c't 3003: Android 12 im Test

Android 12 steht vor der Tür, mit runderneuertem Design, Privatsphäre-Dashboard und Gewobbel. c't 3003 hat das das Betriebssystem mehrere Wochen lang getestet.

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Von
  • Jan-Keno Janssen

Die neue Android-Version steht in den Startlöchern: Android 12 alias Snow Cone bringt die größte grafische Umgestaltung seit Android 5 Lollipop mit. Grund genug fürs c't-3003-Team, sich den Release Candidate einmal genauer anzusehen.


Transkript des Videos:

Für dieses Video habe ich Android 12 mehrere Wochen lang auf meinem Alltags-Smartphone ausprobiert und zeige euch, was es schönes (und schlechtes) Neues gibt und wie Android 12 so läuft.

Liebe Hackerinnen, liebe Internetsurfer, herzlich Willkommen bei c't 3003:

Die neueste Android-Version 12 oder auch liebevoll Snow Cone genannt, ist entweder schon offiziell veröffentlicht, wenn ihr dieses Video seht – oder kommt in wenigen Wochen. Alle Android-Smartphones kriegen das Update angeboten...

...hihihi, natürlich nicht, kleiner Scherz, wir sind hier ja nicht bei Apple. Wenn ihr GLÜCK habt und ein einigermaßen aktuelles Gerät habt, bekommt ihr irgendwann Android 12, womöglich aber auch erst im nächsten Jahr. Wenn ihr Pech habt, kriegt ihr's gar nicht. Die einzigen Geräte, die garantiert jetzt beziehungsweise in den nächsten Wochen das Update bekommen, sind Googles eigene Pixel-Smartphones. Ab dem Pixel 3 unterstützt Google Android 12. Das Pixel 2 bekommt übrigens schon keine Updates mehr, obwohl das erst vier Jahre alt ist.

Ich habe mehrere Wochen lang die letzten Betas auf meinem Alltags-Pixel 4a getestet. In den letzten zwei Wochen die allerletzte Version vor der Veröffentlichung, die von Google als Release-Candidate bezeichnete Beta 5. Das ist auch die Version, die ihr hier im Video seht.

Das Allerwichtigste zuerst: Android 12 hat einen komplett neue grafische Gestaltung, so ein heftiges Redesign gab es das letzte Mal 2014 bei Android 5 Lollipop, da hieß das Ganze Material Desgin. Wenn ihr das Update von Android 10 auf 11 vielleicht gar nicht so richtig mitbekommen habt, merkt man den Wechsel auf 12 DEFINITIV. Am Auffälligsten: Alles ist größer geworden (Kopf wird größer).

Zum Vergleich habe ich hier mal ein Pixel 5 mit Android 11 neben mein Pixel 4a mit Android 12 gelegt. Android 11 ist rechts; und schon beim Lock-Screen sieht man sofort: Alles riesig bei Android 12. Der Desktop-Screen sieht dagegen fast identisch aus. Aber sobald ich die Schnell-Einstellungsleiste herunterziehe wird sofort klar: Die Icons hier oben sind riesig; und auch die Schriftgröße ganz allgemein.

Das Designkonzept von Android 12 heißt Material You, und das "You" spielt offenbar darauf an, dass es sich an "You" also "Äh", äh, in diesem Fall also mich anpasst. Die Systemgrundfarben werden beispielsweise aus dem Hintergrundbild extrahiert. Hier haben die Schnelleinstellungs-Buttons diese Lachs-Farbe, bei diesem Hintergrund werden sie grün. Nehme ich das c't-3003-Design, werden die Buttons hübsch rosa. Toll, ne? Es gibt auch obendrein eine noch als Beta bezeichnete "Symboldesign"-Funktion, mit der viele App-Icons durch schlichtere ersetzt werden, und zwar in dem aus dem Hintergrund extrahierten Farbschema.

Auch neu: App-Splash-Screens – bisschen unnütz, aber naja: Startet man eine App, sieht man für ganz kurz statt eines schwarzen Bildschirms einen Lade-Bildschirm. Hmm, ja, ok.

Der Dark-Mode ist übrigens voreingestellt, weil den offenbar alle Leute (ich auch) lieber mögen. Hier mal nur zur Vollständigkeit: So sieht's im hellen Modus aus. Aaah, au meine Augen.

So, aber jetzt angeschnallt, jetzt kommt das allerallerwichtigste Feature: Nämlich der Overscroll-Effekt, in Fachkreisen auch als Gewabbel bezeichnet. Scrollt man irgendwas und man kommt ans Ende des Scrolls, zieht sich das Ganze so, als sei es aus Gummi. Erfunden hat's Apple und die halten da auch ein Patent drauf, was laut meinen Recherchen auch noch nicht ausgelaufen ist – aber vielleicht hat man sich da im Silicon Valley irgendwie geeinigt? So beim Barbecue unter Kollegen oder so – schließlich sind die Hauptquartiere von Apple und Google in lockerer Fahrraddistanz gelegen, vielleicht trifft man sich da mal und sagt: Ey, dürfen wir euer Gewabbel vielleicht auch benutzen? Ja klar, aber vielleicht könnt ihr uns 'nen Tipp geben, wie man USB-C in Handys einbaut!

