Zeitarbeiter für iPhones: Apple duldete angeblich Arbeitsrechtsverstöße in China

Um iPhones geheim zu halten, setzte Apple für die Fertigung massiv auf Zeitarbeiter und ignorierte einem Bericht zufolge die Verletzung von Arbeitsrecht.

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Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook lässt sich die Produktion bei Foxconn zeigen.

(Bild: dpa, Bowen Liu/Apple)

Von
  • Leo Becker

Apple nahm Arbeitsrechtsverstöße durch Zulieferer angeblich bewusst hin: Der iPhone-Konzern habe über Jahre "ein Auge zugedrückt", wenn Auftragsfertiger den Anteil der Zeitarbeiter für die iPhone-Produktion erheblich erhöhten und dabei gegen chinesisches Arbeitsrecht verstießen, wie The Information unter Berufung auf vier ehemalige Apple-Mitarbeiter berichtet, die mit der Kontrolle der Zulieferer betraut gewesen sein sollen.

Ein chinesisches Gesetz begrenzt den Anteil von Zeitarbeitern auf maximal 10 Prozent der Angestellten: Apple habe schon bei der Einführung der Vorgabe im Jahr 2014 bemerkt, dass fast die Hälfte der eigenen Zulieferer in China einen höheren Anteil an Zeitarbeitern als Arbeitskräfte einsetzt, in einigen Werken habe der Anteil bei über 50 Prozent gelegen. Der Konzern habe die Zulieferer zwar dazu aufgerufen, den Anteil bis Anfang 2016 – seitdem greift die neue 10-Prozent-Vorgabe – zu reduzieren, doch sei eine Umsetzung nicht immer erfolgt.

Die Verstöße habe der Konzern dann über Jahre hingenommen, ohne größere Schritte gegen die Zulieferer einzuleiten – um seine Produkteinführungen nicht zu gefährden und für keine zusätzlichen Kosten zu sorgen, schreibt The Information. Als Hauptgrund verweist der Bericht auf Apples strikte Geheimhaltungstaktik: Um neue iPhones möglichst lange geheim zu halten, liege die Produktion möglichst nah an der geplanten Produkteinführung und erfordere so vorübergehend eine erhebliche Zahl an zusätzlichen Arbeitskräften, um das Pensum zu stemmen.

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"Unser Überrasche- und Erfreue-Geschäftsmodell setzt beim Hochfahren der Produktfertigung eine große Menge an Arbeitskräften für eine kurze Zeit voraus", das mache es für Zulieferer sehr schwer, die 10-Prozent-Vorgabe einzuhalten, zitiert der Bericht aus einer internen Apple-Präsentation im Jahr 2015.

Nachdem auch im vergangenen Jahr ein entsprechender Verstoß im iPhone-Werk des Auftragsfertigers Foxconn bekannt wurde, betonte Apple, man habe "sofort korrigierende Schritte" eingeleitet. Nach Angabe einer Nichtregierungsorganisation lag der Anteil der Zeitarbeiter auch schon bei der iPhone-Produktion 2018 weit über dem vorgeschriebenen Anteil – die chinesische Regierung ahnde solche Verstöße aber gewöhnlich auch nicht. In einer Stellungnahme gegenüber The Informationen betonte Apple, dass Werke "gelegentlich" Zeitarbeiter einsetzen – man überwache dies genau, und gehe gegen Verstöße vor.

(lbe)