Sicherheitssoftware: Investor verkauft Avira an NortonLifeLock

Lohnendes Geschäft: Investcorp reicht den erst im Frühjahr erworbenen deutschen Sicherheitssoftwarehersteller Avira an NortonLifeLock (Ex-Symantec) weiter.

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(Bild: Sonny Abesamis / Wikimedia Commons / CC BY 2.0 (Bildausschnitt))

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  • Olivia von Westernhagen

Der deutsche Sicherheitssoftware-Anbieter Avira wechselt bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr den Besitzer. Die seit Ende 2019 unter dem Namen "NortonLifeLock" operierende Symantec Corporation hat die Übernahme des Wettbewerbers für rund 360 Millionen US-Dollar bekannt gegeben.

NortonLifeLock erhoffe sich von Aviras "starker Präsenz im europäischen Markt" eine schnellere internationale Expansion in Schlüsselmärkten, teilte das Unternehmen mit. Zugleich erweitere Aviras Freemium-Geschäftsmodell mit mehr als 30 Millionen aktiven Endgeräten das Produktportfolio des US-Anbieters. Dabei geht es offenbar um kostenlosen Virenschutz Avira Free Security mit Upgrade-Option. Zur erhofften Umsatzsteigerung und "finanziellen Aufwertung" durch die Übernahme sollen aber auch die 1,5 Millionen zahlenden Avira-Bestandskunden beitragen.

Das Geschäft steht unter Vorbehalt der behördlichen Zustimmung; NortonLifeLock rechnet mit einem Abschluss voraussichtlich im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2021, das Anfang April endet. Nach Abschluss der Übernahme sollen Avira-CEO Travis Witteveen und CTO Matthias Ollig Teil der NortonLifeLock-Führungsriege werden.

Avira wechselte dieses Jahr schon einmal den Besitzer: Das Tettnanger Unternehmen war im April 2020 mehrheitlich durch den in Bahrain ansässigen Investor "Investcorp Technology Partners IV" übernommen worden. Laut Avira hatte es sich dabei um die erste institutionelle Investition in das Unternehmen seit der Firmengründung 1986 gehandelt.

Bemerkenswert ist, dass die Geschäftsführer von Investcorp und Avira den Wert des Sicherheitssoftwareherstellers damals übereinstimmend mit 180 Millionen US-Dollar bewerteten – und dass NortonLifeLock nun offenbar zur Zahlung des doppelten Betrags für die neuerliche Übernahme bereit ist. Möglicherweise erhofft sich NortonLifeLock, dessen bestehendes Geschäftsfeld schon auf IT-Sicherheitslösungen fokussiert ist, von der Erweiterung seines vorhandenen Portfolios um die Avira-Produkte deutlich mehr Nutzen beziehungsweise Profit als die Firma Investcorp, die sich branchenübergreifend Anteile an Unternehmen weltweit sichert.

Viele Softwarehersteller, die sich früher in erster Linie auf die Entwicklung klassischer Antiviren-Software konzentriert haben, sehen sich seit geraumer Zeit mit einem starken Marktwandel konfrontiert. Für viele besteht die Notwendigkeit, sich mit neuen Produkten, Geschäftsfeldern- und -modellen neu am Markt zu positionieren.

Avira hatte seine Vertriebspartner erst vor rund einem Monat überraschend per Mail über die vorzeitige Einstellung seiner Business-Sicherheitsprodukte informiert: Lizenzen, die eigentlich erst im Laufe des Jahres 2022 ablaufen sollten, verfallen demnach zum 1. Januar 2022. Man wolle sich künftig voll auf Endkunden- und OEM-Lösungen konzentrieren, hatte das Unternehmen gegenüber heise Security mitgeteilt, dabei jedoch bestritten, das diese Entscheidung mit dem "geschäftlichen Verhältnis zu Investcorp" zu tun habe.

Ob zu diesem Zeitpunkt bereits Verhandlungen mit NortonLifeLock liefen, ist unbekannt. Eine auffallende Parallele ist aber, dass die Symantec Corporation im August 2019, bevor sie zu NortonLifeLock wurde, ihre Business-Sparte (und die Rechte am Markennamen Symantec) an Broadcom verkaufte. Unter dem Namen Norton und nun NortonLifeLock konzentriert sich die Symantec Corporation seither auf das Privatkunden-Geschäft – die Neuausrichtung der Avira-Produkte auf eben diese Zielgruppe ist somit mindestens ein glücklicher Zufall. (ovw)