Ein weiteres echt sinnvolles Feature von Android 12 ist eine virtuelle Kamera- und Mikrofon-LED. Immer wenn eine App auf Kamera oder Mikrofon zugreift, kriegt ihr das oben rechts angezeigt. Und: Ihr könnt Kamera und Mikrofon auch Global über die Schnelleinstellungen ausschalten. Natürlich ist nicht garantiert, dass irgendeine Malware das umgeht; aber zumindest peinliches Eingeschaltet-Lassen der Kamera bei Videokonferenzen sollte damit ausgeschlossen sein. Insgesamt versucht Google als besonders Privatsphäre-sensibel rüberzukommen. Eine weitere neue, supersinnvolle Funktion: Man bekommt eine Nachricht angezeigt, wenn eine App unerwartet die Zwischenablage ausliest -- also wenn ich mal wieder unvernünftigerweise ein Passwort kurz mal copy-pasten wollte. Außerdem neu: das Privatsphäre-Dashboard. Hier könnt ihr genau sehen, welche Apps in den letzten 24 Stunden auf Standort, Kamera und Mikrofon sowie andere Daten zugegriffen haben. Ein bisschen gruselig hier bei mir: Ich nutze Google Fit, und das trackt meinen Standort schon sehr, sehr häufig. Ok, aber zumindest geht Google offen damit um, das machen andere Firmen, die meine Daten verkaufen, schlechter.

Ebenfalls creepy ist der Now-Playing-Verlauf. Now Playing erkennt automatisch Musik, die in der Umgebung läuft. Das ist keine neue Android-12-Funktion, sondern die gibts schon länger, dennoch interssant, wie oft das Smartphone irgendwelche Musik identifiziert. Das ist übrigens zu 90% Zeug, was ich nicht selbst abgespielt habe, sondern was irgendwo im Supermarkt oder so rumdudelte.

Aprops Daten verkaufen – und das ist jetzt kein Diss, ich benutze selbst privat Android, aber ich finde das gehört in ein Video über ein Google-Betriebssystem: Google bekommt den Großteil ihrer Einnahmen nicht von der Nutzerschaft, sondern von Werbekunden. Denen verkauft sie personalisierte Werbung und dafür muss Google möglichst viele Daten der Android-Nutzer*innen sammeln, damit die Werbung gezielter ausgespielt werden kann. Apple hat sicherlich viele andere Nachteile, aber die bekommen den Großteil ihrer Einnahmen eben nicht von Werbekunden, sondern direkt von denen, die ihre Geräte nutzen.

Wo wir gerade bei negativen Sachen sind: Mir gefällt nicht so gut, dass es in den Schnelleinstellungen jetzt nur noch einen Button für "Internet" gibt, nicht mehr für WLAN und Mobiles Internet einzeln – ich habe das nämlich häufig, dass ich zum Beispiel außerhalb meiner Wohnung so halb in meinem WLAN hänge, aber da nicht mehr zuverlässig Daten kommen und deshalb das Internet nicht richtig funktioniert. Da stelle ich dann kurz WLAN aus und dann geht's besser. Jetzt muss ich zweimal drücken: Erst auf Internet, dann auf WLAN. Ja, ok, ist kein großes Ding, aber ich bin ja schließlich kritischer Journalist. Ansonsten lief Android 12 bei mir trotz Beta-Status wochenlang problemlos, mir sind nur Kleinigkeiten aufgefallen: Die YouTube-Studio-App stürzte relativ regelmäßig ab, außerdem gibt es so eher ulkige Bugs wie hier in den Startbildschirm-Einstellungen: Überblick an? Funktionen an/aus? WAT? Was wollen die hier von mir?

Insgesamt finde ich Android 12 aber wirklich gelungen: Ich finde es definitiv schöner, es ist alles leichter abzulesen – und vor allem die Privatsphäre-Features wie die Kamera- und Mikrofonanzeige sind super sinnvoll. Aber gerade das Aussehen ist natürlich Geschmackssache: Wie findet ihrs? Gerne in die Kommentare schreiben. Und natürlich den Channel abonnieren, Glocke klicken und allen von c't 3003 erzählen! Bis zum nächsten Mal, tschüß!


c't 3003 ist der YouTube-Channel von c't. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t magazin. Redakteur Jan-Keno Janssen und die Video-Producer Johannes Börnsen und Şahin Erengil veröffentlichen jede Woche ein Video.

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(jkj)