eRosita: Deutsches Röntgenteleskop noch nicht von Russland reaktiviert

Zwei Wochen nachdem Russlands Raumfahrtchef angedroht hat, das deaktivierte deutsche Instrument eRosita reaktivieren zu wollen, ist der Status quo unverändert.

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Künstlerische Darstellung von Spektr-RG

(Bild: DLR (CC-BY 3.0))

Von
  • Martin Holland

Das auf einem russischen Weltraumteleskop installierte deutsche Instrument eRosita ist trotz einer gegenteiligen Ankündigung aus Russland weiterhin inaktiv. Am Status quo habe sich nichts geändert, teilte das für den Betrieb des Röntgenteleskops zuständig Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik gegenüber heise online mit. Das Max-Planck-Institut führt aktuell Wartungsarbeiten an dem Teleskop durch. Zuletzt hatte es auch in Russlands Wissenschaft vermehrt Kritik an dem Plan gegeben, das Gerät ohne Hilfe aus Deutschland wieder in Betrieb nehmen zu wollen – aus "politischen und technischen Gründen". Dabei hatte der Chef der russischen Raumfahrtagentur den Plan mit Wünschen aus wissenschaftlichen Institutionen aus Russland begründet.

Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin hatte Anfang Juni im russischen Fernsehen behauptet, die Reaktivierung des Instruments angeordnet zu haben. Die dafür Verantwortlichen in Deutschland bezichtige er dabei in Bezug auf den Krieg in der Ukraine "profaschistischer Ansichten". Die Wiederinbetriebnahme des Instruments, das nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine von Deutschland aus deaktiviert worden, habe sich die russische Forschung gewünscht, hatte er behauptet. Wenig überraschend, scheint das nicht gestimmt zu haben.

Dem bereits damals geäußerten Widerspruch hat sich auch der Chef des Instituts für Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften angeschlossen. Es handle sich nicht um ein russisches Gerät und er wisse nicht einmal, wie realistisch die Ankündigung überhaupt ist. Aber selbst wenn sie die nötigen Codes hätten, wären so gesammelte Daten nutzlos, "kein Fachblatt würde sie akzeptieren und veröffentlichen", sagte Lew Seljony der Zeitschrift Gazeta. Sein gesamtes Institut lehne Rogosins Plan ab. Der geht davon aus, dass es bis zur Inbetriebnahme zwei bis vier Monate dauern könnte.

eRosita (extended Roentgen Survey with an Imaging Telescope Array) ist ein Röntgenteleskop. Es kann den gesamten Röntgenhimmel mit bisher unerreichter Tiefe kartieren. Seine erste komplette Durchmusterung hatte es Mitte 2020 abgeschlossen. Es sucht unter anderem nach riesigen, bisher unbekannten Strukturen. Installiert ist eRosita neben dem russischen Teleskop ART-XC auf der Weltraumsonde Spektrum-Röntgen-Gamma (Spektr-RG). Die deutsche Seite hatte Ende Februar entschieden, das Röntgenteleskop abzuschalten, seitdem forscht es nicht mehr. Bereits gesammelte Daten werden aber weiter ausgewertet und liefern neue Erkenntnisse über das Universum.

(mho)