eRosita: Russland will deutsches Röntgenteleskop ohne Erlaubnis reaktivieren

Nach dem Angriff auf die Ukraine hatten die Verantwortlichen das auf einer russischen Sonde installierte Gerät deaktiviert. Das akzeptiert Roskosmos nicht mehr.

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Künstlerische Darstellung von Spektr-RG

(Bild: DLR (CC-BY 3.0))

Von
  • Martin Holland

Russlands Raumfahrtagentur will das deutsche Teleskop eRosita ohne Zustimmung wieder aktivieren und riskiert damit dessen Beschädigung. eRosita ist auf dem russischen Weltraumteleskop Spektr-RG installiert und war als Reaktion auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine deaktiviert worden. Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin behauptete jetzt in einem Fernsehinterview, die Reaktivierung des Instruments angeordnet zu haben, berichtet die Deutsche Welle.

"Die Menschen, die die Entscheidung zur Deaktivierung getroffen haben, haben nicht das moralische Recht dazu, diese Forschung für die Menschheit zu unterbinden, nur weil ihr profaschistischen Ansichten denen unserer Feinde ähneln", zitiert die Nachrichtenseite den Raumfahrtchef. Der unterstützt seit Wochen lautstark den russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen Begründung des blutigen Angriffskriegs.

Rogosin behauptet dem Bericht zufolge, dass der Ruf nach der Reaktivierung des Instruments aus der russischen Forschung kommen würde: "Russische Spezialisten beharren darauf, die Arbeit fortzusetzen." Dem widerspricht zumindest indirekt der Leiter der Mission von Spektr-RG, der Astrophysiker Rashid Sunyaev. Versuche, das Instrument ohne Mithilfe aus Deutschland zu reaktivieren, könnten dem Gerät schaden, sagte er der Deutschen Welle zufolge. Es bestünde andernfalls die Gefahr, dass das Gerät "zusammenbreche". In dieser Situation würden einseitige Aktionen außerdem nur das Misstrauen zwischen den Menschen verschärfen, habe er noch gewarnt.

eRosita (extended Roentgen Survey with an Imaging Telescope Array) ist ein Röntgenteleskop. Es kann den gesamten Röntgenhimmel mit bisher unerreichter Tiefe kartieren. Seine erste komplette Durchmusterung hatte es Mitte 2020 abgeschlossen. Es sucht unter anderem nach riesigen, bisher unbekannten Strukturen. Installiert ist eRosita neben dem russischen Teleskop ART-XC auf der Weltraumsonde Spektrum-Röntgen-Gamma (Spektr-RG). Die deutsche Seite hatte Ende Februar entschieden, das Röntgenteleskop abzuschalten, seitdem forscht es nicht mehr. Bereits gesammelte Daten werden aber weiter ausgewertet und liefern neue Erkenntnisse über das Universum.

(mho)