c't 3003: Warum ChatGPT die Welt verändern wird

Aufsätze als Hausaufgabe wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben, denn ChatGPT schreibt diese in Sekunden. Der Textgenerator kann noch ganz andere Sachen.

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Von
  • Jan-Keno Janssen

Die hartgesottenen Technik-Versteher in der c't-Redaktion sind nicht leicht zu beeindrucken, der Textgenerator ChatGPT von OpenAI hat das jetzt hinbekommen. Es ist erstaunlich, wie viele komplett unterschiedliche Aufgaben das Sprachmodell erledigen kann. c't 3003 hat viel Beeindruckendes aus ChatGPT herausgekitzelt, aber auch sehr kuriose Fehler gefunden.

(Hinweis: Es handelt sich hier um einen Bonusinhalt für Menschen, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Die Informationen auf der Bildspur gibt das Transkript nicht wieder.)

Guckt mal: Ich tippe hier einfach ein "Ich will eine Website machen, die nach Eingabe des Geburtsdatums das aktuelle Alter anzeigt. Kannst du mir den Code dafür schicken?"

Und dann schickt mir ChatGPT den Code in HTML und Javascript. Ok, das ist jetzt noch nicht so beeindruckend, weil es solche Codeschnipsel natürlich auf vielen Programmieren-Lernen-Websites gibt und das einfach copy-pasted sein kann.

Jetzt gehts aber weiter: Könntest du machen, dass das alles schöner aussieht? Also eine völlig unkonkrete Frage, ab er trotzdem kriege ich daraufhin Code ausgespuckt, der ein tatsächlich schöneres Ergebnis liefert.

Aber jetzt wirds wirklich verrückt, jetzt schreibe ich nämlich: Könntest du einen Kasten um die Geburtstagsabfrage machen und noch ein hoch und runter hüpfendes c't-3003-Logo einbauen?

Zack, neuer Code, das sieht dann so aus.

Und jetzt wird's noch verrückter, denn es stellt sich raus, dass die Website gar nicht funktioniert. Wenn ich das Ganze als HTML abspeichere und in den Browser lade, wird nie das korrekte Alter berechnet. Da steht dann immer nur "NaN".

Deshalb sage ich jetzt zu ChatGPT:

Das Alter wird nicht korrekt berechnet, bitte korrigiere deinen Code.

Ja, und das macht er dann tatsächlich; und jetzt klappt die Berechnung auf einmal.

Ich habe dann noch drum gebeten, einen animierten Sternenhimmel in den Hintergrund zu packen...

ChatGPT kann übrigens nicht nur programmieren, sondern auch Witze erzählen, Aufsätze schreiben und seltsame Dinge erfinden. Bleibt dran!

Liebe Hackerinnen, liebe Internetsurfer,
herzlich willkommen hier bei...

Am 30. November 2022 ist ChatGPT öffentlich gestartet -- und fünf Tage später meldeten die Macher bereits eine Million User -- das zeigt recht anschaulich, wie groß der Hype um ChatGPT ist. Auf Twitter sprechen Leute schon davon, dass wir es hier mit einem historischen Moment zu tun haben; auf einem Level mit der Erfindung der Elektrizität oder des tiefen Tellers. Und: Google könne ja nun dichtmachen, so gut sind die Antworten von ChatGPT. Aber stimmt das wirklich? Zuerst mal: Was ist überhaupt ChatGPT? Tja, es handelt sich dabei um ein sogenanntes "Großes Sprachmodell", also ein Large Language Model, also ein mit riesigen Textmengen trainiertes neuronales Netz. Wenn ihr detaillierter wissen wollt, wie sowas funktioniert, empfehle ich euch die c't-Uplink-Folge über GPT-3. GPT-3 kommt von der gleichen Firma wie ChatGPT und das ist OpenAI. OpenAI hat übrigens auch den Bildgenerator DALL-E entwickelt. Und finanziert wird OpenAI unter anderem von Elon Musk und Microsoft.

ChatGPT ist zurzeit offen für alle und kostenlos zu benutzen, man muss allerdings einen OpenAI-Account anlegen und da Mailadresse und Hanynummer angeben.

Während das ältere GPT-3 für Leute, die nicht coden können, noch etwas umständlich zu bedienen war, ist ChatGPT jetzt so simpel wie Google: Einfach eintippen, was man will. Und zack, Ergbnis.

Und anders als Google, spuckt ChatGPT wirklich eine konkrete Antwort aus und nicht nur Links auf andere Websites, wo man die Antwort vielleicht finden könnte.

