Musk legt Twitter-Übernahme angeblich auf Eis – Zweifel über Ausmaß von Spam

Elon Musk hat in einem Tweet erklärt, der Kauf Twitters liege auf Eis. Der Aktienkurs des Kurznachrichtendienstes stürzte vorbörslich ab.

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(Bild: Shutterstock)

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Von
  • Martin Holland

Die geplante Twitter-Übernahme liegt laut Elon Musk vorübergehend auf Eis. Der US-Milliardär twitterte am Freitag, dass seine Seite auf Einzelheiten zur Berechnung von Twitter wartet, denen zufolge Spam- und Fake-Accounts auf der Plattform tatsächlich weniger als 5 Prozent der Nutzerschaft ausmachen. Nach dem Tweet stürzte der Aktienkurs von Twitter vorbörslich um mehr als 20 Prozent ab, erholte sich danach aber leicht. Im Gegenzug stieg der Aktienkurs des Elektroautobauers Tesla vorbörslich deutlich an. Abgesehen von dem Tweet gibt es bislang noch keine weiteren Informationen dazu, was die Unterbrechung tatsächlich bedeutet.

Dass es bei Twitter Fake-Accounts gibt, dürfte keine Überraschung für Musk gewesen sein. Denn er hatte als eines seiner Ziele für den Twitter-Kauf erklärt, er wolle Profile, die etwa zum Versenden von Spam-Nachrichten eingesetzt werden, von der Plattform verbannen. Ob Musk den Vorwurf, Twitter habe ungenaue Angaben zur Zahl der gefälschten Accounts gemacht, für einen Ausstieg aus dem Deal oder eine Absenkung seines Gebots nutzen könnte, ist unklar. Schließlich hatte er auf eine übliche Prüfung der Twitter-Bücher vor der Vereinbarung verzichtet.

Seitdem Musk sein Vorhaben öffentlich gemacht, Twitter kaufen und von der Börse nehmen zu wollen, versichert er immer wieder, seinen Fokus auf Spam richten zu wollen. Ende April twitterte er beispielsweise, "wenn unser Twitter-Angebot klappt, werden wir Spam-Bots besiegen oder beim Versuch sterben". Später ergänzte er, dass gleichzeitig alle Menschen auf der Plattform authentifiziert werden sollen. Unter seiner Ankündigung, dass der Deal jetzt vorerst auf Eis liegt, verlinkte er einen Medienbericht, demzufolge Twitter selbst davon ausgeht, dass weniger fünf Prozent aller Accounts auf der Plattform als Spam oder Bots eingeordnet würden. Sollten es mehr sein, könnte Musk Abstand von dem Übernahmeversuch nehmen, deutet sein Tweet jetzt an.

Dass die komplexen Verhandlungen über solch eine Übernahme pausieren, wenn auf zentrale Daten gewartet wird, ist nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist, dass eine Verhandlungsseite das so öffentlich macht, wie Musk es jetzt getan hat. Die Zahl der Accounts, bei der es sich nicht um Fake-Konten oder Spam handelt, ist grundlegend für die wichtige Kenngröße "Umsatz pro User" ("Average Revenue Per User (ARPU)"). Dass Musk zugetraut wird, sich von dem Übernahmeversuch zurückzuziehen, zeigt die Reaktion an den Aktienmärkten.

Elon Musk ist als Chef des Elektroautokonzerns Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX aktuell der reichste Mann der Welt. Im März hatte er so viele Twitter-Aktien gekauft, dass er zum größten Anteilseigner der Plattform geworden war. Danach hatte es geheißen, dass er in den Verwaltungsrat einziehen wolle, das hätte ihm aber wohl nicht den gewünschten Einfluss zugesichert. Stattdessen kündigte er dann an, alle Aktien kaufen zu wollen. Nachdem Twitters Führung zuerst Widerstand angekündigt hatte, stimmten sie später zu. Musk hat das Geld für die Übernahme zusammen, auch bisher war aber nicht sicher, dass die auch klappt. Trotzdem äußert sich der fleißige Twitternutzer seitdem regelmäßig zu seinen Plänen für die Plattform.

In den vergangenen Tagen hatten sich bereits andere Probleme für den Deal abgezeichnet. Musk wollte ursprünglich für rund zwölf Milliarden Dollar des Kaufpreises Kredite aufnehmen, die mit seinen Tesla-Aktie besichert wären. Aber nachdem der Kurs der Tesla-Aktie von zuvor rund 1000 Dollar auf zuletzt nur noch 728 Dollar abgesackt war, wurde dieser Plan zunehmend ungünstig für ihn. Der Finanzdienst Bloomberg berichtete am Donnerstag, Musk suche nach anderen Finanzierungswegen anstelle des mit Aktien besicherten Kredits.

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(mho)