass die RIAA sich mit ihrem Vorgehen ein heftiges Eigentor geschossen hat. Neben weltweiter öffentlicher Kritik hatten auch so viele GitHub-Nutzer den Youtube-DL-Code in eigene Repositories dupliziert, dass GitHub schließlich eine explizite Warnung dazu aussprechen musste, dass Nutzer, die sich an diesem Protest beteiligen das Risiko eingehen, dass ihr GitHub-Konto gesperrt wird.

Auch die Youtube-DL-Entwickler selbst scheinen sich von der Drohung der Musikindustrie nicht einschüchtern zu lassen. Auf ihrer eigenen Webseite haben sie nämlich eine neue Version 2020.11.01.1 ihrer Software veröffentlicht. Die darin enthaltenen Änderungen haben augenscheinlich erst mal nichts mit der Auseinandersetzung mit der RIAA zu tun. Bisher scheint die Entwicklung der Software also ohne Einschränkungen fortzuschreiten.

(fab)