ZDF gibt Bildungsinhalte nicht nur für Schulen und Wikipedia frei

Das Zweite stellt erstmals zahlreiche Medien und Animationen unter freier Lizenz online. Die Inhalte können so von jedem genutzt und weiterverbreitet werden.

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(Bild: Lukassek/Shutterstock.com)

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Das ZDF öffnet sich als erster mit Rundfunkgebühren finanzierter Sender für die Kampagne "Öffentliches Geld – Öffentliches Gut!". Das Zweite hat dazu 50 Beiträge seiner Hauptredaktion Geschichte und Wissenschaft als offene Bildungsressource unter einer Creative-Commons-Lizenz freigegeben. Sie können so ohne rechtliche Bedenken etwa von Lehrern für den Unterricht im Klassenraum oder per Videoübertragung sowie von Plattformen wie der Wikipedia genutzt werden.

Bedingung bei der gewählten "Share alike"-Lizenz mit Namensnennung ist dafür nur, dass die Urheber, also etwa das ZDF, Terra X oder beteiligte Filmemacher genannt werden. Zugleich sind die Inhalte auch beim Einbinden etwa in eigene Beiträge von Nutzern nach den allgemeinen urheberrechtlichen Bestimmungen davor geschützt, dass sie entstellt oder verfälscht werden.

Der Deutsche Bibliotheksverband, der Wikipedia-Trägerverein Wikimedia und das Bündnis Freie Bildung haben ARD und ZDF erst im März aufgefordert, mehr Inhalte mit Bildungsbezug dauerhaft und möglichst unter freier Lizenz online zur Verfügung zu stellen. Sie beklagten, dass die Sender trotz eindeutigem Bildungsauftrag und öffentlicher Finanzierung bisher nur wenige ihrer Produktionen für Schulen oder freie Wissensplattformen freigegeben hätten.

Das Teilen von Bildern, Grafiken oder Videos zur Illustration im Unterricht sei in Deutschland meist nur innerhalb von Klassenzimmern legal, außerhalb stelle es dagegen oft eine Urheberrechtsverletzung dar, erläutert John Weitzmann, Syndikusanwalt bei Wikimedia Deutschland. Lehrern ist kaum zuzumuten, "sich in rechtlich so trübem Wasser zu bewegen". Mit der Creative-Commons-Lösung legalisierte das ZDF so quasi "guten Unterricht". Das Material könne reinen Gewissens in Lehrmaterialien eingebaut werden. Der Verein hat als zusätzliche Hilfe online einen Lizenzhinweisgenerator bereitgestellt, der die korrekte Attribution erleichtern soll.

Auch Freiwillige der Wikipedia hatten Bedarf an Bildungsinhalten des ZDF angemeldet und freuen sich nun über eine "echte Bereicherung" der Online-Enzyklopädie. Bereits im November hatte der Sender Beiträge zum Thema Klima probeweise bereitgestellt. Sie wurden in der Wikipedia seitdem täglich über 5000 mal abgerufen, das Video zu den "wichtigsten Klimafaktoren" sogar insgesamt über 60.000 mal. Die Community der Wikipedia-Autoren entscheidet von Fall zu Fall für jeweilige Sprachversionen, ob und in welchen Artikeln einschlägige Videos und Grafiken ergänzt werden.

Die Wikimedia-Aktivisten hoffen nun, dass auch die ARD bald die Kampagne unterstützt. Sie werben zudem dafür, dass die Öffentlich-Rechtlichen künftig zudem "komplette Sendungen mit Bildungsrelevanz" dauerhaft online zur Verfügung stellen. Die ZDF-Fernsehratsvorsitzende habe dazu vor Kurzem die erforderlichen Beschlüsse beim Zweiten in Aussicht gestellt, mit denen das Telemedienkonzept des Senders geändert werden soll.

(axk)