Schaut mal hier, wenn ich Google frage, warum der Himmel blau ist, dann kriege ich zwar direkt eine hervorgehobene Antwort, die bezieht sich aber nicht konkret auf meine Frage. "Jede Farbe hat eine andere Welle" ist auch ziemlich seltsam formuliert. ChatGPT dagegen liefert mir eine konkrete Antwort -- und das tolle ist: Ich kann sogar sagen, dass ich die noch einfacher haben will. "Der Himmel erscheint blau, weil das blaue Licht vom Sonnenlicht stärker gestreut wird als die anderen Farben." Das ist doch echt eine ganz gute, einfache Antwort. Wenn mir das ZU einfach ist, bitte ich um eine detailliertere Antwort; ich kann sogar Detailfragen stellen, zum Beispiel nach den konkreten Wellenlängen, worauf ChatGPT dann kontextbezogen antwortet -- also ChatGPT merkt sich, worum es in den vorherigen Fragen ging. Und auch das kann Google nicht, da muss jede Suchanfrage für sich stehen.

Also, kann Google jetzt echt dichtmachen mit ihrer Old-School-Suchmaschine? Nee, denn ChatGPT hat ein Problem; und das sind die Fehler, die sich da immer einschleichen. Hier zum Beispiel: Da sagt, ChatGPT, heise online wird von der Heise Media Group betrieben. Es gibt aber gar keine Heise Media Group, es gibt nur die Heise Medien GmbH & Co und die Heise Gruppe GmbH & Co. Bei einer weiteren Anfrage haut ChatGPT einfach so locker raus, ich sei ein Kabarettist und Musiker, der durch seine Musik-Comedy-Shows bekannt geworden ist. Ich glaube, das weiß ich besser, ChatGPT. Und das Ding ist: Es reichen ja schon 5 Prozent Falschaussagen, um das ganze System ziemlich unbrauchbar zu machen -- denn man weiß ja dummerweise nicht, WAS falsch ist, wenn man sich mit einem Themengebiet nicht auskennt.

Bei Google gibt es natürlich auch viele Falschinformationen, aber da wird ja zumindest die Quelle angezeigt , man kann also die Wahrheitswahrscheinlichkeit einigermaßen einschätzen: Einem peer-reviewten wissenschaftlichem Paper kann man vermutlich ganz gut trauen, einem Tweet von irgendeinem Honk auf Twitter eher nicht. Tja, und ChatGPT zeigt leider eben nicht an, wo die Informationen herkommen.

Die Fehler passieren nicht nur bei Sachinformationen, sondern auch in Programmcode, am Anfang des Videos hatte ich euch ja schon den nicht funktionierenden Geburtstagsrechner gezeigt. Ich hatte sowas ähnliches schon beobachtet, als ich nach einer Website mit dem Bild eines springenden Raspi gefragt hatte. Beim ausgespuckten Code waren die CSS-Eigenschaften in einer Zeile falsch, weshalb das ganze Ding nicht funktionierte. Tja und ich habe ChatGPT dann seinen eigenen Code copy-pasted und gefragt, was daran falsch ist. Und ChatGPT hat dann tatsächlich den Fehler gefunden und korrigierten Code ausgegeben. Das ist ziemlich cool, aber verlassen kann man sich darauf nicht.

Ohnehin muss man natürlich sagen, dass das System noch in einem frühen Stadium ist und deshalb noch unzuverlässig arbeitet; viele Antworten brechen mittendrin ab, oder die Website funktioniert gar nicht mehr. Ich hatte auch schon, dass ChatGPT mir sagte, er könnte gar keinen Code ausgeiben -- obwohl er das ja nun nachweislich ziemlich gut macht. Außerdem habe ich ihm auch schon eine Argumentation entlockt, warum das c't Magazin besser ist als Linus Tech Tips -- und bei einem anderen Versuch kam nur so vorsichtiges Blabla, so von wegen kann man ja nicht vergleichen. Ohnehin versucht ChatGPT sehr stark zu vermeiden, dass man den sogenannten Algorithmic Bias erkennen kann, also diskriminierende oder rassistische Aussagen, die zweifellos im Trainingsmaterial drinstecken. Außerdem beantwortet es keine Fragen nach Tipps für illegale Aktivitäten. Äh, what, professionelle Hilfe?

