Youtube-DL: Streit um Open-Source-YouTube-Downloader eskaliert

GitHub wird gerade von Uploads des YouTube-Downloaders Youtube-DL überschwemmt, nachdem die US-Musikindustrie die Software hatte entfernen lassen.

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Online-Videoplattform «Youtube». Google steht wegen der Platzierung von Werbevideos neben extremistischen Videos in der Kritik.

(Bild: dpa, Nicolas Armer)

Von
  • Fabian A. Scherschel

Nachdem die Recording Industry Association of America (RIAA) in der vergangenen Woche das beliebte Open-Source-Programm Youtube-DL von Microsofts Code-Hosting-Plattform GitHub hatte löschen lassen, wird die Plattform jetzt von Kopien des Programms geradezu überschüttet.

Die Open-Source-Gemeinde ist traditionell kein Freund von Interessengemeinschaften wie der RIAA, die versuchen ihre Copyright-Ansprüche über Kopierschutzmaßnahmen zu verteidigen, die dann in alle möglichen Software-Systeme eingebaut werden. Und dass die RIAA mit einer DMCA-Unterlassungserklärung die Entfernung des beliebten Tools erwirkt hatte, scheint vielen GitHub-Nutzern gar nicht zu passen.

Youtube-DL ist eine Software-Bibliothek, die von vielen anderen Programmen im Hintergrund benutzt wird. Mit diesen Programmen, oder von der Kommandozeile mit Youtube-DL selbst, kann man Videos oder nur deren Audiospur von YouTube und anderen Video-Sharing-Plattformen herunterladen. Das wird von Nutzern dazu benutzt, Videos zum Offline-Gucken herunterzuladen, Musik aus Videos zu rippen und Video-Sendungen in Audio-Podcasts zum Mitnehmen umzuwandeln.

Aber auch viele Journalisten nutzen Software oder Webseiten, die auf YouTube-DL aufbauen, um nachrichtlich relevante Videos zu archivieren, bevor sie von Regierungen, Strafverfolgungsbehörden oder per DMCA-Unterlassungserklärung gelöscht werden. Darauf weist auch die Freedom of the Press Foundation in einer Veröffentlichung zum Vorgehen der RIAA hin. Die Software habe sich "einen festen Platz im Werkzeugkasten vieler Reporter, Newsroom-Entwickler und Archiv-Mitarbeiter gesichert", heißt es dort. Auch der Autor dieser Meldung hätte für heise online über mehrere Dutzend Sicherheitslücken und eine Hand voll andere Themen nicht berichten können, wenn er am Anfang der Recherche Material von Primärquellen nicht mit Youtube-DL hätte sichern können, das bei Veröffentlichung der Meldung bereits wieder gelöscht war.

Natürlich wird Youtube-DL aber auch für weniger gesellschaftlich anerkannte Copyright-Verletzungen eingesetzt. Oft handelt es sich dabei aber um Privatpersonen, die Inhalte für die eigene Nutzung herunterladen und nicht weitergeben – eine Art der Copyright-Verletzung, die so gut wie in keinem Land der Welt ernste rechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Und genau diese Privatnutzer machen nun ihrem Unmut Luft, in dem sie die Software in alle möglichen GitHub-Repos hochladen. Mittlerweile gibt es hunderte solcher alternativer Repos.

Die RIAA scheint sich mit der publikumswirksamen Löschung der Open-Source-Software ein fettes Eigentor geschossen zu haben, denn Youtube-DL ist jetzt bekannter als je zuvor. Ein klassisches Beispiel des Streisand-Effekts.

Das geht soweit, dass die umstrittene Software sogar in ein offizielles Repo von GitHub selbst hochgeladen wurde. Das Ganze ist augenscheinlich über eine Sicherheitslücke passiert, die es Angreifern erlaubt, eigenen Code in Fremde GitHub-Repos zu laden, ohne dafür eigentlich erforderliche Rechte zu besitzen. Das berichtet der Sicherheitsforscher, der die Lücke entdeckte hatte. Demnach hatte GitHub die Lücke bis dato nicht als wichtig genug erachtet, um sie zu schließen.

(fab)