ZDF zu Streaming: "Bei Netflix kommt doch immer nur mehr vom Gleichen"

Bewegtbilder werden immer noch häufig klassisch linear genutzt, betonte ein ZDF-Vertreter auf der Fiberweek.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 259 Beiträge

(Bild: REDPIXEL.PL/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Streaming-Plattformen haben die Welt der bewegten Bilder unübersichtlicher gemacht, doch noch dominiert das lineare Fernsehen. Das meinte Robert Amlung, Leiter Digitale Strategie beim ZDF am Mittwoch auf der virtuellen Fiberweek. "Die neuen Player" wie Netflix und Amazon seien als direkte Konkurrenten um das Geld und die Zeit der Zuschauer "sehr stark", aber auch "die klassischen Fernsehnutzungszahlen noch verdammt hoch".

heise online daily Newsletter

Keine News verpassen! Mit unserem täglichen Newsletter erhalten Sie jeden Morgen alle Nachrichten von heise online der vergangenen 24 Stunden.

Inhaltlich sieht Amlung die großen Streaming-Portale weniger als große Herausforderung: "Bei Netflix merkt man, dass bei allem Geld, das da reinfließt, doch immer mehr vom Gleichen kommt." Irgendwann seien die großen Geschichten eben erzählt.

Angesichts der im Internet greifenden Netzwerkeffekte werde es dort eine "große Vielfalt von Anbietern eher nicht geben", meint Amlung. Die Politik tue daher gut daran, "die Überlebensfähigkeit von kleineren Sprachen und Kulturen in Europa" im Senderbereich zu sichern. Alte Produktionen aus dem Archiv zu holen funktioniere nur begrenzt: "Die Zeiten haben sich geändert."

Die Hauptnutzung liege noch im linearen Fernsehen und auf dem "Big Screen", bestätigte Cornelius Schauer, Ressortleiter Plattformgeschäft der Mediengruppe RTL. Gegen zeitversetztes Fernsehen habe sich der Privatsender lange gesträubt, um das Geschäftsmodell Werbung zu schützen. Events, Live-Formate und Sportsendungen würden wichtiger für diesen Bereich, der "noch unser Kerngeschäft ist". Daneben setze RTL aber mittlerweile auch auf den eigenen Streamingdienst TVNow, mit dem der Sender "insgesamt sehr zufrieden" sei.

Bei der "Aggregationsplattform" Joyn von ProSiebenSat.1 und Discovery, die im Unterschied zum Streaming-Angebot von RTL auch Inhalte von Dritten aufnimmt, sei immerhin "die Hälfte der Nutzung noch live", erklärte deren Leiterin des Bereichs Partnerschaften und Geschäftsentwicklung, Constanze Gilles. Dies habe sich anderthalb Jahre nach dem Start nicht groß geändert. Unter den Jüngeren würden zwar "andere Tendenzen" beobachtet. Häppchenkonsumenten versuche ihr Sender aber über "Influencer-Formate" wie Kooperationen mit YouTubern wieder zu sich zu ziehen, schilderte Gilles.

"Wir sind schon in der Welt des non-linearen Fernsehens", meinte dagegen Jörg Richartz, in der Deutschen Telekom zuständig für Geschäftsentwicklung und Strategie. Kern der hauseigenen Plattform MagentaTV sei es, die Welten zusammenzubringen und "alle Geschäftsmodelle unserer Partner" zu unterstützen. Auch beim IP-basierten Fernsehen gebe es aber "noch viele TV-Zentriker". Da auch "sehr viel Bewegtbild auf mobilen Endgeräten geschaut wird", würden für den Konzern konvergente Szenarien immer wichtiger, in denen Nutzer direkt vom Smartphone auf den Fernseher wechseln könnten. Inhalte sollten daher auf allen Bildschirmgrößen funktionieren, wofür vor allem adaptive Techniken nötig seien.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass über Facebook, Instagram und YouTube die Sehgewohnheiten prägenden Kurzformate nicht bald die Unterhaltung auf den Bildschirmen dominieren werden. "Wir teilen nicht die Idee, dass im Internet nur 'Snackable' funktioniert", unterstrich Amlung. Auch jüngere Nutzer schätzten teils Hintergrund und Tiefe.

Mit dem TV-Koch Steffen Henssler habe RTL laut Schauer zwar schon mal "Schnellrezepte gemacht". Sein Sender konzentriere sich aber auf die klassischen Längen für Serien und Filme. Das Produkt Video werde – anders als das Geschäft mit gedruckten Zeitungen – auch nicht "durch etwas anderes abgelöst", langfristige Trends seien daher nachjustierbar.

"Lagerfeuerformate" und sogar alte Serien liefen gut, ergänzte Gilles Joyn-Erfahrungswerte. Auch Richartz konnte "keine Abneigung gegen längere Formate festzustellen". Im Entertainmentmodus wolle sich kaum jemand "alle fünf Minuten was Neues heraussuchen". Zudem gebe es ein Problem, jenseits sozialer Medien "das passende Geschäftsmodell für kurzformatigen Content zu finden".

(anw)