Zu stark eingestaubt: NASA-Marssonde Insight hat bald keinen Strom mehr

Seit mehr als drei Jahren steht Insight auf dem Mars und registriert vor allem Marsbeben. Wenn kein Wunder geschieht, naht nun aber das Ende der Mission.

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Die von Marsstaub bedeckten Sonnenkollektoren

(Bild: NASA/JPL-Caltech)

Von
  • Martin Holland

Für den Mars-Lander Insight naht das Ende – weil seine Sonnenkollektoren von Staub bedeckt sind, wird ihm bald die Energie ausgehen. Wie die NASA jetzt mitteilte, geht man dort davon aus, dass Insight im Sommer aufhören wird, wissenschaftliche Daten zu sammeln. Bis Dezember werde der Lander komplett die Arbeit einstellen müssen.

Dann werde eine überaus erfolgreiche Mission enden, die Daten zu über 1300 Beben auf dem Roten Planeten gesammelt hat, darunter erst vor wenigen Tagen ein "Monsterbeben" der Magnitude 5, erklärte die NASA. Dank des Landers war der innere Aufbau des Mars rekonstruiert worden. Größter Wermutstropfen wird das in Deutschland gebaute Bohrinstrument HP³ bleiben, das einfach nicht in den Boden kam.

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Anfangs hätten die Solarpaneele der Sonde jeden Tag etwa 5000 Wattstunden Strom produziert, erläutert die NASA. Inzwischen seien es aber nur noch 500 Wattstunden. Weil in den kommenden Monaten wieder mehr Staub erwartet werde, bräuchte es einen kleinen starken Sturm – eine sogenannte Kleintrombe oder Staubteufel ("Dust devils") –, um die Sonnenkollektoren zu säubern. Man gebe die Hoffnung darauf nicht auf, aber plane jetzt für den Fall der Fälle und konzentriere sich nun auf das Seismometer. Das soll den meisten Strom erhalten, die restlichen Instrumente sollen ab Juni nur noch selten eingeschaltet werden.

(Quelle: NASA/JPL-Caltech)

Noch im Mai soll wegen des Strommangels der Roboterarm von Insight in seine finale Ruheposition gebracht werden. Der war eigentlich dazu gedacht, das Seismometer auf den Marsboden zu stellen und den Bohrer abzulegen. Dann wurde er aber auch dazu genutzt, den störenden Marsstaub zu entfernen. Dabei hatte das Team eine auf den ersten Blick kontraproduktive Methode gewählt: Mit der Schaufel an dem Roboterarm hatte Insight Sand von der Oberfläche neben die Paneele geschaufelt. Teile davon waren dann vom Wind über die Paneele geweht worden und hatten Staub von dort mitgerissen. Außerdem hatte es Versuche gegeben, mit dem Roboterarm das Bohrinstrument in den Boden zu drücken. Das hatte aber nicht funktioniert.

Insight hatte erst am 4. Mai sein bisher stärkstes Marsbeben beobachtet, die NASA gibt die Magnitude mit 5 an. Auf der Erde wäre das ein mittelschweres Beben, erläutert die US-Weltraumagentur. Auf dem Mars liege das aber nahe der größtmöglichen Stärke, die die Forscher und Forscherinnen für möglich halten. Um weitere Details zu dem Beben herauszufinden, sollen die Daten genau analysiert werden. Die bislang heftigsten Marsbeben waren im August und September des vergangenen Jahres beobachtet worden. Sie kamen auf eine Magnitude von 4,2.

Aufnahme Insights aus dem Orbit des Mars.

(Bild: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona)

Insight steht seit Ende November 2018 auf in der Ebene Elysium Planitia auf dem Mars. Mit einem empfindlichen Seismometer misst die Sonde Wellen, die bei Beben unter der Oberfläche entstehen. Vor allem aus deren Echos können sie dann auf die Strukturen schließen, an denen diese reflektiert wurden. Anders als auf der Erde werden Marsbeben nicht durch Prozesse der Plattentektonik ausgelöst, denn die gibt es auf dem Roten Planeten nicht. Stattdessen entstehen die Beben in der Kruste des "One-Plate-Planets" durch Belastungen des Gesteins, ausgelöst durch das langsame Schrumpfen des abkühlenden Planeten. Das Bohrinstrument HP³ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sollte außerdem den Untergrund viel genauer untersuchen, aber das Instrument konnte nicht in den Boden eindringen.

(mho)