c't 3003: Spiele in Excel-, PDF- und PNG-Dateien

c't 3003 hat sich Spiele angeschaut, die in Excel-, PDF- oder PNG-Dateien stecken. Ja, das geht wirklich.

Lesezeit: 7 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 15 Beiträge
Von
  • Jan-Keno Janssen

Man kann tatsächlich Spiele in Excel-Tabellen, PDF-Dokumenten und PNG-Bildern verpacken. Wie das geht und ob das wirklich Spaß macht, zeigt unser 3003-Video.


Transkript des Videos:

Hier guckt mal, was in diesem Ordner ist:

- Eine Excel-Tabelle

- Ein PNG-Bild

- Und ein PDF-Dokument

Ihr denkt jetzt wahrscheinlich boring – ist das hier jetzt ne Office-3003-Folge oder was?

Aber was ist, wenn ich euch erzähle, dass das alles drei SPIELE sind, und zwar sogar ziemlich gute? Bleibt dran.

SPIEL IN EINER EXCEL-TABELLE

Excel, ein Programm, das ein paar Leute doll lieben und sehr viele Leute doll hassen, weil es einfach sehr oft sehr dumme Sachen macht. Wer schonmal versucht hat, zum Beispiel Versionsnummer in eine Tabelle einzutragen, weiß wahrscheinlich, wovon ich spreche. EY EXCEL, DAS IST KEIN FUCKING DATUM!

Jedenfalls kann man in Excel nicht nur Formeln frickeln, sondern man kann auch Spielen. Dafür muss man allerdings die sogenannten VBA-Makros aktivieren, das ist "Visual Basic for Applications" und damit kann man dolle Sachen machen, aber leider auch böse. Deshalb sind Makros standardmäßig ausgeschaltet. Das sollte euch bewusst sein, bevor ihr Excel-Spiele ausprobiert – am besten vielleicht gar nicht erst machen, wenn ihr dringend wollt, dann zumindest vorher die Exceldatei auf www.virustotal.com schmeißen, das erkennt nämlich auch Makroviren.

Es gibt zum Beispiel mehrere Tetris-Varianten, die direkt in der Excel-Tapete laufen. Das ist ganz lustig, aber so richtig viel Spaß machen die nicht. Das beste Excel-Spiel, was ich gefunden habe, ist Arena.XLSM, das ist ein rundenbasiertes Rollenspiel, was mich tatsächlich ziemlich lange gut unterhalten hat. Man spielt einen Lach-Emoji; und wenn man verwundet ist, wird man zum traurigen Emoji. Die Gegner sind geschweifte Klammern – Ja, gut, etwas basic, DAS IST ABER JA KEIN PROBLEM, DENN SPIELE SOLLEN JA SCHLIESSLICH DIE FANTASIE ANREGEN! Die Spielmechanik ist auf alle Fälle deep, man kann selbst Erfahrungspunkte vergeben, es gibt unterschiedliche Waffen, und ab Charakterlevel 10 kriegt man sogar Zaubersprüche. UND: Es gibt Achievements, was ziemlich lustig ist, weil die halt einfach als Exceltabelle angezeigt werden. Entwickelt wurde das Spiel, was ja irgendwie logisch ist, von einem Buchhalter, Cary Walkin.

Es gibt übrigens auch Menschen, die in Excel Spaß haben, ohne Spiele zu spielen, die können halt einfach Excel sehr gut. Microsoft versucht tatsächlich gerade Excel als E-Sport zu etablieren, kein Scherz. Vor kurzem ist das Finale des FINANCIAL MODELING WORLD CUP über die Bühne gegangen, wo man mehreren Männern dabei zusehen konnte, wie sie gegeneinander Formeln in Excel eingetragen haben, um sehr komplexe Aufgaben zu lösen. Ich sag mal: League of Legends kann einpacken.

SPIEL IN EINEM PDF

So und jetzt zu PDF. Undying Dusk heißt das, und es sieht aus wie ein ganz normales Spiel, so ein Retro-Dungeon-Crawler wie Dungeon Master? Ja, ist es auch, aber dahinter steckt tatsächlich ein ganz normales PDF-Dokument, und zwar eins mit 197.992 Seiten. Immer wenn ich etwas klicke, wird eine andere Seite aufgerufen; wenn ich zum Beispiel hier auf den Pfeil zum nach vorne laufen gehe, komme ich von Seite 14204 auf Seite 159378. Das funktioniert erstaunlich gut; es gibt sogar Musik: Die muss ich allerdings manuell per Klick anwerfen, im Hintergrund wird dann eine Webseite aufgerufen, die die Musik abspielt.

