Zensus 2022: Sonntag ist Stichtag

An diesem Sonntag beginnt die Volkszählung – möglichst online, um einen Papierberg einzusparen. Doch es gibt auch Kritik an intransparenter Datenübermittlung.

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(Bild: estherpoon/Shutterstock.com)

Von
  • Detlef Borchers

Dieser Sonntag – 15. Mai – ist der Stichtag für die Volkszählung, Zensus 2022 genannt. Wer vergesslich ist, sollte sich aufschreiben, mit welchen Personen man in einem Haushalt wohnt. Ab morgen schwärmen rund 100.000 Erhebungsbeauftragte aus, die genau das in einer großen Stichprobe abfragen. Sie umfasst 10,2 Millionen aller Haushalte. Anzugeben sind alle Personen, ausgenommen Schutzsuchende aus der Ukraine, die weniger als drei Monate in einem Haushalt gelebt haben. Neben der Haushaltsbefragung gibt es die Befragung aller Wohnungs- und Gebäudeeigentümer. Sie umfasst rund 23 Millionen Datensätze und erfolgt per Briefpost, auf die möglichst online geantwortet werden soll: Die Statistiker wollen bei der "neuen Datenbasis für Deutschland" einen Papierberg von der Höhe des Mount Everest einsparen.

Der Zensus 2022 soll anderthalb Milliarden Euro kosten und auf dem ersten Zensus von 2011 aufbauen. Er ist eine Kombination der Daten aus Verwaltungs- und Melderegistern mit einer großen Stichprobe und einer Gebäude- und Wohnungszählung. Die Kosten für den Zensus teilen sich Bund und Länder. Ursprünglich sollte die Befragung im Jahr 2021 stattfinden, doch wurde sie coronabedingt auf 2022 verschoben. Der nächste Zensus soll regulär im Jahr 2031 erfolgen und ist als reiner Registerzensus der Datenbanken geplant.

Die Stichprobe des Zensus 2022 besteht aus einer Kurzbefragung der Haushalte, an die sich eine längere Haushaltsbefragung mit Fragen zur Demografie, Bildung und Erwerbstätigkeit anschließt. Wer online antwortet, sollte die Befragung in zehn bis 15 Minuten abgeschlossen haben, weil manche Fragen automatisch übersprungen werden. Über die Fragen klärt ein sachliches Factsheet (PDF-Datei) auf. Für den Zensus 2011 hatten die Statistiker noch mit einer Weihnachtsgeschichte geworben.

Kritiker des Zensus 2022 bemängeln die Intransparenz bei der Übermittlung der Daten. Zwar gebe es eine Zweckbindung der Daten, sie nur für statistische Zwecke zu nutzen, doch fehle eine Informationspflicht und eine Kontrolle durch die Länderparlamente. Jedoch gibt es keine Datenschutzbedenken wie bei der letzten kompletten Volkszählung vor nunmehr 35 Jahren.

(tiw)