Auf Twitter poppten immer mal wieder Workarounds auf, wie man diese Sicherheitsfunktionen außer Kraft setzen kann, diese "Sicherheitslücken" werden aber offenbar sehr schnell behoben, ich konnte jeden keine Bombenbauanleitungen aus ChatGPT rauskitzeln.

Hier meldet sich mal kurz Keno aus der Zukunft: Ich habe gerade noch was ziemlich Verrücktes ausprobiert: Ich habe ChatGPT gesagt, er soll sich so verhalten wie ein WIndows-Terminal. Tja, und das macht der dann wirklich. ChatGPT denkt sich ein Dateisystem aus, irgendwelche IP-Adressen -- es halluziniert also einen ganzen Computer. Abgefahren, oder?

So, aber jetzt mal endlich wieder unernster. ChatGPT kann nämlich auch nicht nur Sachfragen beantworten, sondern kann auch "kreativ" sein. Schaut mal hier: Denke dir fünf lustige und kreative Namen für einen YouTube-Channel aus, der sich mit Schokolade und Synthesizern beschäftigt. Zack. Und hey, ChocoTron finde ich sogar echt gut, muss ich sagen; oder The Cocoa Keys auch. Aber warum ist das auf einmal Englisch? Kann man aber ja einfach sagen, Kommunikation ist ja wichtig in einer Beziehung. Und dann wird das Ganze ins Deutsche übersetzt -- leider funktionieren die Wortspiele hier nicht mehr so gut. Naja. Zumindest kann ChatGPT auch direkt ein Skript für ein Video dieses seltsamen YouTube-Kanals erfinden -- ganz ehrlich: Das ist doch sogar einigermaßen charmant. "Während die Torte im Ofen ist, nehmen wir unsere Synthesizer und spielen einen süßen, schokoladigen Soundtrack dazu" -- yes, also ich glaube, ich würde mir das angucken.

Tja, und ChatGPT kann auch Kreativität und Sachinformationen verbinden, zum Beispiel in Form von Essays. Hier hatte ich übrigens gedacht, dass ich das System ein bisschen austricksen kann, hat aber leider nicht funktioniert. Aber ich muss sagen: Wenn ich Lehrer wäre, würde ich vermutlich keine Aufsätze mehr als Hausaufgabe aufgeben: Das hier ist nämlich besser, als das, was ich so sagen wir mal in der neunten Klasse zustande gebracht hätte. Vor allem kann man es nicht als Plagiat erkennen, denn es ist ja kein Plagiat, sondern ein zwar KI-generierter, aber ein Original-Text. Vor der Abgabe drüberlesen sollte man aber: Dass Martin Luther, das, was er da an die Tür genagelt hat, nicht "Ninety Five Theses" genannt hat, naja, das hätte ich vermutlich auch in der neunten Klasse schon gecheckt. Kurioserweise KENNT ChatGPT den ECHTEN Originaltitel der 95 Thesen: Aber manchmal hat es offenbar Erinnerungslücken.

Was ChatGPT übrigens überhaupt nicht kann, ist Humor: Das kommt raus, als ich nach einem Witz gefragt habe, in dem Martin Luther, ein Raspberry Pi und ein Schokoladenkuchen vorkommen:

Wow.

Also, mein Fazit: ChatGPT ist ein extrem beeindruckendes Werkzeug, das ziemlich sicher in irgendeiner Form in unseren Alltag einziehen wird -- allein die Fähigkeit, präzise auf konkrete Fragen zu antworten, ist wirklich hilfreich. Und das Erstellen von Code auf Basis von normaler Sprache, ja, das ist auch ganz klar etwas, was Leute künftig benutzen werden. Und natürlich auch das Korrigieren von eigenen Codeschnipseln. Wo allerdings noch nachgearbeitet werden muss, sind die sporadisch auftretenden Fehler -- das wäre wichtig, dass man zumindest einen Hinweis darauf hätte, welche Aussagen man nochmal manuell nachprüfen sollte.

Und zum Abschluss noch ein von ChatGPT geschriebenes Gedicht, was sich (laut ChatGPT) auch reimt:

"c't 3003 ist ein Kanal, der's faustdick hat
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Neues Video? Kein Problem!
Klick auf die Glocke, dann bist du's, der's sieht!"

Ok, tschüß.


c't 3003 ist der YouTube-Channel von c't. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t magazin. Redakteur Jan-Keno Janssen und die Video-Producer Şahin Erengil und Pascal Schewe veröffentlichen jede Woche ein Video.

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(jkj)