Das Ganze klappt in fast jedem PDF-Viewer, aber in den meisten dauert jeder Seitenwechsel so lange, dass das keinen Spaß mehr macht. Deshalb empfiehlt der Entwickler von Undying Dusk den sehr schnellen Open-Source-PDF-Viewer Sumatra PDF; damit klappts am besten. Das Spiel basiert übrigens auf dem Browserspiel Heroine Dusk, das in HTML5 programmiert ist. Ja und ok, das läuft eine ganze Ecke schneller – ich finde die Idee mit dem PDF trotzdem fantastisch.

Man KÖNNTE übrigens auch noch mehr aus PDFs rausholen, weil die ursprüngliche PDF-Spezifikation nämlich sogar Videos und eingebettetes Javascript erwähnt. Allerdings haben die meisten PDF-Viewer das nicht implementiert, aber kurioserweise liest der in Chrome integrierte PDF-Reader ein ganz bisschen Javascript. Öffnet man dieses Demo-PDF vom Entwickler Omar Rizwan in Chrome, kann man diesen sehr rudimentären Breakout-Klon spielen.

SPIEL IN EINEM PNG-BILD

Und jetzt mein ganz persönlicher Favorit; Spiele als PNG-Bild. Konkret geht um Pico-8, eine FANTASIE-VIDEOSPIELKONSOLE, wie es die Macher nennen. Das System imitiert die Grafik- und Soundfähigkeiten von 8-Bit-Maschinen aus den 80ern. Die mit Pico-8 gebauten Spiele dürfen maximal eine Auflösung von 128x128 Pixeln mit 16 Farben nutzen, außerdem darf ein Spiel maximal 32 KByte groß sein. Ich habe gerade mal den Text dieses Videos hier als PDF abgespeichert; die Datei ist dreimal so groß, nur mal so zum Vergleich. Das Konzept hinter Pico-8 ist Reduktion aufs Wesentliche, also aufs Gameplay; damit man beim Spielebauen nicht von den ganzen Möglichkeiten moderner Hardware erschlagen wird.

So und jetzt kommt das Tollste: Die Pico-8-Spiele könnt ihr zwar einfach im Browser spielen, zum Beispiel auf der Website des Pico-8-Entwicklers Lexaloffle. Ihr könnt aber auch einfach das Icon eines Pico-8-Spiels mit rechts anklicken und als Bild abspeichern – raus kommt eine PNG-Datei, die ihr mit einem Bildbetrachter anschauen könnt. ABER: Das PNG enthält ZUSÄTZLICH auch das Spiel selbst. WIE COOL! Und das könnt ihr zum Beispiel einfach auf einen Raspberry Pi werfen oder auf einen Retro-Emulationshandheld wie meinen Anbernic RG351MP klatschen und das Ding dort dann spielen. Die Pico-8-Community ist richtig groß und sie hat bereits hunderte, beeindruckend polierte Spiele herausgebracht. Ich kann hier auf meinem Handheld tausende kommerzielle Spiele spielen, aber ehrlich gesagt verbringe ich gerade die meiste Zeit mit kostenlosen Pico-8-Titeln. Hier mal drei richtig tolle:

Celeste Classic 1 und 2 – das sind hardcore-schwierige Plattformer, die tatsächlich vom Entwicklerteam des 2018er-Indie-Superhits Celeste gemacht wurden.

Alone in the Pico: Ein kurzes, aber wundervolles De-Make des alten Resident-Evil-Urahns Alone in the Dark.

PInballvania!: Ein surreales Geschicklichkeitsspiel, in dem man in 20 Leveln Kugeln nur durch Drehen des Spielfelds einsammelt, zwischendurch gibt es sogar Bossgegner.

Also: Wer braucht eine PS5, wenn es doch PDF, PNG und XLS gibt? Tschüss!


c't 3003 ist der YouTube-Channel von c't. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t magazin. Redakteur Jan-Keno Janssen und die Video-Producer Johannes Börnsen und Şahin Erengil veröffentlichen jede Woche ein Video.

Mehr von c't Magazin Mehr von c't Magazin

(jkj)