heise meets… Data Center - Rückgrat der Digitalisierung

"Data Center sind nicht Teil unseres Nachhaltigkeitsproblems, sondern Teil der Lösung", meint Dr. Béla Waldhauser vom Providerverband eco.

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Von
  • Gisela Strnad

Seit den 1960 Jahren gibt es Rechenzentren in Deutschland, der richtige Boom kam allerdings erst vor 15 Jahren. Ab 1998 wurden große Co-Location-Rechenzentren in Deutschland gebaut, in denen das Gebäude mit der entsprechenden Infrastruktur wie Strom oder und Kühlung zur Verfügung gestellt wird; der eingemietete Kunde bringt seine IT-Hardware und Software selbst mit. Die Nachfrage an diesen Co-Location Rechenzentren steigt mit 10 bis 15 % pro Jahr explosionsartig. Wobei etwa 80 % der Verträge mit großen Anbietern wie Google, Amazone, Microsoft usw. abgeschlossen werden.

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Der größte Rechenzentrums-Cluster Deutschlands liegt derzeit in Frankfurt Rhein-Main. Die Region ist auch in Kontinentaleuropa der Data-Center-Hotspot, mit einem derzeitigen Stromverbrauch von 20 % der Region. Bundesweit liegt der Anteil am Stromverbrauch für Rechenzentren bei 3 bis 4 %.

Laut dem Koalitionsvertrag der Ampel-Bundesregierung müssen neue Rechenzentren ab 2027 klimaneutral gebaut werden; die Branche der Rechenzentrumsbetreiber in der EU hat sich verpflichtet, dass alle Rechenzentren bis 2030 klimaneutral sind. Dr. Béla Waldhauser von der "Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen" beim Providerverband eco merkt jedoch an, "dieses Ziel ist bei der derzeitigen Energiepolitik nur schwer umsetzbar".

Skandinavische Länder hätten hier einen erheblichen Standortvorteil, da der Großteil des Stromes aus Wind und Wasserkraft gewonnen wird. "Unser Vorteil ist, das zeitkritische Anwendungen in der Nähe der Nutzer stehen müssen. Es ist aber erkennbar, dass, wenn es nicht um zeitkritische Anwendungen geht, die Betreiberkosten eine große Rolle spielen und Rechenzentren in Skandinavien, den Niederlanden oder in Frankreich gebaut werden."

Die derzeitigen Rechenzentren kühlen in der Regel mit Luft. Die Abwärme liegt bei 30 bis 35 Grad, sie ist nur eingeschränkt nutzbar. Würde der Nutzer des Rechenzentrums auf wassergekühlte Server umsteigen, beträgt die Abwärme ca. 60 Grad. Diese Abwärme könnte in ein Fernwärmenetz eingespeist werden.

Dr. Béla Waldhauser von der "Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen" beim Providerverband eco

"Erste Leuchtturmprojekte von Telehouse gibt es bereits in Frankfurt. Wo ein Rechenzentrum einen Wohnkomplex mit 1300 Wohneinheiten, Kindergärten und Ladengeschäften mit Wärme versorgt", erläutert Waldhauser. Rechenzentrumsbetreiber, Nutzer und Fernwärmeanbieter müssten zukünftig umdenken und neue Lösungen schaffen.

"Der Breitbandausbau ist derzeit kein Thema. Unsere Schwachstelle ist der Glasfaserausbau. Hier bildet Deutschland immer noch eines der Schlusslichter in Europa. Auch 5G braucht Glasfaser", meint Wladhauser Positiv für Deutschland sei derzeit der weltweit größte Internetaustauschknoten von De-CIX in Frankfurt. Zudem bestünden viele Kunden darauf, dass ihre Daten in Deutschland gehalten werden; das veranlasse gerade große US- Hyperscaler ihre Rechenzentren in Deutschland aufzubauen. "Dabei treten wir aber immer mehr in den Wettbewerber zu skandinavischen Ländern, Niederlande und Frankreich, wo die Strompreise geringer sind, Genehmigungsverfahren schneller durchgesetzt werden und Flächen auch ausreichend zur Verfügung stehen."

"Wir stehen erst am Anfang der Digitalisierung und der Bedarf an Rechenzentren wird in den nächsten Jahren noch enorm steigen. Zudem werden wir im Umfeld der Nachhaltigkeitsdiskussion Rechenzentren anders denken müssen. Den Rechenzentren sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung", hält Dr. Bela Waldhauser fest.

Weitere Informationen zum Thema Data Center / Rechenzentren finden Sie auch in den aktuellen Studien des eco und des IT-Branchenverbands Bitkom.

(jk)